Loveparade: Presserat rügt Bild.de

Viel Arbeit für den Presserat: Bei seiner aktuellen Sitzung beschäftigten sich die Medienwächter mit der Loveparde-Katastrophe. 241 Beschwerden zur Berichterstattung über das Drama galt es abzuarbeiten. "Dabei ging es vor allem um zwei Themenkomplexe: die Darstellung der Massenpanik in Fotostrecken und Videos sowie die Darstellung der Opfer der Loveparade in Fotos, Geschichten und Videos." Das Ergebnis der Beratungen: Eine öffentliche Rüge sowie fünf Missbilligungen und drei Hinweise.

Anzeige

Die öffentliche Rüge erhielt Bild.de "für die Darstellung eines Einzelschicksals, in der die Redaktion ein ungepixeltes Foto eines Opfers veröffentlichte und dazu Details der Todesumstände beschrieb", argumentieren die Medienwächter. "So wurde unter anderem durch einen Arzt beschrieben, wie das Opfer starb." Nach Einschätzung des Presserates verstößt das Springer-Portal gleich gegen mehrere Ziffern des Pressekodexes.
Insgesamt 179 Beschwerden erhielt der Presserat alleine zu einer Fotostrecke, auf der viele Momente der Massenpanik zu sehen waren. Bis auf ein Bild wurden jedoch alle Einwände als unbegründet zurückgewiesen. "Dass viele Menschen diese Fotos unerträglich finden, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass ein solches Ereignis von hohem öffentlichen Interesse ist", erklärt Manfred Protze, Vorsitzender des Beschwerdeausschuss 1. "Dabei dürfen Journalisten auch Situationen zeigen, die die furchtbare Realität dokumentieren."
Fünf Missbilligungen ergingen gegen Zeitungen und Online-Portale, weil sie die Persönlichkeitsrechte nicht beachtet hatten. So wurden Opfer-Fotos gezeigt, die im Einzellfall mit Vornamen, abgekürzten Nachnamen, dem Alter, dem Wohnort sowie weiteren Details aus dem Leben wie Hobbies oder Beruf versehen waren.
Die Hinweise der Medienwächter gab es jeweils wegen ungepixelter Fotos der Opfer, die mit Vorname und abgekürztem Nachnamen versehen waren. "Wurden weitere Details, wie Einzelheiten über die Lebensumstände, veröffentlicht, so wurde eine Missbilligung ausgesprochen. An diesen privaten Details bestand kein öffentliches Interesse", heißt in einer Erklärung.
Die weiteren Ergebnisse der Presseratssitzung soll am kommenden Freitag veröffentlicht werden. 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige