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WeTab: Zittern bis zum letzten Augenblick

Die gute Nachricht zuerst: Das WePad funktioniert und es "toucht". Trotzdem muss Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen Nerven wie Drahtseile haben. Denn, und das ist die schlechte News, bei der Software gibt es noch immer keine ausreichende Version, die selbst wohlwollende Käufer befriedigt. Doch die Uhr tickt: Ab Dienstag wird der iPad-Konkurrent ausgeliefert. Bei einer Pressevorführung in Hamburg haben die Macher versichert: Alles wird gut. Nur so richtig glauben mag man es kaum.

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Die gute Nachricht zuerst: Das WePad funktioniert und es "toucht". Trotzdem muss Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen Nerven wie Drahtseile haben. Denn, und das ist die schlechte News, bei der Software gibt es noch immer keine ausreichende Version, die selbst wohlwollende Käufer befriedigt. Doch die Uhr tickt: Ab Dienstag wird der iPad-Konkurrent ausgeliefert. Bei einer Pressevorführung in Hamburg haben die Macher versichert: Alles wird gut. Nur so richtig glauben mag man es kaum.

Das WeTab und die Presse. Das ist eine vertrackte Geschichte. Es ist ein Stück voller Leerstellen, voreiliger Ankündigungen, peinlicher PR-Auftritte und vieler Missverständnisse. So ist 4Tiitoo-Chef Tore Meyer immer noch überascht, wie "stark unser Produkt polarisiert“, sagt 4Tiitoo-Chef Tore Meyer.

Der Münchner arbeitet mit seiner Entwicklerschmiede bereits seit 2006 an einem Tablet-PC: "Damals haben nur wenige daran geglaubt, dass Tablets eine Zukunft haben". Dann kam Apple und präsentierte das iPad und galt auf einmal als der große Innovator.

Zugleich ein Fluch und Segen für Meyer. "Apple hat auf einen Schlag einen Markt geschaffen. Erst durch das iPad haben viele gesehen, welch ein Potential Tablets haben. Andererseits hätten wir auch gerne das erste auf den Markt gebracht."

Zwischen November 2006 und der ersten iPad-Präsentation verbündete sich Meyer mit dem Berliner Suchmaschinen-Experten und der gleichzeitig bestens in der Verlagswelt verdrahteten Web-Company Neofonie. Die beiden Unternehmen beschlossen zusammen die WePad GmbH zu gründen.

Von diesem Punkt an musste das Duo ständig mit den Erwartungen der Presse, ihrer Partner und potentiellen Kunden kämpfen. Bereits bevor Meyer und Hoffer von Ankershoffen einen ersten Dummy auf einer denkwürdigen Pressekonferenz vorführten, erklärte G+J-Chef Bernd Buchholz das Wetab zum ernsthaften iPad-Konkurrenten, für den der Stern bereits an einer speziellen App-Version arbeite. Die Medien waren angefixt, doch alles, was die vermeintlichen Apple-Killer seitdem präsentierten, konnte die immensen Erwartungen nicht erfüllen.

Gleichzeitig schafften es Neofonie und 4tiitoo nie, auch nur ein Gerät zu präsentieren oder ein Event zu organisieren, nach dem die Anwesenden das nicht Gefühl hatten, irgendwas stimmt nicht und irgendwas geht bestimmt noch schief. Bei der gesamten Wetab-Kommunikation geht es seit einem halben Jahr ständig um Sätze wie "das geht jetzt noch nicht, kommt aber noch" oder "dazu können wir jetzt nichts sagen".

Beispiel von der WePad-Pressevorstellung in Hamburg:

Frage: Bleiben die Schaltfläche im Mailprogramm oder im Mediaplayer so klein, dass man sie kaum bedienen kann?
Antwort: "Das geht jetzt noch nicht, kommt aber noch"

Frage: Wie viele Geräte werden sie am Dienstag ausliefern?
Antwort: "Dazu können wir jetzt nichts sagen".

Frage: Werden speziell für das WePad entwickelte Verlagsangebote zum Start am Dienstag dabei sein?
Antwort: "Dazu können wir jetzt nichts sagen".

Auch Apple antwortet nicht auf jede Frage. Steve Jobs hat jedoch die eiserne Regel, nur fertige Produkte zu präsentieren und von diesem Status ist das WeTab noch weit entfernt.

Beim Hamburger-Termin zeigte sich: Die Benutzeroberfläche ist smart gemacht. Die Navigation ist dafür ausgelegt, nur mit zwei Daumen bedient zu werden – eine ziemlich gute Idee. Das Display ist scharf und kontrastreich und die Seiten scrollen problemlos. Allerdings fehlten bei der Präsentation noch alle Content-Partner. Die Widgets, die fünf Tage vor dem Verkaufstart zu sehen sind, wurde alle von den Tab-Entwicklern selbst gebaut oder sind visuell aufgemotzte Bookmarks.

Im Moment reden alle über die Technik. Das iPad ist aber keine Erfolgsgeschichte geworden, weil es so ein tolles Stück Hardware ist, sondern weil es eine überragende User Experience bietet und mit einem riesigen Content-Angebot punktet. Genau an dieser Stelle wird die Schlacht tatsächlich geschlagen. Nur wenn es dem WeTab gelingt, besseren Content und ein noch überzeugenderes Benutzer-Erlebnis zu garantieren als Apple, kann das Tablet aus München und Berlin ein Erfolg werden. Im Moment ist das Gerät noch weit davon entfernt. 
Zusätzlich müssen Hoffer von Ankershoffen und Meyer noch einiges an verspielten Kunden-Vertrauen zurückgewinnen. Das Image als Ankündigungsweltmeister, deren Marketing-Aktionen mehr versprechen als sie halten, haftet noch an den Tablet-Entwickeln. Bestes Beispiel der Tweet von Udo Vetter: "Beim WeTab erwarte ich noch einen Untergang des Transportschiffs oder eine Feuersbrunst im Lagerhaus."
Das einfachste Mittel, die kritischen Stimmen zum schweigen zu bringen, ist es am Dienstag einfach einen überzeugenden Produktstart hinzulegen. Nur so richtig glauben, mag es im Moment noch kaum jemand. 

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