Ankershoffen und die „WeDepp“-Debatte

Es gibt Zeiten, da hat man kein Glück, und dann kommt auch noch Pech hinzu: Nachdem sich die Berliner Agentur Neofonie und ihr Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen mit der über Monate vergeblich versuchten Markteinführung eines iPad-Konkurrenten gründlich blamierten und die PR-Zitrone des Jahres sicher haben dürften, liegt das WeTab nun in den Läden. Endlich alles gut, könnte man denken, gäbe es jetzt nicht eine peinliche Lobhudelei unter Pseudonym bei Amazon. Möglicher Verfasser: der Neofonie-Boss.

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Der Fall, den der Münchner Tech-Blogger Richard Gutjahr enthüllt, ist skurril und abenteuerlich zugleich. Zwar kann nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden, ob der WeTab-Stratege Helmut Hoffer von Ankershoffen Urheber der ausgerechnet unter dem Intellektuellen-Tarnnamen "Peter Glaser" beim Web-Kaufhaus online gestellte Kundenbewertung ist. Doch die Indizien deuten daraufhin: "Peter Glaser" klingt zwar wie ein unverfängliches Pseudonym, doch möglicherweise hat der eigentliche Verfasser eine Privacy-Einstellung bei Amazon vergessen anzuklicken. Gutjahr schreibt: "Wenn man nun aber das Kundenprofil von Peter Glaser über dessen Amazon-Wunschliste aufruft, erscheint dort ein anderer Name: Helmut Hoffer von Ankershoffen."

Nachdem die Sache auch auf der WeTab-Unternehmensseite bei Facebook für Diskussionen sorgte, wurde das Profil "Peter Glaser" ebenso entfernt wie dessen Kommentar unter den Produktbewertungen. Doch das nutzt wenig, da von der überaus guten Benotung (fünf Sterne) und den Schwärmereien (Headline: "Sehr sehr gut") im Web etliche Screenshots kursieren. Doch damit nicht genug: Nach der Löschung des Glaser-Beitrags erscheint unter dem Namen "Claudia Kaden" eine weitere Fünf-Sterne-Rezension. Beim Klick auf die Wunschliste dieser Kundin erscheint ein ebenfalls vertraut wirkender Name: Sandra Hoffer von Ankershoffen. Gutjahr bringt das Desaster auf den Punkt: "Fremdscham hat einen neuen Namen."

In einem Forum bei Golem.de erklärt ein User den möglichen Lapsus so: "Normalerweise zeigt Amazon den echten Namen nicht an, und es gibt keine Verknüpfung zwischen Rezensenten-Profil und Kundenkonto." Sein Szenario: "Dummerweise haben sie vergessen, in ihren Einstellungen zu deaktivieren, dass Google den Amazon-Wunschzettel indiziert (standardmässig ist das eingeschaltet), deshalb konnten ihre Wunschzettel gefunden werden, und dort steht nun mal auch das Pseudonym ihrer Rezensionen."

Auch wenn letztlich die technische Möglichkeit besteht, dass die Einträge auch Fakes von dritter Seite sein könnten, ist der erneute Imageschaden in der Community da. Und viele rätseln, ob nicht etliche der positiven Produktrezensionen lanciert sein könnten. Bei den aktuellen Postings auf der Facebook-"Fanpage" des Tablets herrscht Verdruss über das "WeBad" vor. Einige aktuelle Auszüge:

– "Hatte ein funktionierendes Gerät und keinen Bastelsatz für Software-Frickler unter "Linux" bestellt. Das einzige was ohne Probleme funktioniert ist der Einschaltknopf…"
– "Auf ebay entwickelt sich das WeTab zum Ladenhüter."
–  "Versuche seit 2 Tagen ein Update zu machen, bekomme Meldung ‚Aktualisierungssytem ist beschäftigt‘."
– "Gibt es schon ein Video auf YouTube, auf dem der WeTab kurz und klein geschlagen wird? Würde es gerne mit dem ‚Daumen hoch‘ bewerten".
– "… und weg ist es – schön das ich doch ein Rückgaberecht hatte :-))))."

Und so weiter. Von Helmut Hoffer von Ankershoffen ist bislang kein Statement zu der Angelegenheit bekannt. Besonders glücklich dürfte der 36-Jährige über die Gutjahr-Story nicht sein, denn diese erscheint unter einer wenig schmeichelhaften Headline: "Der WeDepp".

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