„Wer bin ich und, wenn ja, wie viele?“

Vom Blog in die gedruckte Zeitung: Die Affäre um hundert anonym abgegebene Kommentare im Blog von Stefan Niggemeier, die vermutlich aus der Feder von Konstantin Neven DuMont stammen, zieht größere Kreise. Die FTD, die Süddeutsche und die FAZ haben den Skandal um "erfundene Kommentatoren", "wilde Vermutungen" und "einen mitteilsamen Verleger" aufgenommen. Gut kommt DuMont dabei nicht weg. Die Financial Times Deutschland stellt sogar die Frage: "Wer bin ich und, wenn ja, wie viele?"

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Damit dürfte Konstantin Neven DuMont wohl nicht gerechnet haben: Die vor zwei Tagen durch einen Blogartikel von Stefan Niggemeier ausgelöste Affäre um gehässige Kommentare und rund 100 erfundene Kommenatoren-Namen hat das Interesse der Printmedien geweckt. Mit direkten Äußerungen zu DuMonts und Kommentaren zu dessen vermutlich lancierter Kommentarflut halten sich die Autoren zurück. Dafür blitzt an der ein oder anderen Stelle bitterböser Zynismus zwischen den Zeilen auf.
Die Süddeutsche Zeitung titelt bissig “Quasseln bis zum Entsetzen”. Der Grundtenor bleibt auch so zynisch: “Vielleicht das Gute zuerst. Konstantin Neven Du Mont, 40, ist kein gewöhnlicher Medienunternehmer. Der Sohn des Kölner Verlegers Alfred Neven DuMont, 83, und Aspirant auf die Leitung der Verlagsgruppe M.DuMont Schauberg (Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau, Mitteldeutsche Zeitung) ist ein sehr mitteilsamer Mensch." Autor Marc Felix Serrao stichelt weiter: "Andere Verleger wirken eher im Hintergrund. Er nicht. Andere haben Antworten. DuMont hat auch Fragen. Viele Fragen.”

Mit persönlichen Äußerungen hält sich Serrao zurück. Dafür ist er in seiner Wortwahl umso zynischer. So zitiert er aus DuMonts Facebook-Aktivitäten: “Mitunter denkt DuMont auch über das Sein an sich nach: "Morgen werde ich 40. Ist das jetzt gut, schlecht oder egal?"

Bitterböse titelt die Financial Times Deutschland “Wer bin ich und, wenn ja, wie viele?” Trotzdem hält sich Autor Matthias Oden mit einem Verriss der mutmaßlichen Kommentarflut auf Niggemeiers Blog erst einmal zurück und resümiert: “Es ist ein gewaltiger Vorwurf, der da mitschwingt: Ein Verleger, der anonym einen mehrfach für seine Verdienste um die deutsche Medienlandschaft ausgezeichneten Blogger zu diskreditieren versucht?”

Weiter heißt es: “Und eigentlich wäre Neven DuMonts Antwort schon unangenehm genug für ihn: Mitarbeiter eines Konzernvorstands, die ohne dessen Wissen von seinem Rechner aus Feldzüge gegen den Kritiker des Chefs führen – es gibt Eingeständnisse, die leichter fallen. Aber es kommt noch dicker: Denn Niggemeier zufolge erreichen ihn noch immer Kommentare von Neven DuMonts Computer. Und wenn beide, Neven DuMont und Niggemeier, die Wahrheit sagen, führt das wiederum zu der Frage: Wer greift da gegen den erklärten Willen von Neven DuMonts auf seinen Rechner zu? Wie auch immer die Antwort darauf ausfallen mag, in einem hat Niggemeier wohl recht: ‚Es ist eine bizarre Geschichte.’”

Andrea Diener von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stellt die Frage, die sich vermutlich viele gestellt haben, nachdem sie von den Vorwürfen gegen DuMont gehört haben: “Hat einer der wichtigsten Medienmanager des Landes wirklich nichts Besseres zu tun, als sich unter rund hundert verschiedenen Decknamen in einem Blog zu Wort zu melden und mit anderen Kommentatoren, zur Not aber auch mit sich selbst zu diskutieren?”
Mit einer Stellungnahme des Kölner Verlegers kann keine der Zeitungen aufwarten. Denn nachdem DuMont sich MEEDIA gegenüber zu Niggemeiers Vorwürfen geäußert hat, ist der Medienmanager verreist.

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