dapd will eigenen Sportdienst starten

Nächste Ausbaustufe: Die neue Nachrichtenagentur dapd, die erst vor einem Monat aus den einstigen AP-Deutschland und ddp hervorging, will zum Komplettanbieter heranwachsen. Eigentümer Martin Vorderwülbecke kündigte nun an, dafür bis Ostern 2011 ein Sportressort zu gründen. Ein Angriff – mal wieder – auf den Marktführer dpa. Nun aber erstmals auch auf den Sport-Informations-Dienst (SID). Den lässt die Drohung nach eigener Aussage "kalt".

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Der Bundespräsident, mehrere Minister, einige Chefredakteure deutscher Medien: Am Donnerstagabend feierte die neue dapd-Nachrichtenagentur sich selbst, per "Open House Party". Eigentümer Martin Vorderwülbecke nutzte die Gelegenheit, eine Nachricht in eigener Sache zu platzieren: "Wenn es denn so ist, dass der Sport allseits gewünscht wird, dann werden wir ihn auch einrichten", sagte der Multimillionär. Und weiter: "Wir werden das jetzt zu einem kompletten Sportangebot ausbauen. Im April, zu Ostern, wollen wir das anbieten."

Bisher tritt die dapd-Nachrichtenagentur mit ihrem Kernangebot zwar stets als "Basisdienst mit weltweit lückenloser Themenabdeckung" an. Bis auf wenige Ausnahmen zu Sportpolitik und -kriminalität fehlt ihr indes noch immer ein eigenes Sportressort. Cord Dreyer, Chefredakteur und Geschäftsführer der dapd in Personalunion, erklärte dazu zuletzt im Gespräch mit MEEDIA: "Solange es unabhängige Sportanbieter auf dem Markt gibt, sehen wir da keinen Handlungsbedarf. Sollte sich das ändern, werden wir handeln. Weil wir das dann auch ganz einfach müssten, damit unsere Kunden immer eine Alternativ zum Angebot der dpa haben."

Derzeit versorgt neben dem Marktführer, der Deutschen Presse-Agentur (dpa), vor allem einer Redaktionen von Zeitungen, Sendern und Online-Portalen mit Spiel- und Hintergrundberichten: der Sport-Informations-Dienst (SID), der eine 100-prozentige Tochter des deutschen Ablegers der Agence France-Presse (AFP) ist. Der dapd nutzt jede Gelegenheit, gegen die AFP zu stacheln – und hat etwa Wettbewerbsbeschwerde in Brüssel eingelegt. Gesprächsangebote, unter anderem zu Kooperationen oder einem Aufkauf des höchst profitablen SID durch den dapd, hat die Pariser AFP-Zentrale allerdings zuletzt konsequent abgelehnt.

Beim SID geben sie sich trotz Vorderwülbeckes Ankündigung gelassen. SID-Geschäftsführer Michael Cremer sagte MEEDIA in einer erste Reaktion: "Das lässt mich kalt." Ein "deutlich überwiegender Teil" der deutschen Medien entscheide sich seit Jahren trotz des dpa-Angebots zusätzlich für die "fachkundige und komplette SID-Berichterstattung, um im Sport wettbewerbsfähig versorgt zu sein". Ein "qualitativ und quantitativ vergleichbares Angebot mit dem SID" werde sich "mangels Netzwerk auf viele Jahre hinaus nicht herzaubern lassen, refinanzieren schon gar nicht", so Cremer weiter.
Peter Löw, der den dapd zusammen mit seinem Geschäftspartner Vorderwülbecke hält und kräftig mit frischem Geld versorgt, hatte allerdings erst wenige Tage zuvor klargestellt: Vom dapd erwarte er erst in fünf bis sechs Jahren Gewinne (siehe Bericht). Bis dahin werde weiter fleißig investiert – nun also in eine Sportredaktion.

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