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Ist Video die „Killer-App“ für dapd?

Damit wollen die Neuen also die Konkurrenz wegfegen: 40 tagesaktuelle Videos schenkt die dapd-Nachrichtenagentur ihren Kunden täglich, um den eigenen Textdienst aufzuwerten. Imagefördernde Kooperationen mit Marken wie CNN, AP-TV und Dow Jones sowie ein Netz aus mehr als einem Dutzend eigenen Videojournalisten sollen helfen, den Plan umzusetzen. Ein Vorhaben, das dpa & Co. das Fürchten lehren soll. Aber tut es das wirklich?

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Damit wollen die Neuen also die Konkurrenz wegfegen: 40 tagesaktuelle Videos schenkt die dapd-Nachrichtenagentur ihren Kunden täglich, um den eigenen Textdienst aufzuwerten. Imagefördernde Kooperationen mit Marken wie CNN, AP-TV und Dow Jones sowie ein Netz aus mehr als einem Dutzend eigenen Videojournalisten sollen helfen, den Plan umzusetzen. Ein Vorhaben, das dpa & Co. das Fürchten lehren soll. Aber tut es das wirklich?
Keine Frage: Mit seinem neuen Angebot greift der dapd vor allem Reuters an. Die Agentur hat sich in Deutschland als Lieferant von Nachrichten-Clips für Webseiten etabliert – ein Extrakt ihrer TV-Aktivitäten. Die Associated Press (AP), die mit ihrem Dienst AP-TV ebenfalls Sender mit Berichten und Rohmaterial aus aller Welt bestückt, hatte dieses Feld hierzulande bisher nicht besetzt, bis jetzt. Was jetzt kommt, ist für die US-Agentur äußerst bequem: Der dapd, der schon Texte und Fotos von AP lizenziert hat, kümmert sich um alles. AP kassiert lediglich.
Wie Reuters dürfte das neue Angebot auch der Agence France-Presse (AFP) zu schaffen machen. Die liefert in ihrem deutschen Dienst täglich gut eine Handvoll Web-Videos aus, vieles Übernahmen ihres Weltdienstes. So wie sich der dapd jetzt im Videobereich aufstellen will (siehe Bericht), dürfte es für die Bewegtbild-Aktivitäten der AFP hierzulande eng werden. Einzige Chance: nachrüsten. Aber ob sich das lohnt? Äußerst ungewiss!
Eine Gefahr ist das alles aber mal wieder vor allem für die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Der dapd hat mit dem üppigen Video-Geschenk an seine Kunden einen fetten Köder ausgeworfen, um Marktanteile zu generieren: Wer sich bisher nicht dazu durchringen konnte, die dapd-Dienste zu abonnieren, für den könnte das Bewegtbild durchaus ein Argument sein. Und weil auch hinter diesem Angebot vermögende Geldgeber stehen, die dpa "verzichtbar" machen wollen und dabei aus dem Vollen schöpfen können, dürfte die dpa arge Probleme haben, hier mitzuziehen. Sie muss ihre Investitionen nämlich aus ihrem laufenden Geschäftsbetrieb heraus stemmen, anders als derzeit dapd, wo die Inhaber Martin Vorderwülbecke und Peter Löw Geld in ihre eigene Agentur pumpen. Nach eigener Aussage soll sich dapd erst "in fünf bis sechs Jahren" selbst tragen können.
Vielleicht aber will dpa-Chef Wolfgang Büchner gar nicht nachrüsten. Im Sommer erst sagte er dem Medium-Magazin: "Ich halte nichts davon, wahnsinnige Ressourcen in den Aufbau einer Videoproduktion in der Fläche zu stecken, die wir nicht refinanzieren können." Andererseits sollten seine Redakteure aber zumindest "damit experimentieren, wo es sich anbietet". Der dpa-Chef, der seine Agentur im Blitztempo zu exzellentem Service trimmte, sagte: "Wir wollen die Videokompetenz in unserem Netz auf- und ausbauen." Bei der dpa verteilten sie dafür "sehr einfache Videokameras in In- wie Auslandsstandorten", so Büchner weiter. Ein kleines dpa-Team liefert zudem dem OMS-Netzwerk Berichte von den roten Teppichen in Berlin zu. Mehr aber auch nicht.
Mal wieder außen vor bei der dapd-Attacke ist allein der Sport-Informations-Dienst (SID). Die Sport-Agentur, die alle Textredakteure zu Videojournalisten weiterbildet, um eben von Pressekonferenzen und Sportevents auch mit News-Clips aufwarten zu können, muss zunächst keine große Konkurrenz befürchten. Denn auch wenn sich der dapd als Vollagentur bezeichnet, wird ihm bis auf Weiteres ein eigenes Sportressort fehlen. So auch im dapd-Videoangebot, das mit ersten Clips bereits online gegangen ist.
Cord Dreyer, Chefredakteur wie Geschäftsführer von dapd, wiederholt nun im Wesentlichen, was er bei seinem früheren Arbeitgeber verwirklicht hat. Dort, bei der Finanzagentur dpa-AFX, hatte er schon vor drei Jahren einen tagesaktuellen Videodienst eingeführt – wie er selbst sagt "von Anfang an ein Erfolg". Ob sich aber auch der wiederholen lässt?
Die ersten Eindrücke der dapd-Videos wirken jedenfalls eher ernüchternd: Zu sehen sind überwiegend dröge betextete Standardbilder, wenige echte und schon gar nicht wirklich spannend erzählte Geschichten. Vielleicht mehr Masse, aber nicht unbedingt mehr Klasse als etwa die Kurzausgaben von "Tagesschau" und "heute", die immer mehr Verlage auf ihre Webseiten stellen – wenn auch nicht unter ihrem eigenen Label. Auch diese Clips werden von ARD und ZDF mehrfach am Tag aktualisiert. Damit das neue Videoangebot von dapd eine "Killer-App" wird, muss das Team um Dreyer noch unter Beweis stellen, welchen Mehrwert seine Kunden davon haben.
Auf welche Video-Dienstleister die Ableger von Zeitungen im Netz derzeit setzen und ob ihre Redaktionen selbst Bewegtbilder produzieren, das hat übrigens der BDZV in einer frei zugänglichen Liste penibel zusammengestellt.
Fragen zum Agenturmarkt? Ungewöhnliche Beobachtungen? Einschätzungen im Off? Bitte an: daniel.bouhs@meedia.de

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