dapd verschenkt Web-Videos an Kunden

Paukenschlag gegen Agentur-Platzhirsch dpa: Die erst vor einem Monat gestartete Agentur dapd - gebildet aus dem einstigen AP-Deutschland und dem ddp - rüstet im Geschäft mit Bewegtbildern massiv auf. Um den Markt auf einen Schlag zu dominieren, will dapd allen Kunden des Basisdienstes 40 Video-Berichte schenken – und das pro Tag. Damit das klappt, hat der News-Dienstleister ein Netz an Video-Reportern aufgezogen und lizenziert zudem Material von CNN, AP-TV und Dow Jones.

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Als die Nachrichtenagentur-Holding ddp um die extrem vermögenden Eigner Martin Vorderwülbecke und Peter Löw im Dezember 2009 den hiesigen Dienst der AP-Deutschland übernahmen und für 15 Jahre alle Texte und Fotos der US-Agentur für den deutschen Markt lizenzierten, wunderten sich einige in der Branche, denn: Ausdrücklich nicht Teils dieses Deals war der Video-Content, mit dem AP-TV weltweit Nachrichtenredaktionen bei Sendern beliefert. Das holt dapd nun nach: Spätestens vom November an will die Nachrichtenagentur journalistische Webseiten mit News-Clips bestücken.
Das neue Unternehmen dapd-Video GmbH plant, Online-Portale von Verlagen und Sendern wie auch mobile Nachrichtenplattformen mit einer ganzen Masse an Videos zu beliefern. Das internationale Geschehen sollen CNN, AP-TV und – für Börsenberichte – Dow Jones per Lizenzierung beisteuern. Zudem hat dapd-Video nach eigenen Angaben 15 sogenannte Videojournalisten fest unter Vertrag genommen. Drei von ihnen sollen in Berlin selbst drehen, schneiden und produzieren, mindestens einer der übrigen in den neuen Bundesländern abzüglich Bremen und dem Saarland. Die neuen Länder sollen zudem zentral aus Leipzig abgedeckt werden. Und jeweils ein Pauschalist soll dapd-Video aus New York, Peking und Sao Paulo zuliefern. dapd-Video will ein tägliches "Interview des Tages" liefern.
Diese Aktion dürfte dapd dabei helfen, die eigenen Text- und Fotodienste in den Markt zu drücken. dapd-Video wirkt wie ein riesiger Köder: Wer das Hauptprodukt der neuen Nachrichtenagentur abonniert, der bekommt den Angaben zufolge jedenfalls pro Werktag mindestens 20 internationale und zusätzlich noch einmal mindestens 20 Video-Berichte aus Deutschland für seine Webseiten und Mobilplattformen on-top. Mit anderen Worten: dapd schenkt seinen Kunden werktäglich mindestens 40 Videos. Das gilt auch für die Redaktionen, die bereits den dapd-Basisdienst beziehen – nicht aber für die, die lediglich einen der beiden Altverträge von ddp oder AP-Deutschland abgeschlossen haben.
Damit die dapd-Videos auch auf dem übrigen Markt einschlagen, sollen zudem all die journalistischen Portale, die bisher lieber auf ein dapd-Abo verzichten, auf werktäglich vier internationale und vier deutsche Clips zurückgreifen können – ebenfalls kostenfrei. Wolfgang Zehrt, der nicht nur Sprecher der Berliner Nachrichtenagentur ist und den in Leipzig ansässigen PR-Ableger ddp direct steuert, sondern der auch die Video-Aktivitäten der Gruppe federführend entwickelt hat, sagte er MEEDIA zur Motivation dieses Modells: "Wir wollen ganz einfach in den Markt."
Redaktionen, die dapd-Videos nutzen wollen, sollen das Material mit den eigenen Marken labeln können. "Wir brauchen kein Ego, wir brauchen Umsatz", sagte Zehrt weiter. Zur Refinanzierung sollen Werbeerlöse beitragen. Dafür sucht Zehrt nach eigenen Worten noch nach Vermarktungs-Partnern. Zehrt kündigte zudem "Premium-Videos" gegen Gebühr an. Er, der bereits vor Jahren Börsenberichte für Spiegel Online, das Manager-Magazin und AOL produzierte, werde neben seinen übrigen Aufgaben die Geschäftsführung von dapd-Video übernehmen und auf Partnersuche gehen. "Redaktionell verantwortlich für dapd-Video ist allein Cord Dreyer – da haben wir eine klare Trennung", so Zehrt. Dreyer ist Chefredakteur und Geschäftsführer von dapd in Personalunion.
Geht es nach Dreyer und Zehrt, dann wird das Geschäft mit dem Bewegtbild nicht die Etats der Text- und Fotodienste von dapd tangieren. Dafür soll die eigene Video-Gesellschaft sorgen. So eine war übrigens schon einmal gegründet worden: ddp gab ein Kaufangebot für N24 ab, um auf deren Netz an Videoreportern zurückgreifen zu können. Den Zuschlag bekam indes das Bieterkonsortium um die N24-Geschäftsführung und den einstigen Spiegel-Chef Stefan Aust. Warum hier keine Kooperation angestrebt wurde: unklar.
Klar ist hingegen, dass die Macher von dapd-Video mindestens für das erste Jahr mit deutlichen Verlusten rechnen. Von einer Million Euro im ersten Geschäftsjahr ist intern die Rede. Da das benötigte Geld für den Aufbau des Geschäftsbetriebes aber nicht aus den Etats der dapd-Gruppe fließen müsste, sondern als Anschubfinanzierung von den Gesellschaftern Vorderwülbecke und Löw käme, sei der Betrieb zunächst gesichert. Bei der Vorstellung des Videoproduktes in den dapd-Räumen in Berlin sagte Löw, er erwarte von seiner Agenturgruppe, dass sie "in fünf bis sechs Jahren" Gewinne erwirtschafte. "Sollte das früher klappen, freuen wir uns. Wenn es etwas später wird, bekommen wir das auch hin." Bis dahin werde er mit seinem Geschäftspartner Vorderwülbecke "mit abfallender Tendenz" weiter in den Ausbau der dapd-Aktivitäten investieren.
dapd-Video hat sich von den Partnern CNN, AP-TV und Dow Jones lediglich die Rechte für Web und Mobile gesichert, nicht aber für die Belieferung von TV-Stationen. Die wollen die drei Content-Lieferanten also weiter selbst bedienen. Auch ist zunächst kein Content-Rückfluss geplant: Das, was dapd-Video selbst produziert, wird also nicht zu CNN zurückfließen, auch nicht zu AP-TV und ebenso nicht zu Dow Jones. Dafür ist zu hören, dass es keinen Zeitverzug bei der Abnahme des Lizenzmaterials seitens dapd geben soll: "Das, was ‚Tagesschau‘ und ‚heute-journal‘ abends bringen, werden unsere Kunden schon den Tag über zeigen", sagt Zehrt.
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Ist Video die "Killer-App" für dapd?

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