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Der Tablet-Ritter von der traurigen Gestalt

Es ist schon eine Leistung für eine einzige Firma, gleich zwei PR-Gaus innerhalb eines Jahres abzuliefern. Die Rede ist natürlich vom WeTab. Den ersten PR-Gau lieferte WeTab-Impressario Helmut Hoffer von Ankershoffen, als er bei einer frühen Präsentation ein unfertiges Gerät mit einem Demo-Video zeigte. Den zweiten, als er bei Amazon unter falschem Namen Lobhudeleien einstellte. Mit seiner Über-Inszenierung überforderte er sich und sein unfertiges Produkt und wurde zur fast tragischen Figur der Web-Szene.

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Es ist schon eine Leistung für eine einzige Firma, gleich zwei PR-Gaus innerhalb eines Jahres abzuliefern. Die Rede ist natürlich vom WeTab. Den ersten PR-Gau lieferte WeTab-Impressario Helmut Hoffer von Ankershoffen, als er bei einer frühen Präsentation ein unfertiges Gerät mit einem Demo-Video zeigte. Den zweiten, als er bei Amazon unter falschem Namen Lobhudeleien einstellte. Mit seiner Über-Inszenierung überforderte er sich und sein unfertiges Produkt und wurde zur fast tragischen Figur der Web-Szene.

Die Bilder von der Pressekonferenz in Berlin sind noch gut im Gedächtnis. Mitten im Gedränge fragte ein Journalist einen Neofonie-Mitarbeiter ob er das, damals noch WePad genannte, Gerät selbst bedienen dürfe. Durfte er nicht. Die Frage, ob die Berliner Flunder nun toucht oder nicht, wurde mittlerweile mit einiger Verspätung geklärt: Das WeTab toucht, vieles funktioniert aber offenbar nicht wie es soll.

Wochen- und monatelang ergoss sich bei der WeTab-Facebook-Community und in anderen Foren des Webs kübelweise Spott über dem WeTab und seinen Machern. Bis ins kleinste Detail wurden Spezifikationen des Betriebssystems und der Hardware diskutiert. Dabei gab es bei aller Häme sogar eine Gruppe aufrechter WeTab-Fans, die dem Gerät und Helmut Hoffer von Ankershoffen trotz aller Ungereimtheiten die Treue hielten. Das wäre vielleicht eine Basis für von Ankershoffen gewesen, auf der er nach der verkorkste ersten Präsentation hätte aufbauen können. Wenn er nicht schon viel zu sehr in seiner eigenen Über-Inszenierung gefangen gewesen wäre.

Es begann damit, dass er die Presse bei der ersten Präsentation nicht darüber aufklärte, dass auf Gerät nur ein Demo-Video lief. Als die Sache aufflog, versuchte sich von Ankershoffen mit Ausreden, die Geräte seien “im Zoll hängengeblieben”, aus der Affäre zu ziehen. Wie ein Schüler, den man beim Nichtmachen der Hausaufgaben erwischt. Dann erfolgte ohne weitere Ansage die Umbenennung des Produkts von WePad in WeTab. Offenbar waren rechtliche Schwierigkeiten mit dem iPad-Produzenten Apple der Grund. Statt klar zu kommunizieren erging sich von Ankershoffen in nebulösen Andeutungen.

Schließlich verschob sich der Verkaufsstart des Geräts um mehrere Monate ohne Angabe von Gründen. Während die Diskussionen im Internet immer heißer liefen, hielt sich Helmut Hoffer von Ankershoffen bedeckt. Ab und zu beantwortete er eher irrelevante technische Detailfragen, ansonsten herrschte Schweigen. Sein Masterplan war offenbar gewesen, eine Art Tablet der Verlage im Handstreich zu etablieren. Mit dem auffälligen roten Schal und seiner nervösen Art wirkte er aber nur wie eine schlechte Parodie auf das Original, den brillant zwischen Arroganz und Souveränität wandelnden Apple-Chef Steve Jobs. Von Ankershoffen, der früher bedeutend schlichter Helmut Oertel hieß, und sein Gerät waren überfordert: mit der Technik, mit der Presse, mit der Kommunikation, mit den Welteroberungsplänen, mit allem.

Dass der Apple-Fan und Technik-Blogger Richard Gutjahr der ganzen Sache dann schließlich das Etikett “WeDepp” aufpappte, passte ins Bild. In seiner Stellungnahme zum Rücktritt aus der WeTab-Geschäftsführung schreibt von Ankershoffen, er ziehe sich auch “wegen der anhaltenden Diskussionen in der Öffentlichkeit” rund um seine Person zurück. Wenn man aus der Abfolge an Tritten ins Fettnäpfchen etwas lernen kann, dann dies: Inszenierung ist nichts wert, wenn keine Substanz dahintersteckt. Das ungeschickte Fälschen von Lobhudeleien bei Amazon lässt sich nur als eine Art Kurzschluss-Handlung erklären und zeigt, wie sehr von Ankershoffen unter selbstgemachten Druck gestanden haben muss. Statt mit seinem WeTab die Welt zu erobern, ist er eine Art Tablet-Ritter von der traurigen Gestalt geworden. Eine Auszeit kann ihm und dem WeTab nur gut tun.

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