ZDF-„Töppi“: der Unblamierbare tritt ab

Am Samstag absolviert ZDF-Sportreporter-Legende Rolf Töpperwien beim Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und dem HSV seinen letzten Auftritt fürs Fernsehen. Danach feiert er in seinen 60. Geburtstag rein und geht in Frührente. Mit “Töppi” tritt einer der letzten echten Typen im Sportreportergeschäft ab. Im Positiven wie im Negativen war Töpperwien in seiner Art unverwechselbar. Er war populär, aber die Nähe zu Spielern und Vereinen sowie einige Skandälchen trugen ihm auch viel Kritik ein.

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Für immer verfolgt wird Rolf Töpperwien von zwei peinlichen Ausrutschern in seinem Berufsleben. Einmal reklamierte er eine angeblich zu hohe Bordellrechnung auf offiziellem ZDF-Briefpapier. Die in der Presse veröffentlichte Begründung, die Rechnung könne gar nicht stimmen, er sei ja kein “Marathon-Mann” war dann schon fast wieder sympathisch. Einige Jahre später zündete er sich im Rausch mit Stroh-Rum seine Haare an. Das brachte ihm im Jahr 2000 bei dem Satire-Magazin Titanic einen unrühmlichen Auftritt auf dem Titel samt Gedankenblase ein: "Das Schlimmste ist der Brand danach."

Schwamm drüber – Töpperwien selbst schreibt in der pünktlich zu Geburtstag und Ruhestand erschienenen Autobiographie erstaunlich offen über die beiden Zwischenfälle. Er hat gelernt, mit den Peinlichkeiten zu leben, die ihn wohl immer verfolgen werden. Schämen sollen sich andere, er ist längst zum Unblamierbaren gereift.
Er nimmt halt kein Blatt vor den Mund, der Töppi, und bei sich selbst macht er da keine Ausnahme. Er steht für einen Typus von Sportreporter, der sich einmischt und dazwischendrängelt. Fast verwachsen mit seinem ZDF-Mikro drang er in Spielerkabinen vor oder verfolgte  Michael Ballack bis zum Mannschaftsbus. Markenzeichen waren seine Glubschaugen, die bisweilen sekündlich wie zwei Ping-Pong-Bälle dem Interviewten ins Gesicht zu springen drohten. „Wenn du nur das machst, was dir erlaubt ist, kommste zu nix“, sagte er bei einer Präsentation seines Buches in seiner Heimatstadt Wiesbaden.

Dass er mit Vereinen und Spielern auch gerne mal kuschelte, daraus machte er keinen Hehl. Für Eintracht Frankfurt und Werder Bremen hat er mal Trikot-Sponsoren vermittelt und er hat Vereinsfeste moderiert. Alles kein Problem. "Mir ist es nie schwer gefallen, am Samstagabend bei einem Spieler auf der Geburtstagsfeier zu sein und ihn nach dem nächsten Spiel auf einen gravierenden Fehler anzusprechen", sagte Töppi im Interview mit der Frankfurter Rundschau, genervt von "immer denselben Fragen".

Die Zuschauer kennen den kleinen Mann mit der knolligen Nase, den krausen Haaren und dem ZDF-Mikro am Spielfeldrand. Das ist mehr, als man über die heutigen, oft stromlinienförmigen Sportreporter-Darsteller sagen kann. “Töppi” ist eine Type. Zusammen mit Waldemar “Waldi” Hartmann wahrscheinlich der letzte Vertreter einer Sportreporter-Generation aus der goldenen Ära vor dem Privat-TV. Seine Welt ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen, sein Fußball-Universum dreht sich auch heute noch um Paul Breitner und Otto Rehhagel.

Bei der jüngsten WM in Südafrika gaben andere den Ton an. “Töppi” durfte im Internet vom Dach eines Hotels in Kapstadt noch Tipps zum Ausgang der Spiele abgeben. Für einen Mann mit seinem ausgeprägten Ego ist das zu wenig. Dann lieber mit einem kleinen Peng zum 1.440. Spiel abtreten. Ob er in seinem Ruhestand dann wirklich Ruhe gibt, muss man abwarten. Bei Typen wie “Töppi” gilt: Manchmal kommen sie wieder.

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