Das Netz der Schein-Kommunikation

Der Fall der angeblich vom Verlagserben Konstantin Neven DuMont unter Pseudonymen veröffentlichen Kommentare ist merkwürdig. Unabhängig davon, ob DuMont wirklich der Urheber der wirren Kommentare ist, passt der Vorfall in die jüngste Reihe von gefälschten Kommentaren und gefakter Kommunikation im Netz. Die Freiheit des Internet bietet den idealen Nährboden für eine Schein-Kommunikation. Nutzer können sich oft nicht sicher sein, ob sie es im Internet mit authentischen Äußerungen zu tun zu haben.

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Es ist wie in dem berühmten alten Cartoon aus dem New Yorker: “Im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist”, sagt da ein Hund zum anderen während er vor einem Computer hockt. Man könnte ergänzen: Im Internet weiß niemand, ob du wirklich in dem Hotel warst, das du gerade bei HolidayCheck verrissen hast. Oder: Im Internet weiß niemand, dass das Technik-Produkt, das du bei Amazon so überschwänglich lobst, dein eigenes ist. Naja. Im letzteren Fall weiß man es mittlerweile schon. Aber auch nur, weil WeTab-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen die Privatsphäre-Einstellungen bei Amazon offenbar übersehen hat und das peinliche Bewertungs-Fälschen öffentlich zugeben musste. Gerade erst brachte der Spiegel einen großen Bericht über die zunehmende Zahl an Kommentar-Fälschungen bei Bewertungsportalen im Internet.

Im Falle des WeTab-Chefs flog die Sache auf. Ebenso bei den zahlreichen erfunden Nutzer-Kommentaren, die eine Textagentur für das Shopping-Portal T-Online Einkaufswelt der Telekom erfand. Während von Ankershoffen sein eigenes, fehlerhaftes Produkt plump über den grünen Klee lobte, erfand die von der Telekom-Tochter beauftragte Agentur ganze Nutzer-Dialoge. Es sollte der Eindruck erweckt werden, dass auf der Website eifrig kommentiert wird. Ein bisschen ist das so, wie wenn man im echten Leben eine gemütliche Kneipe sucht. Wenn es irgendwo ganz leer ist, geht man nicht so gerne rein. Wenn sich wo schon Leute tummeln, dann muss da ja was dran sein.

Der Fall um die wirre Kommentarflut im Blog von Stefan Niggemeier ist jetzt nochmals weitaus bizarrer. Hier scheint es so, als habe eine einzige Person, ganze Unterhaltungen mit verschiedenen Pseudonymen von sich selbst geführt. Und zwar offenbar um den Eindruck zu erwecken, es gebe zahlreiche Kommentatoren, die die Thesen von Konstantin Neven DuMont gut finden. Ob die irren Kommentare nun wirklich von DuMont junior verfasst wurden oder nicht, sei mal dahingestellt. Niggemeier sieht darin mit Recht einen Missbrauch der Kommentarfunktion seines Blogs. Hier liegt wiederum die Gemeinsamkeit zwischen dem geheimnisvollen Niggemeier-Kommentierer und den anderen bekannt gewordenen Kommentar-Fälschungen der jüngsten Zeit: In allen Fällen wird Schein-Kommunikation betrieben, wird echte Kommunikation nur vorgegaukelt. Das Stimmungsbild der Leser soll so in eine bestimmte Richtung beeinflusst werden. Sei es, um für ein Produkt zu werben, sei es, um für eine Person zu werben.

Was bleibt ist eine latente Unsicherheit, ob die vielen unter Pseudonymen verfassten Kommentare, Meinungen und Bewertungen im Netz nun authentisch sind oder von Personen oder Agenturen aus bestimmten Interessen heraus manipuliert wurden. In drei Fällen ist die Schein-Kommunikation ans Tageslicht gekommen. Gut möglich, dass es noch viel mehr Fälle gibt, in denen Schein-Kommunikation unentdeckt bleibt, weil sie schlicht ein bisschen geschickter betrieben wird. Gelegenheiten bei denen Manipulationen auffliegen, wie jetzt bei Helmut Hoffer von Ankershoffen, der T-Online Einkaufswelt oder den Kommentaren im Niggemeier-Blog, erinnern einen daran, dass mehr Hunde im Netz unterwegs sind, als man vielleicht denkt.

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