TV-Macher wollen Fernsehpreis boykottieren

Die Fußball-Nationalmannschaft erhält den Ehrenpreis beim Deutschen Fernsehpreis. In der Branche sorgt das für Ärger: Offenbar haben mehrere TV-Schaffende ihren Boykott der Verleihung am Samstag angekündigt. Als Ohrfeige für jeden Kreativen im Fernseh-Business kann die Entscheidung gesehen werden. Die Jury begründet hingegen, die Sportler hätten "Spannung, Gefühle, Bilder voller Dramatik und Dynamik" geboten und seien "Protagonisten von höchster Professionalität und Leidenschaft".

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Schon seit einigen Wochen kursieren kritische Stellungnahmen zu den Änderungen beim deutschen Fernsehpreis. So bemängeln viele Schauspieler, dass die Personen-Kategorien abgeschafft wurden. Die Stifter hatten unter anderem Auszeichnungen für Drehbücher, Regie, Komposition, Kamera, Szenographie, Kostümbild oder Schnitt gestrichen. Dafür haben sie nur vier neue Kategorien für besondere Leistungen in Fiction, Unterhaltung und Information sowie Dokutainment hinzugefügt.
Speziell über letztere Auszeichnung herrscht Uneinigkeit: Kostja Ullmann kritisiert beispielsweise im Bild.de-Interview, dass "irgendwelche Kochshows und Daily Soaps ausgezeichnet werden" und nicht "die in unserer Berufsgruppe entscheidenden Kräfte für die Qualität eines Filmes".
Das Fass zum Überlaufen gebracht hat aber die Entscheidung von gestern: Der Ehrenpreis des Fernsehpreises – die höchste Auszeichnung – geht in diesem Jahr an die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. "Es ist in der Tat ein Schlag ins Gesicht der Branche", schreibt DWDL. Von mangelndem "Fingerspitzengefühl" bei der ARD, die Ausrichter der diesjährigen Verleihung ist, ist die Rede. Es wirkt tatsächlich wie Selbstlobhudelei der Öffentlich-rechtlichen, denn sie haben die meisten Spiele der WM in Südafrika übertragen.
Monika Piel, Intendantin des WDR und diesjährige Vorsitzende der Stifter des Deutschen Fernsehpreises, begründete die Entscheidung so: "Die Spiele des deutschen Teams waren die Fernsehereignisse des Jahres. Spannung, Gefühle, Bilder voller Dramatik und Dynamik, Protagonisten von höchster Professionalität und Leidenschaft. Dafür danken die großen Sender Deutschlands mit dem Ehrenpreis." Doch kann Fußball kaum als inspirierend oder prägend für das deutsche Fernsehen angesehen werden.
Sandra Maischberger und Kurt Krömer werden den Deutschen Fernsehpreis 2010 moderieren, der am 9. Oktober im Kölner Coloneum verliehen wird. Das Erste strahlt die 12. Ausgabe der Preisverleihung einen Tag später, am 10. Oktober, ab 21.45 Uhr aus.

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