Print ist am Baumwall wieder King

Der Vorstandschef von Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, hat in einer Präsentation seiner Branche Mut gemacht. "Print lebt und ist hoch profitabel", sagte er in Berlin. Zuhause in Hamburg wird man hörbar aufgeatmet haben. Bei der taz wurden Honorare von Korrespondenten gekürzt. Der Sparzwang wurde hinterher mit einer Gerechtigkeits-Offensive begründet. Egal wie das ARD-Talkkarussell ausgehen wird, Anne Will steht als Verliererin da. Und ein Koblenzer Richter hat verboten, aus dem Gerichtssaal zu twittern.

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Gruner + Jahr-Chef Bernd Buchholz ist wieder da. Also, natürlich war er nie weg, aber die Nummer Eins von G+J meldete sich im Vorfeld der Bertelsmann-Jubiläums-Gala mit einer Präsentation, die eine Art Standortbestimmung für Gruner + Jahr war. Es gehe darum, “das Herz des Journalismus zu schützen”, sagte Buchholz und: “Print lebt und ist hoch profitabel.” Hat Buchholz etwa von dem Zaubertrank gekostet, in dem sonst Medien-Berufsoptimist Mathias Döpfner zu baden pflegt? Man weiß es nicht. Aber Buchholz’ Einlassungen dürften in jedem Fall Balsam für die gebeutelte Belegschaft gewesen sein. Man besinnt sich am Baumwall auf das, was man kann: Zeitschriften machen. Vom bislang stets im Ungefähren gebliebenen Streben nach dem ominösen neuen Geschäftszweig Professional Publishing rückt man nicht ab, es nimmt im Werte-Kanon nun aber nicht mehr dem angestammten Kerngeschäft die Luft zum Atmen.

Bisher dachte man, der Berliner taz ist die so genannte Medienkrise herzlich egal. Weil die taz fast keine Anzeigen hat, war sie naturgemäß von den konjunkturell bedingten Anzeigen-Einbrüchen fast nicht betroffen. Sparen muss die Genossen-Zeitung jetzt aber trotzdem und es zeigt sich, dass auch die taz sehr ungeschickt vorgehen kann. Einigen der ohnehin nicht fürstlich entlohnten Auslandskorrespondenten sollen die Zahlungen um bis zu 28 Prozent gekappt werden. Bisher würden die Auslands-Korrespondenten sehr unterschiedlich bezahlt, hieß es. Jetzt gebe es das gleiche Honorar für alle. "Für gleiche Arbeit müssen die Redakteure auch gleiches Geld bekommen", meinte Chefredakteurin Ines Pohl. Dabei lässt sie freilich außer Acht, dass es auch unterschiedlich erfahrene Kollegen geben mag oder unterschiedliche Lebenshaltungskosten in einzelnen Ländern. Die düpierten Auslandskorrespondenten protestierten mit einem YouTube-Video und die taz hat eine gehörige Image-Delle abbekommen.

Das Talk-Karussell der ARD kommt langsam zum Stehen und die Verliererin steht fest: Anne Will. Offenbar soll Frank Plasberg mit seiner Show “Hart aber Fair” nach der ARD Programmreform 2011 auf einen Primetime-Sendeplatz rücken, wahrscheinlich montags. Die anderen wochentäglichen Talk-Formate sollen allesamt nach den “Tagesthemen”, also dann um 22.45 Uhr, gezeigt werden. Reinhold Beckmann und Sandra Maischberger sind die späten Startzeiten ihrer Sendungen bereits gewohnt. Für Anne Will wird der Wechsel vom kuscheligen Sendeplatz am Sonntagabend zum nächtlichen Sendeplatz an einem Wochentag aber hart. Dann zeigt sich, ob es ihr gelingt, auch ohne das Zugpferd “Tatort” gute Quoten zu erzielen. Besonders wahrscheinlich ist das nicht.

Ein Richter am Landgericht Koblenz hatte dem Social-Media-Redakteur der Rhein Zeitung, Lars Wienand, verboten, via iPad live aus einer Verhandlung zu twittern. Manche regen sich darüber auf, aber warum eigentlich? Der Richter hat in so einer Verhandlung Hausrecht, das ständige Getippe kann vielleicht ablenken und nicht zuletzt gibt es zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass sich Zeugen vor ihrer Aussage via Twitter über den bisherigen Fortgang einer Verhandlung informieren und ihre Aussage darauf abstimmen. Dass die Live-Ticker-Berichterstattung im Gerichtsverfassungsgesetz nicht explizit erwähnt ist, weil es sich dabei um ein relativ neues Phänomen handelt, heißt nicht, dass das Twittern aus dem Gerichtssaal sinnvoll oder erlaubt ist.

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