Weltbild tappt in die WeDepp-Falle

Nachdem am Wochenende der WeTab-Hersteller Neofonie mit anscheinend gefälschten Amazon-Rezensionen wieder einmal in die Kritik geriet, muss sich nun der in Kirchenhand befindliche Weltbild-Verlag mit einem ähnlichen PR-Problem herumschlagen. So wirft Lesen.net der Verlagsgruppe vor, negative Kritik zum neuen Billig-E-Reader Aluratek gar nicht erst auf der Produktseite auftauchen zu lassen. Der Verlag dementiert.

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E-Reader und Tablets haben Potenzial. Und scheinen für Unternehmen einen unermesslichen Fundus an Fettnäpfchen bereitzuhalten. Am Wochenende tappte Neofonie-Chef Helmut von Ankershoffen anscheinend in die Rezensionsfalle und lobhudelte angeblich unter einem Pseudonym über sein WeTab. Jetzt legt der Weltbild-Verlag nach. Der Vorwurf: Negative Kundenrezensionen werden vom Unternehmen kurzerhand gelöscht.

Weltbild verhalte sich "unchristlich"
Das Corpus Delicti: Weltbilds hauseigener 99-Euro-Reader Aluratek. Dabei erntete das Unternehmen dafür schon Vorschusslorbeeren. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse brachte der Marktführer im deutschen Buchhandel den ersten deutschen E-Book-Reader unter der 100-Euro-Preisschwelle auf den Markt. Der Aluratek Libre ist bisher in Österreich und der Schweiz lieferbar und kostet 99,99 Euro. Genug Inhalte gibt es für das Gerät eigentlich auch. Im E-Book-Shop selbst bietet Weltbild über 40.000 E-Books an.

Jetzt berichtet Lesen.net, dass die zu hundert Prozent in kirchlicher Hand liegende Verlagsgruppe kurzerhand unliebsame Kritiken von Usern löschen würde. Angeblich hätten sich in den vergangenen Tagen mehrere Leser darüber beschwert, dass ihre Rezensionen nicht auf der Artikelseite erscheinen würden.

So hätten sich bis Montag morgen nur 4- und 5-Sterne-Kritiken auf der Produktseite befunden. Autoren von Lesen.net starteten übers Wochenende einen Test und lancierten eine negative Rezension, von der bis jetzt jede Spur fehle. Eine weitestgehend inhaltsleere positive Bewertung – “Tolles Teil, einfach der beste eBook-Reader!” – schaffte es hingegen nach ganz oben und wurde umgehend freigeschaltet. Mittlerweile finden sich unter den Produktbewertungen allerdings auch Rezensionen mit nur zwei Sternen.

Für die Verlagsgruppe geht es um viel
Weltbild ist in diesem Fall Anbieter und Händler zugleich. Der Launch des Produktes ist vermutlich mit hohen Kosten verbunden. Weltbild-Geschäftsführer Klaus Driever kündigt zur Buchmesse sogar eine breite Marketingkampagne für den Billig-Reader an: „Ab November präsentieren wir den Aluratek Libre auch flächendeckend in allen rund 300 Weltbild-Filialen, so dass sich Interessierte selbst ein Bild machen können und sehen, wie einfach E-Book-Lesen inzwischen ist.“

Der Fall “WeDepp” hat aber gezeigt, wie schnell sich PR-Schönfärbereien herumsprechen können und wie schnell ein Unternehmen damit seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt. Dass man auch anders mit schlechter Kritik umgehen kann, zeigt ein Blick auf die Seiten der Konkurrenz. Thalias Oyo hat ebenso mit mieser Kritik zu kämpfen, wie auch Amazons eReader Kindle.

Aluratek ist preiswert, die Technik aber veraltet
Die Verlagsgruppe dementiert indes die Vorwürfe. "Insgesamt waren über das Wochenende zum Aluratek vier Kommentare aufgelaufen. Daneben gibt es aber noch Kommentare zu mehren 1000 anderen Produkten, so dass die Freischaltung zeitverzögert erfolgte. Alle Kommentare sind inzwischen freigeschaltet", teilte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mit. Als Homepage-Betreiber sei die Verlagsgruppe für die Inhalte verantwortlich. Deswegen müssten sie vorab intern geprüft werden. "Wir schreiben in keinem Fall selbst Kundenkommentare."

Die Vorwürfe von Lesen.net sind damit allerdings nicht aus der Welt. Von deren Rezension fehlt weiterhin jede Spur.

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Nebenbei dürfte die schlechte Kritik für den Reader nicht verwundern. Immerhin gibt es das Gerät unter anderem Namen schon seit über einem Jahr. Zum Einsatz kommt außerdem nicht die von Kindle und Co. bekannte eInk-Technologie, sondern ein reflektiver LCD. Dadurch verbraucht das Gerät permanent Strom. Der Akku hält maximal 24 Stunden, der Kontrast ist geringer als bei den Konkurrenzproduktionen und die Auflösung liegt mit 600×480 Pixeln ebenfall unter der von vergleichbaren eReadern.

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