Augsburger Mediengespräche: Kritik am Reality-TV

Heiße Diskussionen bei den Augsburger Mediengesprächen: "Was ist eigentlich noch echt im deutschen Fernsehen?" Dieser Frage stellten sich Mittwochabend Medienexperten und Vertreter von TV-Formaten, die den Stempel „Reality“ tragen. Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM), kritisierte diese Formate scharf und forderte die Inszenierung stärker zu Kennzeichen.

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Es sind „die permanenten grenzwertigen Verhaltensweisen unterhalb der Ebene der Rechtsverletzung, die möglicherweise schleichend und ohne, dass es uns bewusst wird, unser Wertesystem verändern“, warnte BLM-Präsident bereits in seinem Grußwort. Man komme nicht umhin festzustellen, dass es speziell im privaten Fernsehen seit Jahren einen großen Trend gibt und das sind die unterschiedlichen sogenannten Reality-Formate. "Darunter fallen die zahlreichen Doku-Soaps und Doku-Dramen, die teilweise auch als Ratgebersendungen daherkommen, das neue Phänomen ‚Scripted Reality‘ und letztlich auch die vielen Castingshows, bei denen man sich zu Recht fragen kann, was ist daran dokumentarisch und was initiiert bzw. manipuliert."
Kulturjournalist Alexander Kissler bezeichntet die Scripted Reality-Formate als "Schrei- und Krawall-TV der ordinärsten Form.“ Man könne die frei erfundenen Geschichten und Laiendarsteller aus den gescripteten Sendungen alle „in die gleiche Gosse werfen, aus der sie gekrochen sind.“ Dagegen verteidigte sich Jürgen Erdmann von Norddeich-TV, der die Sendungen "Die Schulermittler" und "Betrugsfälle" produziert: "Wir denken uns keine Fälle aus, die nicht passieren." Er gab allerdings auch zu: "Wer will das schon sehen, wenn es keine Probleme gibt?“
Für seinen „Zynismus“ erntete Kissler von TV-Psychologin Angelika Kallwass ("Zwei bei Kallwass") den Vorwurf, nur zu ironisieren und auf die Zuschauer herabzuschauen. Kallwass sieht ihre Sendung, in der sie mit Laiendarstellern inszenierte Konflikte löst, als eine Art "Lebenshilfe" für die Zuschauer. Sie wolle durch eine besondere Streitkultur "Einsicht zur Veränderung" vermitteln.
Ring, der auch Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ist, schlug vor, die Manipulation zumindest dadurch abzuschwächen, dass viel deutlicher auf die frei erfundenen Geschichten und Inszenierungen hingewiesen wird als nur mit einem Satz im Abspann.

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