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Alle Tageszeitungen verlieren Käufer

Auch im dritten Quartal sah es für die deutschen Tageszeitungen nicht gut aus. Alle ca. 50 regionalen und überregionalen Titel mit mehr als 100.000 Käufern verloren an Auflage, zum Teil heftig. Besonders deutlich ging es in Berlin nach unten, vergleichsweise glimpflich kamen die Titel im Süden der Republik davon. MEEDIA hat sich durch den Dschungel der Zeitungsauflagen gekämpft und zeigt alle Verkaufszahlen der wichtigsten deutschen Tageszeitungen im Überblick nach Regionen.

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Die Analyse der Zeitungs-Auflagen ist diesmal etwas komplizierter als in den anderen Quartalen. So mussten im dritten Quartal mindestens fünf Remissionstage aus dem zweiten Quartal zusätzlich verbucht werden. Dieses Detail führte dazu, dass die Auflagen automatisch ein wenig unter dem Vorjahresergebnis lagen – besonders bei Blättern, die im Einzelverkauf stark sind, wie die Boulevardzeitungen. Wie stark sich dieser Sondereffekt ausgewirkt hat, ist bei den Titeln aber unterschiedlich und nicht öffentlich bekannt.

Insbesondere in Berlin, wo wir unsere traditionelle Reise durch die Bundesländer beginnen, liegen die Auflagen-Verluste aber zum Teil deutlich über diesen Sondereffekten. So verloren alle fünf Blätter zwischen 5,6% und 12,9% ihrer Vorjahres-Verkäufe. Aber: Die besonders drastischen Verluste des Trios Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost und Tagesspiegel haben damit zu tun, dass alle drei Blätter zwischen 11.500 und 13.500 sonstige Verkäufe abgebaut haben. Ohne diese beabsichtigten Auflagenverluste hätte es vor allem bei der Morgenpost (Abos nur minus 1,1%) und dem Tagesspiegel (Abos minus 1,0%) deutlich besser ausgesehen. Die beiden Kaufzeitungen B.Z. und Berliner Kurier verloren im für sie wichtigen Einzelverkauf 8,4% bzw. 10,2% – wie viel davon durch den oben beschrieben Sondereffekt – unklar.

In den anderen fünf östlichen Bundesländern liegen die Verluste fast überall auf einem ähnlichen Niveau, nämlich zwischen einem Minus von 2,3% und 3,9%. Abweichler gibt es allerdings in Mecklenburg-Vorpommern. Hier büßte die Ostsee-Zeitung nur 1,6% ihrer Vorjahres-Verkäufe ein, die Schweriner Volkszeitung hingegen deutliche 5,1%. Nach absoluten Zahlen gerechnet ging es für die Zeitungsgruppe Thüringen am kräftigsten bergab: um 11.633 Verkäufe auf 304.848.

Im zweiten Teil unseres Überblicks gibt es zwei Auflagen-Gewinner – und das, obwohl wir doch eingangs behauptet hatten, alle Tageszeitungen in unseren Rankings hätten verloren. Der Grund für den Anstieg ist dann auch ein anderer als ein Boom bei den Zeitungskäufern. So hat die sh:z aus Schleswig-Holstein deswegen 3,2% hinzu gewonnen, weil in der Zwischenzeit die Elmshorner Nachrichten übernommen wurden – und mit ihnen die entsprechenden Käufer und Abonnenten. Ohne diese Übernahme läge auch die sh:z im Minus.

Ähnlich sind die Zahlen der Zeitungsgruppe Münsterland zu erklären. Der Wechsel des Bocholter Borkener Volksblattes von der Rheinischen Post zur Zeitungsgruppe Münsterland bescherte der ZGM einen großen Zuwachs, den es ansonsten nicht gegeben hätte. Ohne den BBV-Wechsel hätte es bei der Rheinischen Post dementsprechend natürlich auch deutlich kleinere Minuszeichen gegeben. Echt sind hingegen die kräftigen Verluste des Hamburger Abendblattes. Auch dort ging es zwar besonders im Einzelverkauf nach unten, bei den Abos aber auch um immerhin 4,9%. Weniger als 1% verloren haben hingegen der Weser-Kurier aus Bremen, die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg und die Neue Westfälische aus Bielefeld.

Die im Durchschnitt geringsten Verluste gibt es wie schon in der Vergangenheit in den südlicheren Bundesländern. In Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und Bayern verloren fast alle wichtigen Titel nur zwischen 0,9% und 1,9%. Ausnahmen sind die Saarbrücker Zeitung mit einem Minus von 2,5% und das Duo Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, das 3,5% der Vorjahres-Verkäufe eingebüßt hat. Im Gegensatz zu den Online-Angeboten konnten die Print-Produkte also nicht von der hitzigen Stuttgart-21-Diskussion profitieren.

Auch bei den überregionalen Zeitungen gibt es auf den ersten Blick einen Gewinner – und auch hier zeigt der zweite Blick, dass es kein echter Gewinner ist. So steigerte das Handelsblatt seine verkaufte Auflage zwar um 1,0%, doch dieses Plus kam ausschließlich dadurch zustande, dass der Verlag die Anzahl der Sonstigen Verkäufe und der Bordexemplare erhöht hat. Bei den Abos ging es hingegen um 3,9% nach unten, im Einzelverkauf am Kiosk sogar um 23,9%. Das sind allerdings keine wesentlich schlechteren Werte als beim direkten Konkurrenten Financial Times Deutschland – auch die FTD verlor 3,9% ihrer Vorjahres-Abonnenten. Wirtschafts-Tageszeitungen haben es derzeit also ziemlich schwer.

Heftig nach unten ging es zudem für die Bild und die Frankfurter Rundschau. Bei der FR baute man zwar etwa 11.000 Sonstige Verkäufe ab, doch auch die Abos fielen um 7,0% und der Einzelverkauf um 4,4%. Am wenigsten abgestürzt sind die Süddeutsche Zeitung und die F.A.Z. – beide Blätter blieben unter dem Minuswert von 2%.

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