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Fünf unbequeme Wahrheiten über Facebook

Der Boom ist ungebrochen: Facebook ist und bleibt die ganz große Internet-Erfolgsgeschichte des vergangenen Jahre. Doch trotzdem kommt das größte aller sozialen Netzwerke nicht ohne Tücken daher: Der Umgang mit der verführerischen Freunde-Community will gelernt sein. Facebook kann zum grenzenlosen Zeitfresser werden, süchtig machen, sozialen Druck erzeugen und zu einer Offenheit verleiten, die man gar nicht will – erst recht, wenn man nicht mit der Privatsphäre umgehen kann...

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Der Boom ist ungebrochen: Facebook ist und bleibt die ganz große Internet-Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre. Doch trotzdem kommt das größte aller sozialen Netzwerke nicht ohne Tücken daher: Der Umgang mit der verführerischen Freunde-Community will gelernt sein. Facebook kann zum grenzenlosen Zeitfresser werden, süchtig machen, sozialen Druck erzeugen und zu einer Offenheit verleiten, die man gar nicht will – erst recht, wenn man nicht mit der Privatsphäre umgehen kann…

1. Zeitkiller Facebook

Fast kommt es einem vor wie ein anderes Leben: Wie war noch die Zeit, bevor es Facebook gab? Vorstellen kann man sich das ja kaum mehr. Urlaubsbilder per Mail an ausgewählte Freunde verschicken, Kurzmitteilungen per SMS absetzen („Grüße aus Soccer City vom WM-Endspiel!“) und statt eines öffentlichen Kommentars („Das Outfit ist nicht Dein Ernst, oder? ;)“)- nur den Gedanken daran.

Ja, es war ein anderes Leben – und das ist für die meisten von uns vielleicht nur ein, zwei oder drei Jahre her.  War es ein besseres Leben? Das erscheint höchst diskutabel – fest steht aber: Es war ein weniger öffentliches und hektisches Leben. Machen wir uns nichts vor: Wir können nicht mehr ohne Facebook.

Alle halbe Stunde fahren wir unsere blaue Lieblingsseite hoch und verfolgen unsere Timeline. Wie bitte, DIE ist jetzt „in einer offenen Beziehung“ mit DEM Hansel? Gibt es doch gar nicht! Oha: Der findet Kim Kardashian auch gut? Oh, du meine Güte, wie peinlich ist das neue Profilbild denn? So lechzen wir durch den Arbeitstag nach Ablenkung, Zerstreuung – und, ja: dem neusten Klatsch und Tratsch aus unserem Umfeld. Facebook ist unsere persönliche Online-Ausgabe der Gala, Bunten und People zusammen – und wir können sie auch noch mitgestalten!

Doch das kostet natürlich Zeit: Mehr als 7 Stunden verbringt der US-Durchschnittsuser im Monat auf Facebook. Nur! Möchte man meinen. Es gibt Nutzer, die schaffen das an einem Tag. Spielend. Nüchtern betrachtet ist der Schaden damit angerichtet: Milliardenverluste entstehen für Arbeitgeber durch Social Media-Zeitkiller wie Facebook jährlich.

2. Die konstante Verführung

Man muss es wohl so deutlich formulieren: Facebook ist die Büchse der Pandora des Internet-Zeitalters. Einmal geöffnet, bekommt man sie schwer wieder zu.

Facebook verleitet uns zu Dingen, die wir eigentlich gar nicht wollen. Hier ein „Like“ der schönen Praktikantin, da ein unbedachter Poser-Kommentar zum Trinkgelage zum 15-jährigen Klassentreffen, dort schließlich das tief ausgeschnittene Bikini-Bild am Elbstrand, auch wenn’s nicht wirklich vorteilhaft war – wir haben schließlich was erlebt und erst recht was zu bieten.
Und schon sind der Chefredakteur, der Junganwalt oder die PR-Beraterin in die Social Media-Falle getappt. Es ist ein bisschen so wie bei pubertierenden Jungs, die einfach nicht die Klappe halten können und ohne Rücksicht auf Verluste von ersten Kuss-, Kuschel- oder Sex-Abenteuern berichten müssen.

Na klar: Es „socialt“. Das Schlimme daran: Die Verführung ist allgegenwärtig.  24 Stunden am Tag, solange wir wollen. Und wenn uns unser Freundes- und Bekanntenkreis zu eintönig vorkommt, schaffen wir uns eben einen neuen. Auch flirten und daten kann man vortrefflich auf Facebook. Und vor allem neue Leute kennenlernen. Dass wir dabei mit unserem virtuellen Ich immer mehr von uns selbst lösen und eifrig am Relaunch in eigener Sache arbeiten, steht auf einem anderen Blatt.

3. Sozialer Druck durch Facebook

Und dann geht es noch anders herum: Es gibt bekanntlich Leute, denen würde man nicht so zwingend gerne auf die Nase binden, dass man eine Vorliebe für südamerikanische Frauen, lange Partynächte oder, am schlimmsten, Mariah Carey hat. Fanseiten, Status-Updates und die entsprechenden Fotoalben machen das aber sehr deutlich.

