RTL: Spekulation um Dogan-Kauf

Kaum kündigt Bertelsmann an, wieder investieren zu wollen, werden schon erste Übernahmepläne bekannt: Die RTL-Gruppe hat offenbar ein Gebot für Dogan Yayin vorgelegt. In der Türkei haben Fernsehsender und Zeitungen von Dogan, darunter die Hürriyet, einen Marktanteil von rund 30 Prozent. Auch die US-Konzerne News Corp. und Time Warner sind laut Reuters an einer Übernahme interessiert. Doch das Geschäft ist verzwickt: Dogan soll höhere Steuerbußgelder an den Staat bezahlen, als es an der Börse wert ist.

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Das Unternehmen befindet sich in einem Steuerstreit mit der türkischen Regierung. Die geforderten Bußgelder summieren sich auf 4,8 Milliarden Türkische Lira (umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro), berichtet die Agentur Dow Jones Newswires. Das RTL-Angebot für den Medienkonzern bewerten Analysten mit zwei Milliarden Euro. Ein Sprecher von Dogan sagte, dass das Unternehmen schon länger Vermögenswerte verkaufen wolle. Allerdings gestalte sich der Abschluss einer Transaktion wegen des schwelenden Steuerstreits schwierig.
Bereits zuvor wollte ein deutscher Verlag groß bei Dogan einsteigen: Die Axel Springer AG ist zur Zeit mit 20 Prozent an Dogan TV beteiligt. Sie verzichtete wegen des Steuerstreits im vergangenen Jahr jedoch darauf, die Beteiligung auszubauen, obwohl schon mehrere Gespräche stattgefunden hatten.
Den Streit zwischen der türkischen Regierung und Dogan beäugt das Ausland kritisch. EU-Politiker gehen davon aus, dass der Präsident Tayyip Erdogan regierungskritische Medien bestrafen oder ruhigstellen will. Offiziell geht es bei dem Zwist jedoch darum, den Umfang der grauen und bislang nicht besteuerten Wirtschaft zu reduzieren.
Zum Interesse von RTL, Time Warner und News Corp an Dogan sagte eine hochrangige türkische Managerin, dass das Unternehmen mehrere unverbindliche Angebote bekommen habe. Auch wenn die RTL-Gruppe gegenüber Reuters keine Stellungnahme abgeben wollte, scheint die Offerte realistisch. Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski hatte erst Ende September seine Wachstums-Strategie vorgestellt. Er kündigte Investitionen bis hin zum Kauf von TV-Sendern an.

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