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Blackberry: Wall Street wettet auf Absturz

Manchmal gibt es Börsentrends, die gehen einfach nicht mit der Entwicklung in der realen Wirtschaft einher. In eklatantester Form fällt in diesem Jahr wohl der Blackberry-Hersteller RIM auf: Die Aktie liegt seit Januar um rund 30 Prozent hinten, obwohl das kanadische Vorzeige-Unternehmen weiter zweistelliges Wachstum nachweisen kann. Doch die Wall Street wettet auf dem Smartphone-Markt auf Apples iPhone und Android-Handys – und gegen den Blackberry. Dabei überraschen auch die neusten Quartalszahlen positiv.

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Manchmal gibt es Börsentrends, die gehen einfach nicht mit der Entwicklung in der realen Wirtschaft einher. In eklatantester Form fällt in diesem Jahr wohl der Blackberry-Hersteller RIM auf: Die Aktie liegt seit Januar um rund 30 Prozent hinten, obwohl das kanadische Vorzeige-Unternehmen weiter zweistelliges Wachstum nachweisen kann. Doch die Wall Street wettet auf dem Smartphone-Markt auf Apples iPhone und Android-Handys – und gegen den Blackberry. Dabei überraschen auch die neuen Quartalszahlen positiv.

Wie zermürbend muss das sein: Beständig zweistelliges Gewinn-Wachstum vorzuweisen und doch die Wall Street gegen sich zu wissen? Diesen "Schwarzen Peter" der Technologiebranche hat der kanadische Smartphone-Hersteller Reserach in Motion (RIM) in diesem Jahr offenkundig abonniert.

Die Börse wettet gegen RIM – und zwar mit immer härteren Abschlägen. Bei gerade mal 42 Dollar notierte das Papier vor drei Wochen, während noch vor einem Jahr doppelt so hohe Kurse bewilligt worden waren. Was ist seitdem passiert: Ist RIM völlig eingebrochen, werden weniger Blackberrys verkauft? Nichts dergleichen, doch die Börse unterstellt dem in Waterloo ansässigen Handyhersteller eben dieses Fiasko: Gegen das iPhone und die Android-Smartphones werde RIM langfristig nicht bestehen können, so das klare Votum der Wall Street mit immer schwächeren Notierungen.

Starke Quartalszahlen nach Handelsschluss: Gewinn legt um 76 Prozent zu!

Bislang erscheinen die jedoch fundamental kaum gerechtfertigt. Gestern nach Handelsschluss verkündete RIM erneut Geschäftszahlen, die deutlich über dem Vorjahr und den Konsensschätzungen lagen: Statt der erwarteten 4,47 Milliarden Dollar setzte RIM tatsächlich 4,62 Milliarden Dollar um – im Vorjahreszeitraum waren es nur 3,53 Milliarden Dollar gewesen, was einem Umsatzwachstum von 31 Prozent entspricht.

Auch die Gewinne zogen mit 796,7 Millionen Dollar bzw. 1,46 Dollar je Aktie stärker an als erwartet – die Analystenschätzungen hatten bei 1,35 Dollar je Aktie gelegen.  Im Vorjahr hatte RIM gar nur 0,83 Dollar je Anteilsschein verdient und konnte den Gewinn damit um bemerkenswerte 76 Prozent steigern!

Wall Street schießt sich ein: Verkaufsempfehlungen am Stück

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Insgesamt setzte RIM zwischen Juni und August 12 Millionen Blackberrys ab, was einem Verkaufsanstieg von 45 Prozent entsprach. Ob Apple im Vergleichzeitraum dank seines neuen Modells iPhone 4 mehr Smartphones verkaufen konnte, wird erst in einem Monat bei Bekanntgabe der Quartalszahlen zu vergleichen sein.

Analysten hatten zuletzt jedoch die immer größere Sorge geäußert, dass RIM langfristig nicht mit Apple und Google Schritt halten könne und deswegen die Kursziele immer weiter reduziert – Morgan Stanely hatte unlängst eine ungewöhnlich deutliche Verkaufsempfehlung ausgesprochen, die Berenberg Bank zog wenig später mit einer happigen Reduzierung von 55 auf nur noch 36 Dollar nach.

RIM: Erst ab 20 Dollar Übernahme-Kandidat

Erst ab 20 Dollar wird RIM wegen seines noch immer hohen Börsenwertes von über 25 Milliarden Dollar für eine Übernahme attraktiv, glaubt der "Alley Insider", der seit Monaten den Absturz beschwört: "RIM ist das neue Palm", bezieht das Technologieportal klar Position. "Der Blackberry ist zwar eine starke Marke, aber das Unternehmen verliert das Hochpreissegment an Apple und Google. RIM muss sich ganz schnell ändern, wenn sie dem Abwärtstrend entkommen wollen."

Wie das aussehen könnte, deutete Co-CEO Jim Balsillie auf dem Conference Call an: Anleger sollten einfach die Entwicklerkonferenz in rund einer Woche abwarten, auf der hinsichtlich Design und Plattform einiges passieren könne. "Ich glaube, Sie werden angenehm überrascht sein",  gab Balsillie den Analysten mit auf den Weg. Bleibt die Frage, ob die Botschaft ankommt. Immerhin: Nach Handelschluss konnte die gebeutelte RIM-Aktie nach langer Zeit wieder einmal um vier Prozent zulegen, musste aber den Großteil der Zugewinne schon wieder abgeben. 

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