Facebook-Film: Zuckerberg als Mistkerl

Am 24. September feiert "The Social Network", der Kinofilm über die Entstehung von Facebook und das Porträt seines damals 19-Jährigen Gründers, Premiere. Doch wer glaubt, dem heute 26-jährigen Web-Wunderkind würde nun ein schmeichelhaftes Denkmal gesetzt, der irrt. Tatsächlich dürfte der Film für den Harvard-Dropout zum ernsthaften PR-Problem werden. Ein US-Journalist schreibt: "Der Film zeigt Zuckerberg als unsicheren Mistkerl, der Leute über Ohrs haut, um ein viel reicherer, unsicherer Mistkerl zu werden."

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Es ist nicht einfach, Mark Zuckerberg zu sein. Mehr als 500 Millionen potenzielle Freunde – doch auf der ganzen Welt Neider. So könnte es dem gerade mal 26-Jährigen in den vergangenen Monaten gegangen sein, als immer mehr Negativschlagzeilen auf den Facebook-Gründer einprasselten, an der er allerdings mit seiner legendären Entzauberung auf der Technologie-Konferenz „D8“ maßgeblichen Anteil hatte.

Die Neugierde an jenem Mann, der von sich selbst sagt, er wolle "die Welt zu einem offeneren Ort machen", selbst auf Facebook aber nicht Freundesanfragen zulässt, ist ungebrochen. Den vorläufigen Höhepunkt dürfte der zwiespältige Hype um den erst 26-jährigen Harvard-Abrecher in zwei Wochen erreichen, wenn der heiß ersehnte David Fincher-Film "The Social Network" debütiert.

Gründungsmonate: Die Vergangenheit holt Zuckerberg ein

Doch der Titel trügt: Auf dem vermeintlichen Höhepunkt des Unternehmenserfolgs mit einer halben Milliarde Nutzern und einem virtuellen Marktwert in hoher zweistelliger Milliardenhöhe ist der potenzielle Columbia-Blockbuster nicht eine Hommage an das meist beachtete Internet-Unternehmen seit Google. Es geht um die Gründungmonate, die Zuckerberg bis heute verfolgen und die Anfang vergangenen Jahres zu einer Vergleichzahlung von 65 Millionen Dollar führte.

Der Vorwurf steht im Raum, Zuckerberg habe die Idee für Facebook bei Kommilitonen geklaut und diese bewusst hintergegangen. Das vom früheren Internetaktienanalysten Henry Blodget gegründete Technologieportal Alley Insider wartete dann im Frühjahr mit Direkt-Botschaften ("Instant Messagers") Zuckerbergs auf, die den Verdacht erhärteten und den Facebook-Gründer in einem ganz schlechten Licht erscheinen ließen.

Verhängnisvolle Instant Messages: Existenz bestätigt

Einige von ihnen lauten so: "Ich haue sie übers Ohr", schreibt er einem Freund, wie er sich zu den Brüdern Winklevoss verhalten wolle, die ihn mit der Programmierung des Facebook-Vorläufers "Harvard Connection" betreut hatten. Und mit den 4.000 Mail-Adressen und Fotos von Harvard-Studenten, an die er gekommen war, prahlte er gegenüber seinem Instant Message-Freund: "Wenn Du irgendwas brauchst, sag einfach Bescheid."

Das renommierte US-Wochenmagazin New Yorker veröffentlichte nun am vergangenen Wochenende ein viel beachtetes Zuckerberg-Porträt, in dem der Facebook-Gründer erstmals bestätigte, die von Alley Insider enthüllten Instant Messages in der Form geschrieben zu haben: Zuckerberg bereue die Direkt-Botschaften "zutiefst", schreibt Autor Jose Antonio Vargas: "Ich glaube, ich bin erwachsen geworden und gereift", fügt Zuckerberg gegenüber dem New Yorker hinzu.

"’The Social Network‘: Für Zuckerberg so brutal wie befürchtet"

Keine Frage: Schnell hingeschriebene Insant Messages eines 19-Jährigen sieben Jahre später auf die Goldwaage zu legen, erscheint nicht unproblematisch. Doch der Schaden dürfte kurz vor der Veröffentlichung von "The Social Network“, das sich mit eben jener Gründungs-Periode beschäftigt, angerichtet sein: Die enthüllten Botschaften seien „peinlich und schädigend“, so das Fazit von Vargas.

Und das ist der Film, der eine Woche später in die deutschen Kinos kommen wird, offenbar erst recht. Peter Kafka vom Wall Street Journal hat ihn ein als einer der wenigen Journalisten bereits vor der Premiere gesehen. Sein vernichtendes Urteil: „ ‚Social Network’ wird für Zuckerberg so brutal wie befürchtet“, schreibt der Technologiereporter (All Things Digital). "Der Film zeigt Zuckerberg als unsicheren Mistkerl, der Leute über Ohrs haut, um ein viel reicherer, unsicherer Mistkerl zu werden." 

„Sie werden Dich nicht mögen, weil Du ein Arschloch bist“

Mark Zuckerberg, der dem New Yorker-Autor Vargas als einem der wenigen Journalisten in letzter Zeit ein Interview gewährt hat, versucht sich im Gespräch in Schadensbegrenzung, ahnt aber auch, dass die Jungendsünden bei den Kinobesuchern hängen bleiben könnten: "Eine Menge Leute werden sich den Film ansehen und denken: Er war damals so, als er 19 war, er muss heute eigentlich noch genauso sein, oder?"

Verfestigen könnte sich bei Kino-Besuchern dieser Eindruck nicht zuletzt durch die Eingangssequenz. Obwohl alle Journalisten, die den Film bislang vorab gesehen haben, eine Erklärung unterschreiben mussten, nichts vorab zu verraten, erzählt die London Times die erste Szene des Films nach. Sie zeige, wie Zuckerberg mit seiner damaligen Freundin in einer Campus-Bar sitze und sie ihm folgendes mit auf den Weg gebe: "Du wirst erfolgreich und reich sein. Aber Du läufst durchs Leben und glaubst, die Mädchen mögen Dich nicht, weil Du ein Tech-Geek bist. Aber ich will, dass Du aus tiefstem Herzen weißt, dass das nicht wahr ist. Sie werden Dich nicht mögen, weil Du ein Arschloch bist." Mehr Negativ-PR geht nicht.

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