Wohin mit Murdochs Milliarden?

Die News Corporation von Rupert Murdoch steht im Zentrum von Verhandlungen und Spekulationen über milliardenschwere Übernahmen auf verschiedenen Märkten. Während sich in England eine immer breitere Front gegen die beabsichtigte Komplett-Übernahme des Bezahl-Senders BSkyB bildet, hat der Konzern offenbar ein Kaufangebot für die türkische Dogan-Gruppe (in Konkurrenz zu RTL und eventuell Springer) abgegeben und interessiert sich für den Internet-Konzern Yahoo.

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An Bargeld-Reserven mangelt es dem multinationalen Medienimperium von Rupert Murdoch ofensichtlich nicht. Erst kürzlich hatte er bei dem defizitären Münchener Pay-TV-Sender Sky weitere Millionen zugeschossen. Nun geht es um weitaus höhere Beträge: Schon vor Monaten hatte Murdoch erklärt, die restlichen 60 Prozent am erfolgreichen Sender BSkyB für etwa neun Milliarden Euro übernehmen zu wollen; vorbehaltlich der Zustimmung diverser britischer und europäischer Kontrollinstanzen.

Um diese Zustimmung ist ein regelrechter Medienkrieg entbrannt: Murdoch-Rivalen von der BBC bis zu Telegraph und Guardian warnen in einem gemeinsamen Protestbrief vor zu viel Meinungsmacht für News Corp. BBC-Chef Mark Thomson, der wegen Spar- und Rechtfertigungszwängen selbst harte Zeiten  durchmacht, erklärte: "Wenn man sich die Größenordnung klarmacht, in der Rupert Murdoch  an Gewicht in der britischen Medienlandschaft gewinnen würde, kann man das durchaus als Systemfrage ansehen."

Der in vielen Schlachten gestählte Murdoch lässt seine Truppen zurückschießen: Kommentare in Sun und Times bezichtigen die Kritiker, nur eigene Interessen im Auge zu haben. Sie "rotten sich zusammen", heißt es in einer Sun-Kolumne, um Murdochs Unternehmen "zum Entgleisen zu bringen".

Gut möglich aber, dass Murdochs Übernahme-Plan für BSkyB an einer der aufgestellten Kontroll-Hürden scheitert, am Ende könnte es die Brüsseler EU-Kommission sein. Dann gäbe es genug andere Ziele: News Corp. gehört zu den Bietern für die Medien des türkischen Dogan-Konzerns, an dem Springer beteiligt und RTL/Bertelsmann interessiert ist. Murdochs erste Offerte wurde als zu niedrig eingestuft, er kann aber nachlegen.

Mit Yahoo hat sich nun ein dritter Übernahme-Kandidat aufgetan: Offenbar wurde – neben dem ebenfalls nach einer neuen Identität suchenden Unternehmen AOL – auch Murdoch von Investoren kontaktiert, um zu prüfen, ob Interesse besteht. Die Yahoo-Aktie profitierte von den Gerüchten, der Börsenwert liegt jenseits von 20 Milliarden Dollar. Die Frage ist, ob Yahoo neben dem in der Bedeutung absinkenden MySpace in Murdochs Online-Strategie passt.

Ein Detail unterstreicht die finanzielle Potenz des Konzerns: In einer "Fortune"-Rangliste der bestbezahlten Manager unter 40 Jahren rangiert James Murdoch mit 8,8 Millionen Dollar auf Rang zwei. Der Sohn von Rupert Murdoch verantwortet das Geschäft in Europa und Asien und gilt als sicherer Nachfolger an der Spitze von News Corp.

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