Web wird teurer – aber wer bezahlt dafür?

Das Internet boomt, und die technischen Kapazitäten reichen bald nicht mehr aus. Beim Online-Gipfel der Münchner Medientage erklärte Telekom-Manager Wolfgang Kopf, dass sein Konzern davon ausgehe, dass die mobile Datenlast sich in den kommenden Jahren vervierzehnfacht, die des stationären Internets ums Vierfache wachse. Grund dafür ist die Flut an Video-Content und datenträchtigen Gaming-Angeboten. Unklar ist, wer am Ende dafür zahlt. Google-Deutschlandchef Philipp Schindler stellte klar: "Wir nicht."

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Dabei ist gerade Google mit seinem Bewegtbild-Portal YouTube einer der großen Datentreiber. Und auch Schindler hat ein Interesse daran, dass die Leitungsgeschwindigkeit bei Videos verbessert wird, notfalls müssten E-Mails "eben eine halbe Sekunde später zugestellt" werden. Kopf machte deutlich, dass der unvermeidliche Ausbau der Infrastruktur nicht von der Telekom allein finanziert werde, man sei mit allen wichtigen Anbietern "in Gesprächen". Offenbar sucht die Branche fieberhaft nach neuen Erlösmodellen, die zusätzliche Gelder in die Kassen der Investoren spülen.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner stellte klar, dass sie ein neues Preissystem, das für die Qualität des Webzugangs "völlig unübersichtliche" Tarife zur Folge hätte, nicht akzeptiere. Der Endverbraucher müsse wissen, was ihn die Nutzung des Internets koste. Auch sei die Bevorzugung bestimmter Nutzungen mit dem Gebot der Netzneutralität nicht vereinbar.
Kritik an der Besetzung des Online-Gipfels hatte es bereits im Vorfeld der Veranstaltung gegeben. Im Jakblog kritisierte Journalist und Dozent Christian Jakubetz, dass dort mit Aigner, ihrer Politkollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie dem "Digital Native" Klaus Schrotthofer von der Zeitungsgruppe Thüringen "Blinde über Farbe debattieren".

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