Attac macht Financial Crimes Deutschland

Kopie von der Kopie: Die Aktivisten von Attac machen sich selbst nach und verteilen am heutigen "Bankenaktionstag" 120.000 Exemplare der Financial Crimes Deutschland. Die Zeitung ist ein Fake der Financial Times Deutschland und prangert das aktuelle Finanzsystem an. Als Autoren überzeugten die Globalisierungs-Gegner unter anderem Harald Schumann (Tagesspiegel) oder Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. Vor 1,5 Jahren fälschte Attac bereits eine Ausgabe der Zeit.

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Die Kopie der FTD ist gelungen. Sowohl Online wie auch im Print haben sich die Globalisierungs-Gegner größte Mühe gegeben, das "Look and Feel" der lachsrosanen Wirtschaftszeitung zu treffen. Einziger Wermutstropfen: die Attac-Design-Piraten haben verpasst, dass das Business-Blatt am Montag sein Layout umstellte.

Die Titelseite der Financial Crimes Deutschland

Im Editorial der Fake-Ausgabe schreiben die Macher: "Zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise, während in der Welt so viele Menschen hungern wie nie zuvor und die Flut- und Hitzewellen in Pakistan und Russland einen Vorgeschmack auf das drohende Klimachaos geben, haben die Finanzeliten nichts Besseres zu tun, als wieder das große Spekulationsrad zu drehen – als gäbe es die reale Welt um sie herum nicht." Weiter heißt es: "Angesichts dessen hat sich unsere Redaktion entschlossen, den Routinebetrieb für einen Tag Adieu zu sagen und diese Sonderausgabe zu machen. Wir brauchen ein ganz anderes Finanzsystem." 
Auf Seite 3 schreibt Heribert Prantl 

Passend zu dieser Aussage lesen sich die Storys auch. Ein Stück über die Deutsche Bank trägt die Überschrift "Dreck am Stecken". Heribert Prantl verrät in einem längeren Text "Warum der heilige Augustinus heute ein Attac-Mitglied wäre" und der Kabarettist Georg Schramm steuerte den Text "Planlos in der Krise" bei. 

Die Fake-Ausgabe der Zeit konnte vor rund 1,5 Jahren noch nicht mit so vielen prominenten Autoren aufwarten. Damals produzierte Attac eine gefälschte Ausgabe aus der Zukunft. Unter dem Erscheinungsdatum 1. Mai 2010 verteilten die Aktivisten im Frühjahr 2009 eine Version der Wochenzeitung, in der eine mögliche Zukunft beschrieben wurde, wie sie sich die Attac-Autoren wünschen.
Die Zeit-Macher waren damals nicht böse auf die Aktion. Vielmehr freuten sie sich, dass sich die Aktivisten gerade ihre Zeitung ausgesucht hatten. Ähnlich fällt die Reaktion am Baumwall aus. Aus dem Umfeld der Wirtschaftszeitung ist zu hören, dass die Aktion die Relevanz der Zeitung beweist. Nicht ohne Schadenfreude nehmen die FTD-Macher offenbar zur Kenntnis, dass ihr Blatt und nicht das Handelsblatt, der Konkurrent aus Düsseldorf, von Attac gefälscht wurde.
Die Zeit wurde damals nicht auf der Straße verteilt, sondern lag am folgenden Tag auch der taz bei. Das wird auch diesmal wieder so sein. 
Bereits im Frühjahr 2009 war die Attac-Aktion nur eine Kopie. Die Globalisierungs-Gegner kupferten mit ihrer Kampagne eine Aktion der amerikanischen Gruppe "The Yes-Men" ab. Diese hatte im November 2008 eine gefälschte "New York Times" veröffentlicht. Die US-Zeitung verkündete das Ende des Irakkrieges, George W. Bush wurde wegen Hochverrats angeklagt und Condoleezza Rice entschuldigte sich öffentlich für ihre Lügen über den Irakkrieg.
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