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Stuttgart 21: der Bürgerzorn bei Twitter

Während die Proteste und Polizeiaktionen rund um das umstrittene Bahnhofs-Projekt Projekt Stuttgart 21 eskalieren, spielt der Kurznachrichtendienst Twitter eine große Rolle bei den Protesten. Bahnhofsgegner organisieren sich via Twitter zu Kundgebungen, wie jüngst die Dissidenten bei den Protesten im Iran. Der Polizeieinsatz mit Wasserwerfen u.a. gegen Kinder wird scharf verurteilt. Es gibt offene Aufrufe zur weiteren Demonstration und zu zivilem Ungehorsam. Neue Tweets mit dem Hashtag #s21 laufen im Sekundentakt ein.

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In Sachen Stuttgart 21 gibt es bei Twitter derzeit alle Spielarten einer aus den Fugen geratenen Web-Welle zu besichtigen. Tweets werden im Sekundentakt geschrieben und weitergeleitet. Einige rufen zu zivilem Ungehorsam auf (“Kommt, wir machen Stuttgart dicht!”). Die Bundes- und Landesregierung wird beschimpft und kritisiert. Gut möglich, dass Bahn und Politik mit einer sollen Protest-Welle übers Web nicht gerechnet haben. Der so genannte “Shit-Storm”, wie solche Aktionen im Internet genannt werden, der sich da gegen Stuttgart 21 und die Staatsgewalt aufbaut, ist gewaltig.

Fake-Accounts werden angelegt, es gibt kleine Protest-Logos, die man seinen Twitter-Bildchen hinzufügen kann, es werden Links zu einer Website weitergereicht, die die Bundesregierung feuern will oder einer, die Proteste organisiert, Protest-Schlagworte wie “Bahnhof des himmlischen Friedens” oder “Watergate S21” machen die Runde, es wird zu Protest-Mahnwachen am Hauptbahnhof in Koblenz aufgerufen. Die Schriftstellerin Sibylle Berg schreibt auf Twitter: “so nette demonstranten und sehr brutale polizei hier in stutti. zeit fuer buergerkrieg.” Ein Twitterer, der sich CDU CSU nennt, wahrscheinlich aber kein offizieller Repräsentant der Regierungspartei ist, schreibt: “Wer x Aufforderungen der Staatsgewalt keine Folge leistet & sich nicht v. Steinewerfern distanziert, kriegt auch mal auf die Fresse.” Ein anderer Twitterer hat bei dem Blogging-Dienst Posterous schnell aufgeschrieben, wie Twitter von Stuttgart-21-Gegner angeblich zu “Agitation der Massen benutzt wird.

In dem ganzen Durcheinander ist nicht klar, wer authentisch ist und wer nur aus Lust am virtuellen Krawall mitmacht. Eines aber scheint sicher: Twitter ist für den Unmut der Bevölkerung ein mächtiges Ventil. Der kollektive Bürgerzorn konnte sich noch nie zuvor so effektiv, geballt und ungefiltert entladen wie hier. Sollte der Zorn bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2011 nicht verraucht sein, könnte Stuttgart 21 für die CDU-Landesregierung der Anfang vom Ende gewesen sein. Der Zusammenhang zwischen Stuttgart 21 und der Landtagswahl in Baden-Württemberg im kommenden Jahr ist auch den Twitterern sehr bewusst. Einer schreibt: “Der CDU-Wahlkampf in BW dürfte schwer zu toppen sein. Vielleicht noch mit Napalmhelikoptern zu Wagners Walkürenritt aus Lautsprechern.” Eine Anspielung auf den Kriegsfilm-Klassiker “Apocalypse now”.

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