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Amazon-Bilanz: ‚Gut‘ ist nicht gut genug

Selber Film, andere Darsteller: Auch Amazon wird für die Vorlage guter Unternehmensdaten nicht von der Börse belohnt. Und das, obwohl das weltgrößte Online-Kaufhaus mir seiner Konzernbilanz für das angelaufene dritte Quartal erneut die Analystenprognosen übertraf und so viel verdiente wie nie. Doch während das der Umsatz weiter explodierte, verlangsamte sich die Gewinnentwicklung: Noch immer verdient Amazon deutlich weniger als eBay, ist aber doppelt so viel wert – zumindest noch...

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Selber Film, andere Darsteller: Auch Amazon wird für die Vorlage sehr guter Unternehmensdaten nicht von der Börse belohnt. Und das, obwohl das weltgrößte Online-Kaufhaus mir seiner Konzernbilanz für das angelaufene dritte Quartal  erneut die Analystenprognosen übertraf und im selben Zeitraum so viel verdiente wie nie. Doch während der Umsatz weiter explodierte, verlangsamte sich die Gewinnentwicklung: Noch immer verdient Amazon deutlich weniger als eBay, ist aber doppelt so viel wert.

Es gibt Geschichten, die versteht nur die Wall Street. Eine davon geht so: Es waren einmal zwei E-Commerce-Unternehmen, die Ende der 90er Jahre an die Börse gingen. Zunächst war das eine beliebter als das andere. Das eine verkaufte Bücher, dann schnell andere Artikel – direkt, mit physischer Lagerung. Das andere bot sie via Online-Auktion an und sparte sich damit physischen Kosten. Es erreichte schneller den Breakeven, war an der Börse beliebt und irgendwann das wertvollste Internet-Unternehmen der Welt. Sein Name: eBay.

Das Dot.com-Unternehmen namens Amazon hatte anfangs des vergangenen Jahrzehnts eine ganz schwere Zeit, weil es sich Reichweite erkaufte, statt Geld zu verdienen. Die Amazon-Aktie fiel um 90 Prozent, es galt als populärster Internet-Pleitekandidat. Dann drehte der Wind: Amazon verdiente Geld, und die Aktie zog enorm an, während eBay an der Börse in Ungnade fiel, obwohl das Online-Auktionshaus immer noch viel Geld verdiente.  

An beiden Trends hat sich bis heute wenig geändert: Amazon ist der Börsenstar und wächst schneller – und eBay verdient immer noch mehr. Viel mehr: 531 Millionen Dollar im dritten Quartal, wie gestern ausgewiesen, während Amazon es im selben Zeitraum nicht mal auf die Hälfte brachte:  231 Millionen Dollar blieben beim Online-Einzelhändler hängen. In anderen Worten: eBay verdient doppelt so gut wie Amazon – ist aber nicht mal halb so viel wert! Dem Börsenwert eBays von 35 Milliarden Dollar stehen enorme 73 Milliarden Dollar bei Amazon gegenüber.  

Amazon: Gewinn steigt nur um 16 Prozent

Dass die Börse angesichts solcher Mondbewertungen aber auch nicht den Hauch von geringerem Wachstum verzeiht, bekam Amazon nachbörslich bei Vorlage der neusten Quartalszahlen zu spüren: Natürlich waren die Ergebnisse für den Geschäftszeitraum Juli bis September stark – die Analystenschätzungen, die von einem Gewinn je Aktie in Höhe von 48 Cents ausgegangen waren, wurden leicht geschlagen. Amazon verdiente 51 Cent je Aktie.

Doch das reicht eben nicht, um die enorm hochfliegende Amazon-Aktie weiter  zu befeuern, repräsentierte das Konzernergebnis jedoch lediglich ein Gewinnwachstum von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gewiss: Amazon hat seine Ausgaben erhöht – allein das Marketingbudget wurde um 62 Prozent auf über 240 Millionen Dollar aufgestockt und die verschiedenen Modelle des E-Readers Kindle, die inzwischen schon bei 139 Dollar anfangen, aggressiv bepreist.

Nebulöser Ausblick: Alles scheint möglich

Wie viel Potenzial in dem nach Google zweitwertvollsten Internet-Unternehmen der Welt steckt, macht das Umsatzwachstum deutlich: Mit 7,56 Milliarden Dollar explodierten die Erlöse um 39 Prozent. Analysten hatten mit 7,43 Milliarden Dollar gerechnet.

Doch der Ausblick auf das bei weitem wichtigste Quartal des Jahres – das laufende Weihnachtsgeschäft – unterstreicht einmal mehr, auf welch dünnem Eis sich der weltgrößte Online-Einzelhändler inzwischen bewegt: Zwischen 12,0 und 13,3 Milliarden Dollar könne der Umsatz liegen – zwischen 360 und 540 Millionen das Nettoeinkommen.

Im Klartext bedeutet das: Alles ist möglich – von einem Gewinnanstieg von 18 Prozent bis zu einem Gewinnrückgang von 24 Prozent! Für ein Internet-Unternehmen mit der hochfliegenden Bewertung eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) von über 60 (!) ist so ein Gewinnausblick viel zu wenig. Analysten hatten schließlich mit Gewinnen in Höhe von 615 Millionen Dollar gerechnet.

Es scheint fast, als müsse Amazon aufpassen, dass der Trend nicht wieder kippt: Die Börse, die ja stets darauf bedacht ist, die Zukunft zu antizipieren, hat zumindest ihr kurzfristiges Urteil gefällt – während die Amazon-Aktie gerade um 4 Prozent nachgab, legte eBay gestern um 7 Prozent zu.

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