So funktioniert das neue RTL-Newsstudio

Was das ZDF kann, kann RTL schon lange: Schon seit 2004 produziert der Kölner Privatsender seine Nachrichtensendungen in einer "grünen Hölle". Der Umzug der Senderzentrale brachte allerdings jetzt ein Update mit vielen Neuerungen mit sich. Da kommt nun Technologie zum Einsatz, die sonst bloß im Film verwendet wird. Der Anchorman selbst bleibt indes bei alledem überraschend gelassen. MEEDIA hat Peter Kloeppel und seinem neuen Studio einen Besuch abgestattet.

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In Kloeppels neuem Studio geht es deutlich beschaulicher zu als auf dem Mainzer Lerchenberg. Während das ZDF, das sein virtuelles "Studio N" im Sommer 2009 in Betrieb nahm, die Fläche fast im 360-Grad-Winkel und so fast in Gänze nutzen kann, setzt Deutschlands führender Privatsender nur auf den halben Nutzungsradius. Auch die Größe zeigt die Unterschiede auf: 690 Quadratmeter haben sich die Mainzer gegönnt, nur 410 sind es in Köln. Bei RTL setzen sie zudem auf eine andere Technik: Zwei Kamerakräne, wie sie sonst im Film zum Einsatz kommen, surren auf einer Schiene durch das Studio. Das ZDF hat Roboter angestellt, die auf mechanischen Armen basieren, wie sie bei Opel & Co. am Fließband stehen, um Autos zu bauen.
Bereits seit Samstag steht Kloeppel in diesem neuen Studio an der Kölner Messe, siehe MEEDIA-Bericht (auch zu den Synergien in der Mediengruppe RTL-Deutschland). Ob das aufregend war? "Wirklich nervös bin ich nur beim TV-Duell im Bundestagswahlkampf", sagt Kloeppel nun. "Aber das steht ja – Gott sei Dank – nur alle vier Jahre an." Und auf die Frage, warum RTL das abkupfert, was das ZDF bereits auf dem Schirm hat (ein virtuelles Studio, das bis auf den Moderationstisch komplett leer ist und damit eine einzige riesige "green Box" darstellt, in die Hochleistungscomputer die Kulissen wie auch die üppigen 3D-Modelle hinein rechnen) sagt der 51-Jährige: "Schon unser altes Studio war virtuell und grün angestrichen. Und den Spitznamen ‚grüne Hölle‘ hatten wir dem Ding auch schon damals verpasst. Das hat sich wohl bis zu den Kollegen nach Mainz rumgesprochen." Mit anderen Worten: Das ZDF war gut in der PR.
Überhaupt stichelt Kloeppel dezent, aber merklich gegen seine öffentlich-rechtlichen Kollegen: "Wir waren schon überrascht, als das ZDF vor einem Jahr mit dem langen Autobahntisch kam." Bei RTL setzen sie einen vergleichsweise kompakten, runden Tisch ein. Wie in der "heute"-Sendung ist auch bei "RTL aktuell" der Tisch neben den Moderatoren das einzige Element, das echt ist. Alles andere rechnen Computer ins Bild hinein. Das können sie bei RTL jetzt noch besser als in der Variante aus 2004: Der Zuschauer sieht nun deutlich mehr Tiefe auch in der Kulisse, die teils bläulichem Glas anmutet. Die Kamera fährt nun etwa um Boxhandschuhe herum, die vor dem hinterlegten Foto Wladimir Klitschkos. Eine Technologie, die RTL angenehm unaufgeregt und wenig effekthascherisch einsetzt.
Das Projektteam, zu dem vor allem Mitarbeiter der RTL-Techniktochter CBC und der RTL-Redaktionsgemeinschaft InfoNetwork gehörten, hatte ungeplant Zeit, aus möglichen Fehlern des Zweiten zu lernen, die in vielerlei technischer Hinsicht durchaus Pionierarbeit geleistet haben, aller Kritik zum Trotz. Die Mediengruppe konnte mit ihren Sendern und Servicegesellschaften nämlich die einstigen Messe-Rheinhallen erst mit ganzen zwei Jahren Verspätung beziehen, weil die Baufirma schluderte. CBC-Chef Thomas Harscheidt sagt deshalb auch: "Dank der Umzugsverzögerung haben wir noch mehr Zeit gehabt, unsere Sachen richtig zu machen."
Von "heute" und "heute-journal" hätten sie so etwa gelernt, "wie wichtig Close-Einstellungen sind", sagt Harscheidt, denn: "Das ZDF hat seine Moderatoren fast weggeschubst." Das Zweite arbeitet bekanntlich an diesen optischen Mängeln. Ein neues Intro der "heute" geht schon seit Wochen über dem Sender. Ein Update des Designs im "heute-journal" folgt, wie der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen MEEDIA jüngst ausführlich berichtete.
Die 3D-Technik, die das ZDF sogar noch intensiver einsetzen will, möchte Kloeppel, der bei RTL Anchorman und Chefredakteur in einem ist, trotz aller Möglichkeiten nur sparsam einsetzen. Animationen will er lieber meist auf einer virtuellen Monitorwand zeigen – in den ersten Sendungen zu sehen etwa zu den Arbeiten am Ground Zero in New York und zum Ausdünnen der Gletscher. Eine Methode, die ihm äußerst gut steht: Kloeppel gibt in diesen Situationen nun noch mehr als früher schon den charmanten Erklärbär, der beim Publikum so gut ankommt.
Fast vier Jahre hat das Team um Kloeppel an dem neuen News-Studio gebastelt, aus dem auch Magazine wie "Explosiv" und "Extra" sowie die "Punkte" um 6, 9 und 12 Uhr senden. Täglich sind das bis zu zehn Formate. CBC-Chef Harscheidt betont gerne: "Das, was wir jetzt in Betrieb genommen haben, ist noch nicht die finale Entwicklung der Technik." Ob die News in 3D kommen? "Solange der Zuschauer dafür klobige Brillen aufsetzen muss, ist das allenfalls für Filme interessant, aber für die Produktion von Nachrichten noch lange kein Thema." Aus der Forschung höre er, "dass mit einem Durchbruch in dieser Sache frühestens in vier Jahren gerechnet wird".

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