Microsoft startet nächste Aufholjagd

Microsoft versucht es nochmal: Mit viel Selbstbewusstein präsentierte der zweitwertvollste Technologiekonzern der Welt gestern in New York sein neues mobiles Betriebssystem Windows Phone 7. Die ersten Reaktionen der Technologiepresse fielen durchaus wohlwollend aus. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft kommen neue Smartphones mit dem Microsoft-OS in den Handel. Insgesamt sind zum Start neun verschiedene Modelle bei Dell, Samsung, LG und HTC geplant.

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Microsoft versucht noch einmal die Flucht nach vorn: Nach dem schwer gefloppten MP3-Player Zune und den schon wieder einkassierten Smartphones Kin müht sich der Software-Riese wieder einmal, nicht den Zukunftstrend der Technologiebranche zu verpassen. Und der liegt weiter im mobilen Internet: Im Zentrum der Bemühungen steht diesmal jedoch nicht die Hard-, als vielmehr die Software – jener Konzern-Bereich also, in dem sich der lange Zeit wertvollste Konzern der Welt seine Meriten verdient hat.

Entsprechend geräuschvoll wurde gestern in New York von Konzernchef Steve Ballmer zusammen mit AT&T Mobile-Chef Ralph de la Vega das neue mobile Betriebssystem Windows Phone 7 vorgestellt. Mit dem neuen Microsoft OS, das Windows Mobile ablöst, soll eine "eine andere Art von Telefon" ("A different kind of Phone") auf den Markt kommen – das Selbstbewusstsein ist dem Microsoft-Boss auch nach einem Jahrzehnt ohne große Produktinnovationen und schweren Verlusten an der Börse nicht abhanden gekommen.

Microsoft zieht nach: Apps für Windows Smartphones

Was kann Windows Phone 7 also? Im Prinzip das, was Apples iPhones und die Android Smartphones seit Jahren vormachen: Ihren Nutzern mit den unzähligen Applikationen ein neues mobiles Universum zu geben. Mehr als zweieinhalb Jahre nach Apples erster AppStore-Ankündigung zieht auch Microsoft nach: Auf Smartphones von Samsung, LG, Dell und HTC, die als erste Handyhersteller auf Windows Phone 7 basierende Geräte anbieten, kommen künftig auch Microsoft-Nutzer in den App-Genuss.

Schon ab Donnerstag nächster Woche geht mit dem "HTC 7 Mozart“ das erste Windows 7-fähige Smartphone in der Bundesrepublik bei der Telekom an den Start, ein Tag später zieht O2 mit dem "HTC HD7“ nach. In den USA kommen am 8. November gleich bei LG, Samsung und HTC Modelle auf den Markt, die von AT&T vertrieben werden.

Erste Reaktion: "Windows Phone 7 ist ziemlich gut" – Wall Street unbeeindruckt
Ob Microsoft, dessen Marktanteil auf dem Markt mobiler Betriebssysteme auf vernachlässigbare fünf Prozent zurückgefallen ist, damit das Rad der Zeit noch einmal zurückdrehen und zu einer furiosen Aufholjagd zu den beliebten iPhones und Android-Handys blasen kann, erscheint fraglich. "Hoffentlich steht Microsoft hinter der Plattform, denn Windows Phone 7 muss sich auf eine epische Schlacht gefasst machen", bleibt etwa ein "TechCrunch"-Reporter skeptisch.

Immerhin: Das neue mobile Betriebssystem, das mit sogenannten "Hubs" und "Tiles" ("Kacheln") die wichtigsten Anwendungen – wie Internet, Musik, Spiele (inklusive Xbox-Anbindung) oder Office-Dokumente – nutzerfreundlich nach Aktualität auf dem Display anordnet und etwa die Kontakte sämtlicher Social Networks zusammenfasst, bekommt positive Erstkritiken.  "Windows Phone 7 ist ziemlich gut", befindet das Technologieportal "Alley Insider". "Das OS funktioniert gut. Das Scrollen durch die Kachel-Icons gefiel uns. Das Internet ist schnell. Die Office-Integration gut".

Anleger ließ die Präsentation des neuen mobilen Microsoft-Betriebssystems indes völlig unbeeindruckt. Die Aktie notierte an der Wall Street ganze 2 Cent fester und liegt seit Jahresgewinn weiter 19 Prozent hinten, während die Technologiebörse Nasdaq seit Januar 6 Prozent zugelegt hat.

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