Anzeige

Spiegel & Focus: Rekordverkäufe mit Sarrazin

Die Debatte um die Thesen von Thilo Sarrazin hat große Teile der Bevölkerung wochenlang beschäftigt - nun zeigt sich das auch in den Verkaufszahlen der Magazine. Sowohl der Spiegel als auch der Focus setzten von ihren Sarrazin-Titeln überdurchschnittlich viele Exemplare ab. Besonders die Spiegel-Zahlen sind dabei bemerkenswert: Mit über 410.000 Einzelverkäufen an Kiosk und Co. war Ausgabe 36/2010 der erfolgreichste Spiegel ohne DVD-Beilage seit dem Tod von Michael Jackson vor mehr als einem Jahr.

Anzeige
Damals wechselte Heft 27/2009 mit der Zeile "König Einsam" zum Jackson-Tod 416.094 Mal am Kiosk den Besitzer, seitdem erzielten nur Ausgaben mit DVD-Beilage, die sich traditionell besser verkaufen, noch stärkere Zahlen. "Volksheld Sarrazin" sprang nun auf eine Einzelverkaufszahl von 410.829. Diese Werte aus dem MEEDIA-Cover-Check bestätigen, dass der Spiegel in diesen Wochen bei der Themenauswahl für den Titel einen "Lauf" hat und mit der Reaktion auf die Kritik am zuvor weitgehend unkommentiert publizierten Vorabdruck von Auszügen des Sarrazin-Buches "Deutschland schafft sich ab" die goldrichtige Ansprache für die eigene Zielgruppe fand – indem unter der Headline "Volksheld Sarrazin" doppelbödig auf das Gefährdungspotenzial des umstrittenen Populisten hingewiesen wurde. Zudem erscheint der tolle Wert von mehr als 410.000 verkauften Exemplaren im Einzelverkauf auch als Indiz für das Revival, das der Zeitschriftenjournalismus derzeit erlebt. Nicht nur das Anzeigengeschäft kommt wieder, auch die Auflage erreicht wieder altbekannte Printstärke.

Und noch etwas: Auch bei Burda wird man die Verkaufszahlen des Sarrazin-Heftes mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen. Mit 123.104 abgesetzten Exemplaren war Heft 36/2010 der zweiterfolgreichste Focus der vergangenen drei Monate. Zwar trennen das langjährige Fakten-Magazin im Verkauf zahlenmäßig durchaus nach wie vor Welten von den Wettbewerbern, doch die Saat des erst seit relativ kurzer Zeit wirkenden Blattmachers Wolfram Weimer scheint aufzugehen. Der will den Focus schärfen und zum Debatten-Magazin machen. Der Verkauf der Ausgabe "Staatsaffäre Sarrazin" mit einem Exklusiv-Interview gibt ihm Recht, weil dieser einen sehr ordentlichen Verkaufswert erzielt und sich durchaus mit den Service-Topverkäufern in diesem Jahr messen kann. In München entwickelt sich etwas, der Trend geht nach oben.

Auch der Stern kann zulegen, allerdings mit einem völlig anderen Thema. Das Cover "Risiko Krankenhaus" bringt das Magazin vom Baumwall wieder über die 300.000er-Schwelle im Einzelverkauf – zum ersten Mal seit dem Kachelmann-Titel fünf Wochen zuvor. Darüber kann man froh sein, könnte kritisch aber auch anmerken, dass dem Stern (zumindest auf dem Titel) kein Dreh eingefallen ist, das hitzige Sarrazin-Thema für sich zu nutzen. Politik als Titelstory scheint beim Stern derzeit ein schwieriges Geläuf zu sein: Der Nierenspender Steinmeier (Ausgabe 35/2010) erwies sich als Verkaufsflop, und bei Stuttgart 21, wo das Magazin gute Stories hatte, fehlte den Blattmachern offenbar das letzte Zutrauen, daraus ein Fullcover-Titelthema zu schmieden, das auch am Kiosk erfolgreich ist. Die Zahlen für den Titel "Die Atom-Lüge" stehen noch aus, vielleicht bewegt sich da ja was.

  

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige