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Pro & Contra: Schmidt zurück zu Sat.1

Nach dem Transfer von Günther Jauch zur ARD ist das wohl der spektakulärste Senderwechsel der jüngeren TV-Vergangenheit: Harald Schmidt kehrt zu Sat.1 zurück und legt ab Herbst 2011 seine "Harald Schmidt Show" neu auf. Nach Johnannes B. Kerner und Oliver Pocher bindet der Sender auf der Suche nach einem klaren Image einen weiteren bekannten Kopf an sich. Doch ist das eine gute Idee? MEEDIA-Autoren Jens Schröder und Stefan Winterbauer sind da sehr unterschiedlicher Meinung.

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Es ist eine schlechte Idee, Harald Schmidt zu Sat.1 zurückzuholen!

(von Jens Schröder)

Was haben sich Sat.1-Chef Andreas Bartl und seine Kollegen bloß dabei gedacht? Haben sie allesamt in den vergangenen Jahren keine Schmidt-Show mehr in der ARD gesehen? Den schleichenden Verfall des einst legendären Humors mitverfolgt? Die zunehmende Lustlosigkeit, die auch von dem immer größeren Team aus Nachwuchs-Comedians, das Schmidt um sich schart, nicht aufgehalten werden konnte?

Mit der Verpflichtung des 53-Jährigen holt sich der kriselnde Privatsender nach Johannes B. Kerner und Oliver Pocher das nächste Quoten-Sorgenkind ins Haus. Auch Schmidt wird bei Sat.1 nicht die Erfolge holen, die man sich von ihm verspricht – und die er bis zu seinem Aus 2003 durchaus erzielt hat. Nur noch 1,24 Mio. Fans erreichte Schmidt in der Staffel 2009/10 – ein miserabler Marktanteil von 8,1%. Und: Bei den 14- bis 49-Jährigen, die für Sat.1 so wichtig sind, lockte Schmidt im Ersten nur noch 440.000 an – die 6,2% liegen sogar unter den im Vergleich zu Sat.1 geringen ARD-Normalwerten.

Doch auch abseits der Quoten taugt Schmidt längst nicht mehr als Image- und Hoffnungsträger. Die Zeiten, in denen seine großen Interviews im Spiegel oder angesehehen Tageszeitungen wie eine Droge in den Redaktionen herumgereicht und bewundert wurden, sind längst vorbei. Selbst von seinen ehemaligen Fans wird Schmidt nur noch als älterer Herr wahrgenommen, der seine besten Zeiten hinter sich hat und der offenbar nur noch in ein Fernsehstudio geht, weil er nicht weiß, was er sonst mit seinem Tag anfangen soll.

Per Twitter scherzten einige Leute bereits, ob Schmidt nun Sidekick in der "Oliver Pocher Show" würde. Vielleicht wäre das tatsächlich eine gute Idee – man würde sich zumindest kein weiteres Problem ins Sat.1-Programm holen – wie man es nun mit der Wiederbelebung der "Harald Schmidt Show" tut.

Es ist eine gute Idee, Harald Schmidt zu Sat.1 zurückzuholen!

(von Stefan Winterbauer)

Harald Schmidts angekündigter Wechsel zu Sat.1 ist vor allem eines: Ein Image-Gewinn für den Sender. Niemand der Verantwortlichen bei Sat.1 wird sich im ernst von Schmidt Bomben-Quoten erwarten. Die Verpflichtung passt aber zu der Marschrichtung von ProSiebenSat.1-Vorstand und Sat.1-Chef Andreas Bartl, der dem angeschlagegnen Sender wieder mehr Relevanz verschaffen will.

Da weist die Verpflichtung von Schmidt auf ältere, bessere Sat.1-Tage, als Leo Kirch noch Medienmogul war und Sat.1 von den Schmidt-Freunden Fred Kogel (der seine Sendung weiterhin produziert) und Martin Hoffmann geführt wurde. Auch so muss man die Schmidt-Wechsel lesen: Es ging immer auch darum, mit wem Schmidt an der Senderspitze konnte und mit wem nicht. Mit Kogel und Hoffmann konnte Schmidt sehr gut. Das half dem Sender und Schmidts Sendung. Mit Roger Schawinski, der von Haim Saban als Sat.1-Chef eingesetzt wurde, konnte Schmidt nicht. Nach seiner Auszeit heuerte er wieder bei der ARD an. Wohl nicht zuletzt, weil er sich beim dortigen Programmdirektor Günter Struve gut aufgehoben fühlte.
Der Wechsel hin zu Sat.1 zeigt, dass Schmidt und Andreas Bartl ganz offenbar auch auf einer Wellenlänge sind. Und er zeigt, dass Schmidt mit dem Struve-Nachfolger Volker Herres dies nicht ist. Sonst hätte Schmidt Herres wohl kaum mit seinem Wechsel derart kalt erwischt. Und Pocher? Um den wird sich Schmidt nicht sorgen. Gut möglich, dass die Oliver Pocher Show schon Geschichte ist, wenn Schmidt im Herbst 2011 bei Sat.1 antritt. Mit Pocher verband der Sender die Hoffnung, ein Aushängeschild für die junge Zielgruppe zu gewinnen und gute Quoten zu bekommen. Beides hat sich nicht erfüllt. Stattdessen sorgt Pocher regelmäßig für Negativ-Schlagzeilen, wie zuletzt bei seinem missglückten Auftritt vor dem Kachelmann-Prozess in Mannheim. Von Schmidt wird man sich bei Sat.1 gar keine guten Quoten erhoffen – aber gute Kritiken und einen Image-Gewinn. Für beides  Schmidt mit seinem exaltierten Fernseh-Feuilleton immer noch gut zu gebrauchen. Seine Verpflichtung ist für Sat.1 ein klarer Gewinn.

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