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Foxconn: Gewalt und Knast-Atmosphäre

Konzernchef Terry Gou gab nach der nicht endenden wollenden Selbstmordserie beim weltweit größten Computerzulieferer den Reformer und versprach bessere Arbeitsbedingungen. Ein Bericht der chinesischen “Global Times” enthüllt: Nichts hat sich geändert. Im Gegenteil: Hilfsarbeiter würden bei Unfällen sich selbst überlassen, die Gehaltserhöhung sei nur Show gewesen, das Management mische sich in die Privatsphäre seiner Mitarbeiter ein, drohe mit Gewalt und schaffe eine regelrechte Gefängnisatmophäre.

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Konzernchef Terry Gou gab nach der nicht endenden wollenden Selbstmordserie beim weltweit größten Computerzulieferer den Reformer und versprach bessere Arbeitsbedingungen. Ein Bericht der chinesischen “Global Times” enthüllt: Nichts hat sich geändert. Im Gegenteil: Hilfsarbeiter würden bei Unfällen sich selbst überlassen, die Gehaltserhöhung sei nur Show gewesen, das Management mische sich in die Privatsphäre seiner Mitarbeiter ein, drohe mit Gewalt und schaffe eine regelrechte Gefängnisatmophäre.

Es war still geworden um den Konzern, der uns all die iPhones, iPads, Playstations und Notebooks beschert. Wir hatten in den vergangenen Monaten immer wieder über Foxconn berichtet. Über den größten Hersteller von Computertechnik weltweit. Ein Unternehmen, mit über 600.000 Mitarbeitern auf der ganzen Welt, der über Wochen und Monate wegen einer nicht enden wollenden Selbstmordserie ins Rampenlicht gezerrt wurde. Die Rede war von Überstunden, miserabler Bezahlung und mangelnden Erfolgsaussichten. Die Konzernleitung reagierte und erhöhte den Lohn um 30 Prozent. Bei besonderen Leistungen sollten sogar 66 Prozent mehr Gehalt winken.

Einmischung in die Privatsphäre
Seitdem wurde es still um Foxconn. Bis jetzt. Denn was nun aus Shenzen zu uns herüberschwappt, liest sich wie das Handbuch des grausamen Unternehmers. Die chinesischce Zeitung “Global Times” veröffentlichte vorab‘> über neue Missstände im Riesenkonzern. Die Zeitung steht der Kommunistischen Partei sehr nahe, die zur Zeit einige Probleme mit Foxconn zu haben scheint. Wang Yang, die Führungsfigur in der Kommunistischen Partei, forderte im Mai diesen Jahres Firmenchef Terry Gou öffentlich auf, die Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken grundlegend zu verbessern.

Glaubt man den Berichten, stehen Ausbeutung von jungen Menschen, Einmischung in die Privatsphäre und körperliche Gewalt für viele Mitarbeiter auf der Tagesordnung. Für eine vom Konzern unabhängige Studie waren 1736 Foxconn-Mitarbeiter von 60 Dozenten und Studenten der Universitäten von Hong Kong und Taiwan befragt worden. 14 der Interviewer bekamen sogar die Chance, sich selbst ein Bild von den Zuständen im Unternehmen zu machen und den Foxconn-Campus zu besuchen.

Körperliche Gewalt auf dem Campus
Nach all den Berichten über sich prügelnde Mitarbeiter, Überstunden-Marathons und Hungerlöhne können die neuen Erkenntnisse trotzdem noch schocken. “Obwohl die Konzernleitung vieles verändert hat, hatte das nur Konsequenzen für das Management, nicht für seine Mitarbeiter”, erklärte ein Verantwortlicher der Studie. 50 Prozent der Befragten gaben an, in irgendeiner Form malträtiert worden zu sein. Peinlich berührt gaben 16,4 Prozent zu, in irgendeiner Form Gewalt seitens des Managements erfahren zu haben.

Weit über das doppelte Pensum an erlaubten Überstunden hätten selbst Praktikanten arbeiten müssen. Obwohl im chinesischen Arbeitsrecht nur acht Stunden erlaubt seien, seien zehn Stunden das absolute Minimum gewesen. Und dass, obwohl sie sich noch im Studium befinden. Falls dann während einer Schicht ein Unfall passierte, hätte das teils katastrophale Konsequenzen für die jungen Mitarbeiter gehabt. Denn Studenten bekämen bei Foxconn während ihrer Praktika keine Verträge. Ohne Arbeitsverträge sei der Riesenkonzern mit seinen Hunderttausenden Angestellten wiederum nicht verpflichtet, sich um die Gesundheit seiner Hilfskräfte zu kümmern.

Versprochene Gehaltserhöhung nur Show?
Und auch die angebliche Erhöhung aller Gehälter um 30 Prozent sei reine Show gewesen, wie die Studie ergab. Die meisten Befragten bekämen lediglich 9,1 Prozent mehr Gehalt. Boni seien auch extrem selten.

Die Zeitung berichtet außerdem von der Existenz einer firmeninternen Liste mit 127 Regeln, deren Verstoß ernsthafte Konsequenzen für die Mitarbeiter nach sich ziehen würde. Rund 38 Prozent der Befragten erzählten in ihrer Freizeit von Sicherheitskräften oder dem Management belästigt worden zu sein. Über die Hälfte der Befragten zeigte sich empört über das Verhalten ihres Managements. 16 Prozent seien sogar Opfer körperlicher Gewalt geworden.

Kommunikation untereinander versagt, Mobiltelefone verboten
Die ständige Überwachung schaffe eine gewisse Gefängnisatmosphäre, so ein Sprecher der Studie. So seien es vielen Mitarbeitern aus anderen Abteilungen untersagt, untereinander zu kommunizieren. Mobiltelefone und andere metallische Gegenstände seien auf dem Fabrikgelände ebenfalls nicht erlaubt.

Um das Wohlergehen seiner Mitarbeiter scheint sich der Konzern auch nicht zu kümmern, wenn es per Gesetz vorgeschrieben ist. So sind regelmäßige Gesundheitschecks Pflicht, wenn Angestellte mit giftigen Materialien arbeiten. Ein Befragter gab jedoch an, nach 16 Jahren bei Foxconn lediglich zweimal untersucht worden zu sein.

Alle brauchen Foxconn
Dennoch wird sich kaum etwas ändern an den Arbeitsbedingungen im chinesischen Industriestädtchen Shenzen. Nicht umsonst lassen alle Technikriesen Ihre Produkte in China zusammenschrauben. Nicht umsonst produziert Foxconn für Intel Motherboards, Notebooks für Hewlett-Packard und Dell, die Playstation für Sony, die Wii für Nintendo, die Xbox für Microsoft, den Kindle für Amazon und die versammelte iFamilie für Apple. Niedrige Gehälter und lange Schichten sorgen für verschwindend geringe Lohnkosten.
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Und ohne diese geringen Lohnkosten würde keine Kalkulation für eine Playstation oder das iPad aufgehen. Vielmehr kann man davon ausgehen, dass die Hersteller die Mehrkosten gleich an die Kunden weitergeben würden und unsere heißgeliebte Konsolen, Notebooks und iPhones künftig erheblich teurer würden. Wenn wir schon darauf achten, dass unsere Nahrung nachhaltig produziert wird und unser Schmuck nicht Bürgerkriege in Afrika finanziert, sollten wir auch einen Moment darüber nachdenken, unter welchen Bedingungen unsere heißgeliebten Gadgets entstehen. Und ob Sie dann immer noch ihren Preis wert sind.

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