Der Reichtums-Report der Jauch-Siegerin

RTL II ist dank der Sendung “Tatort Internet” mal wieder in aller Munde, die Journalistin Meike Winnemuth, die bei Günther Jauch 500.000 Euro gewonnen hat, schreibt in der aktuellen Ausgabe des SZ-Magazins über Reichtum. Das ist zwar Zufall, aber trotzdem passend. Hubert Burda fehlte zwar beim Mediengipfel der Medientage, unterbreitete seine Visionen dann einfach nebenan beim bayerischen Landtag, und das Rennen um die mediale Verwurstung der geretteten chilenischen Bergarbeiter hat längst begonnen.

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Man kann von der Sendung “Tatort Internet” bei RTL II halten, was man will. Es gibt gute Gründe, die Sendung zu kritisieren (zu reißerisch) und gute Gründe, sie zu loben (wichtiges Thema). Auf jeden Fall kann RTL II das Format schon jetzt als Erfolg verbuchen. Selten zuvor war der oft als Trash-Kanal gebrandmarkte Sender mit einem gesellschaftlich relevanten Thema so in aller Munde wie in diesen Tagen. Bild flankiert die Show mit groß aufgemachter und wohlmeinender Berichterstattung, und auch der Stern hat den Sendungstitel zur Titelzeile gemacht und reportiert gleich die undercover recherchierten Ergebnisse der Fernsehmacher nach. Jetzt gibt es Ärger, weil einige in der Sendung verfremdeten miesen Chat-Typen durch Netz-Recherchen im echten Leben auffindbar sein sollen. Für den Sender muss solche Aufregung nicht unbedingt schlecht sein.

Die SZ-Magazin-Redakteurin Meike Winnemuth hat bei Günther Jauchs “Wer wird Millionär?” einen tollen Auftritt hingelegt und durfte sich zurecht über 500.000 Euro Gewinn freuen. Nun scheint es, als habe Sie ihre Erfahrungen als Neu-Reiche gleich zu einem Stück im Magazin verarbeitet. Im aktuellen SZ-Magazin zum Thema Gleichberechtigung hat sie einen Text geschrieben mit dem Titel: “Dein Reichtum komme”. Unterzeile: “Gleichberechtigung? Führungsjobs? Brauchen Frauen gar nicht. Sie haben was viel Besseres: Geld” Was auf den ersten Blick wirkt wie ein Beitrag aus der Reihe “Ich über mich”, sei in Wahrheit reiner Zufall, heißt es aus der Redaktion. Der Reichtums-Artikel sei schon viel länger geplant und geschrieben worden. Die Aufzeichnung der “Wer wird Millionär?”-Sendung erst später gewesen. Dann hat Frau Winnemuth vielleicht nicht nur eine beeindruckende Allgemeinbildung, sondern am Ende auch noch hellsichtige Fertigkeiten.

Ein bisschen hat man Hubert Burda mit seinen visionären Einwürfen ja schon vermisst beim Medien-Gipfel der Medientage München. Burda-Fans in München konnten diese Woche aber trotzdem auf ihre Kosten kommen. Der Verleger war zwar nicht bei den Medientagen präsent, dafür hielt er am Dienstag eine Rede im Senatssaal des Bayerischen Landtags. Thema war in bester Burda’scher Meta-Manier: die Parallelen zwischen dem Kaufmann Jakob Fugger aus dem 16. Jahrhundert und der modernen Mediengesellschaft. Buchdruck und neue Seewege hätten das Handelsimperium der Fugger vor ähnliche Herausforderungen gestellt, wie heute das Internet die klassischen Medienhäusern. Eine Art Parallelwelten-Veranstaltung zu den doch bisweilen trockenen Medientagen.

Die spektakuläre Rettung der Bergleute aus der eingestürzten Grube in Chile ist bester Medienstoff. Drama, große Gefahren, große Gefühle und ein Happy End. Kein Wunder, dass sich TV-Stationen und Verlage schon ein Rennen und die Rechte an der Story liefern, kaum dass der letzte gerettete Gruben-Arbeiter das Tageslicht wiedergesehen hat. Laut einem Bericht von Broadcasting & Cable sind erste Exklusiv-Arrangements zwischen Familien der Minen-Arbeiter und US-TV-Stationen offenbar kurz vor dem Abschluss. Die Geretteten werden nun gern gesehene Gäste in Talkshows weltweit sein. Der britische Journalist Jonathan Franklin war besonders fix und hat bereits einen Buchvertrag für die Story. Sein Buch “33 Men, Buried Alive: The Inside Story of the Trapped Chilean Miners” soll nächstes Jahr erscheinen. Es wird wohl nicht das einzige bleiben. Und man geht gewiss kein großes Risiko ein, wenn man wettet, dass es in Kürze auch nicht nur einen Film zum Thema geben wird. Die Story ist einfach zu gut, um sie nach ihrem glücklichen Ende nicht durch die mediale Verwertungs-Maschinerie zu jagen.

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