65 Jahre SZ – Quo vadis, Süddeutsche?

Am 6. Oktober 1945 erschien die erste Ausgabe der Süddeutschen Zeitung als Lizenz-Zeitung der alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Am heutigen Mittwoch wird die große SZ 65 Jahre alt. Zum Geburtstag leistet sich die Zeitung keine ausufernde Selbstbeweihräucherung, sondern druckt nur ein paar Glückwünsche von Prominenten auf der Medienseite im Blatt. Außer auf eine große Vergangenheit blickt die Qualitätszeitung aus München aber auch in eine ungewisse Zukunft. Viele Veränderungen stehen bevor.

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Bis zum Jahr 2000 war die Geschichte der Süddeutschen Zeitung eine ungebremste Erfolgs-Story. Das Blatt aus München mit seinem überregionalen Ruf wie Donnerhall war eine hoch profitable Journalismus- und Gelddruck-Maschine. In den Boom-Jahren Ende der 90er Jahre, der Hochphase der so genannten New Economy, platzte der Stellenteil der Süddeutschen aus allen Nähten. Das Anzeigen-Wachstum schien keine Grenzen zu kennen, das Selbstbewusstsein der Redaktion war sowieso schon fast grenzenlos.

Der Zusammenbruch der New Economy und die darauf folgende Medienkrise traf die Süddeutsche hart. Zahlreiche Mitarbeiter mussten entlassen werden. Ende 2002 gipfelte die Krise bei der SZ in einem Verlust beim Süddeutschen Verlag von mehr als 76 Millionen Euro. Die Alt-Gesellschafter, die in der Vergangenheit immer gerne die Gewinne der Zeitung eingestrichen hatten, sahen sich gezwungen, einen finanziell potenten Mitspieler ins Boot zu holen: die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH). Das baden-württembergisch-pfälzische Zeitungs-Konglomerat verlegt wirtschaftlich erfolgreich, publizistisch aber eher unauffällig Titel wie die Stuttgarter Zeitung, die Rheinpfalz aus Ludwigshafen oder den Schwarzwälder Boten. In der Redaktion der SZ kam der Einstieg der vermeintlichen Provinzler mit dem dicken Geldsäckle nicht gut an. Um das Mindeste zu sagen. Aber es war wohl der letzte Weg, die Süddeutsche als überregionales Qualitätsblatt zu retten.

Die Zeitungsmanager der SWMH übernahmen operativ das Ruder und es wurde ein strikter Sparkurs eingeschlagen. Befürchtungen, dass die Schwaben die SZ auf Regionalzeitungsniveau runterfahren würden, haben sich aber nicht bestätigt. 2008 verkauften vier der fünf Alt-Gesellschafter ihre restlichen Anteile dann komplett an die SWMH, die seither mehr als 80 Prozent am Süddeutschen Verlag hält. Von den traditionell zerstrittenen Alt-Gesellschaftern ist nur noch Johannes Friedmann an Bord geblieben, dem auch die Münchner Abendzeitung gehört.

Kaum hatte die SMWH uneingeschränkt das Sagen, wurden die einst als Hoffnungsträger gestarteten Nebengeschäfte, wie die SZ-Bibliothek oder die SZ-Cinemathek, deutlich zurückgefahren, der Sparkurs nochmals verschärft. Auch ambitionierte Pläne für eine Sonntagsausgabe der SZ als Gegenstück zur erfolgreichen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wurden ad acta gelegt. Der in fetten Jahren geplante und in Auftrag gegebene protzige Verlagsneubau im Münchner Süden musste verkauft und zurückgemietet werden, um an Frischgeld zu kommen.

Diese Ereignisse sind an Redaktion und Verlag nicht spurlos vorübergegangen. Viel wurde und wird geschimpft, wenn man mit Mitarbeitern redet. Über die Sparwut, über das neue Hochhaus, über das Internet, über das veraltete Layout. Aber es gibt auch gute Nachrichten zum Geburtstag. Die SZ hat die Krise überlebt, ist wieder profitabel geworden. Ihr Ruf als überregionales Qualitäts- und Autorenblatt ist nach wie vor untadelig.
Zum Jahreswechsel gibt es einen Chefredakteurswechsel: Stellvertreter Kurt Kister folgt auf den scheidenden Hans Werner Kilz. Beim SZ Magazin, das sich durch all die Spar-Runden wacker gehalten hat, steht auch ein Wechsel an. Der langjährige Chefredakteur Dominik Wichmann geht im kommenden Jahr als Vize zum Stern nach Hamburg. Bald soll die Süddeutsche endlich eine Reform des mehr als angestaubten Layouts bekommen und auch die Samstagsbeilage soll laut Gesellschafter Friedmann überarbeitet und erweitert werden – wenn schon keine teure Sonntagszeitung kommt. Es tut sich wieder was. 
In ihrem 66. Jahr fängt dann das Leben für die SZ dann nochmal richtig an.

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