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Und besonders dumm, wenn die Kollegen am nächsten Morgen dank Facebook von der Zechtour in der Nacht zuvor bereits wissen – und die Verspätung von einer Dreiviertelstunde durch das Bargelage nicht besonders gut zu rechtfertigen ist? Wer im Social Media-Zeitalter eins und eins zusammenzählen kann, wird den Chef oder den direkten Vorgesetzten nicht unbedingt als Erste zu seiner Freundesliste zuklicken. Doch was tun, wenn es anders herum passiert: Den Chef ignorieren? Ähem…

Spätestens in diesem Augenblick fängt Facebook an, einen unangenehmen sozialen Druck aufzubauen. Wir kennen uns alle und sind doch alle dicke, lässige Facebook-Freunde, oder? Keine so gute Idee, wenn es mit derselben Person einen halben Tag später ums Gehaltsgespräch geht.

4. Scheinwelt Facebook

Es gibt Begegnungen in der schriftlichen Anonymität des Netzes, die es im wirklichen Leben nie geben würde. Man wird viel zu schnell persönlich, gibt viel zu viel von sich preis – und ist sofort mit jedem per Du. Alles ist toll in der Facebook-Welt – vor allem auch, weil alles Untolle ja ausgeblendet werden kann.

Und spätestens hier fängt das Problem an: Die Nonstop-Mitteilungen an seine virtuellen Freunde können die echten nicht ersetzen – sie rücken aber immer mehr in den Hintergrund, wenn sie nicht selbst auf Facebook sind, schon zeitlich betrachtet. Wie trügerisch Facebook-Freundschaften allerdings sein können, erlebt man spätestens, wenn man sich in eine Online-Bekanntschaft verstrickt, der man im wirklichen Leben noch nicht begegnet ist und, wie man dann irgendwann beim Real-Life-Abgleich feststellt, unter normalen Umständen auch nicht begegnet wäre.

Aber auch Netzwerk-Freundschaften und eben solche, die man online so bezeichnet, können sich als trügerisch, weil höchst oberflächlich erweisen. Machen wir uns nichts vor: Facebook ist immer auch ein Ventil und offenes Tagebuch, in dem wir mit unseren Postings und Status-Updates in erster Linie etwas über uns sagen. Wir wollen Gehör bekommen und freuen uns über Feedback – fast egal, von wem.

Und am Ende des Tages ist Facebook eben auch ein sehr amerikanisches Netzwerk, bei dem Freundschaften nicht gleich Freundschaften sind.  Don’t overstay your welcome, lautet entsprechend passend auch ein englisches Idiom. Das sollten wir auch in der Scheinwelt Facebook nicht vergessen, in der Verbindlichkeit das größte Fremdwort ist.

5.  Das Ende der Privatsphäre auf Facebook

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sich Anfang des Jahres verraten. „The Age of Privacy is over“, erklärte der Twen auf einer TechCrunch-Veranstaltung gegenüber Michael Arrington. Wenn er Facebook noch einmal neu programmieren würde, dann komplett ohne die Möglichkeit zur Eigen-Zensur. Alle könnten also alles sehen: die Freunde, die geposteten Beiträge, usw. Und wenn man das nicht will?

Heute helfen dabei noch die sogenannten Privatsphäre-Einstellungen („Privacy Settings“). In der Praxis jedoch zeigt sich schnell, dass fast kein Nutzer durch die immer komplexeren Einstellungen, die sich in ein schier undurchdringbares Dickicht von Unterpunkten gliedern, mehr durchsteigt. Vor allem nicht nach der x-ten Änderung, die es mindestens einmal im Jahr gibt. Es heißt dann, man habe alles noch einfacher gestaltet und Facebook zu einem noch sichereren Netzwerk gemacht.
Aber wie viel taugt diese Schein-Sicherheit tatsächlich in der Praxis: Wie sicher fühle ich mich, wenn ich ein Häkchen nicht anklicke oder falsch setze – und meine Berufskontakte plötzlich Urlaubsbilder sehen, die nur meine engsten Freunde sehen sollten? Oder noch ärgerlicher: Wieso erhalten Neukontakte zunächst Zugriff auf das ganze Profil, obwohl ich sie bei einer Bestätigung einer bestimmten Freundesliste zuweise? Oft genug wird diese Zuweisung nämlich nicht übernommen. Ein klarer Programmierbug, doch ärgerlicherweise auf meine Kosten. Ich muss den neuen Freund manuell noch einmal „bearbeiten“ und dann abermals „zu einer Liste hinzufügen“. All diese versteckten Unzulänglichkeiten nerven ungemein.

Am Ende des Tages sollte sich jeder Facebooker darüber im Klaren sein, dass grundsätzlich jeder Schnipsel, der einmal geposted wird, am Ende doch irgendwann von jedem eingesehen werden kann – und sei es nach der 74. Einstellungs-Änderung, die wieder die Grundeinstellungen zurücknimmt und selbst zum aktiven Häkchen-Setzen zwingt, was man natürlich verpasst. Nehmen wir es hin: Die Privatsphäre in Facebook ist, wenn man nicht messerscharf aufpasst, ein ziemlicher Mythos. Benehmen wir uns so, als würde die ganze Welt zuschauen und mitlesen – auch wenn der Spaß damit zu Ende ist.

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