Twitter-CEO Evan Williams tritt ab

Überraschender Wechsel in der Chefetage von Twitter: Nur zwei Jahre nach Übernahme der Geschäfte tritt Evan Williams als CEO des boomenden Mikroblogging-Dienstes zurück. Mit sofortiger Wirkung übernimmt der bisherige COO Dick Costolo, der erst vor einem Jahr zu Twitter gestoßen war, die Geschäftsführung des stark wachsenden Social Networks. Die Beförderung des früheren FeedBurner-CEOs wird von Branchenexperten als Schritt beurteilt, Twitters Erlöse voranzutreiben.

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Das Bild hatte Symbolcharakter: Wieder tauchte bei Nutzern des beliebten Social Networks zu Nachmittagszeit in den USA der "Fail Whale" auf – Twitter war wieder einmal für Minuten nicht erreichbar. Als der boomende Mikroblogging-Dienst wieder zur Verfügung stand, lasen viele Nutzer eine überraschende Nachricht, für die selbst 140 Zeichen zu viel schienen: Twitter CEO Evan Williams ist zurückgetreten.

Natürlich ist die „Downtime“ nicht verantwortlich für die Demission  des bisherigen Vorstandsvorsitzenden. Doch in letzter Zeit mehrten sich die Stimmen, die offen hinterfragten, ob der 38-jährige Williams, der das Amt erst zwei Jahre zuvor von Mitbegründer Jack Dorsey übernommen hatte, noch der Richtige ist.  „Ist Twitters Evan Williams der neue John Sculley?“, fragte der „Alley Insider“ im Mai proaktiv in Anlehnung an den gescheiterten Apple-CEO Sculley, der einst Gründer Steve Jobs beerbt hatte.

Facebook mindestens dreißigmal höher bewertet als Twitter

Während auf der Habensseite der massive Ausbau des Startups von drei Millionen auf 165 Millionen Nutzer steht, wurden zuletzt immer wieder technische Unzulänglichkeiten bemängelt. Die Ausfälle der Seite häuften sich immer wieder bei großen Events, das Design galt lange Zeit als überholt, der Relaunch verzögerte sich immer wieder und ist für einige Nutzer auch drei Wochen nach der Ankündigung immer noch nicht verfügbar; Twitter-Clients wie TweetDeck, Tweetie oder HootSuite rangieren wegen Benutzerfreundlichkeit und zusätzlichen Features in der Usergunst oft höher.

Vor allem jedoch das ungelöste Problem der Monetarisierung dürfte die Twitter-Investoren nun zum Führungswechsel veranlasst haben. Mit 165 Millionen Mitgliedern ist Twitter das zweitmeist genutzte Social Network der Welt – doch gerade erst vor ein paar Tagen wurden in einer erneuten Finanzierungsrunde die Bewertungsmarke von einer Milliarde Dollar durchstoßen. Das etwa dreimal größere Facebook ist mindestens dreißigmal höher bewertet.

Evan Williams will wieder verstärkt um die Produktentwicklung kümmern

Entsprechend notwendig erscheint ein Mann an der Spitze, der für Erlösquellen sorgen kann. Die Aufgabe wird nun der bisherige Chief Operating Officer (COO) Dick Costolo übernehmen, der seit rund einem Jahr beim Mikroblogging-Dienst beschäftigt ist und als guter Redner gilt. Costolo war zuvor CEO des Startups FeedBurner, das von Google aufgekauft wurde.

Williams selbst begründete den Schritt auch mit persönlichen Interessen: "Ich möchte mich lieber um das Produkt selbst kümmern." Die Einführung des neu gestalteten Web-Interface ("new twitter") sei dafür eine gute Gelegenheit gewesen.

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