„Hier werden alte Strukturen verteidigt“

Der Protest prallt an der Chefin ab: Ines Pohl lehnt unterschiedliche Gehälter für die taz-Auslandskorrespondenten ab. 14 von ihnen erhielten eine Kündigung und sollen mit einem neuen Vertrag bei gleicher Arbeitsleistung bis zu 28 Prozent weniger verdienen. Gegenüber MEEDIA sagte Pohl: "Für gleiche Arbeit müssen die Redakteure auch gleiches Geld bekommen." Laut einer Verlagsmitteilung nimmt das Auslandsressort "mit 20 Prozent des Gesamtetats den größten Posten im Redaktionsbudget" ein.

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Fakt ist laut Pohl, dass die Auslandskorrespondenten der taz sehr unterschiedliche Honorare beziehen: Manche erhalten nur 77 Cent pro Zeile, andere eine monatliche Pauschale auf Basis von 500, 800 oder 1000 Zeilen á 1,50 Euro. Künftig sollen sie eine einheitliche Pauschale bekommen – die ersten 500 Zeilen werden á 1,50 Euro vergütet und jede weitere Zeile soll mit 89 Cent honoriert werden.
Pohl lehnt unterschiedliche Gehälter ab. Sie sagte: "Hier werden alte Strukturen verteidigt." 20 Jahre seien manche Tarifverträge alt. Aber es könne nicht sein, dass einige Redakteure für die gleiche Arbeit deutlich weniger Geld bekämen. Den Unmut mancher internationaler Korrespondenten könne sie jedoch verstehen und stellte klar: "Natürlich hätte ich die Honorare lieber erhöht, doch das ist mit unserem Etat nicht möglich." Ein Fünftel des Redaktionsbudgets fließt in die Auslandsberichterstattung. Dieses soll nicht angetastet werden.
In einem Youtube-Video protestierten Korrespondenten aus Rom, Kairo, Istanbul und anderen Metropolen dieser Erde gegen die Kündigung und ihre geringeren Bezüge. "Was ist der taz die Auslandsberichterstattung noch wert?", fragten sie und kündigten an, der tageszeitung bis zum Samstag keine Berichte mehr zu schicken. Dann findet eine Genossenschaftsversammlung statt, auf der die Chefredaktion und die Geschäftsführung über die neuen Gehälter entscheiden wollen.
In einer Stellungnahme der taz-Chefredaktion geben Pohl und ihr Stellvertreter Reiner Metzger ein klares Bekenntnis zur Auslandsberichterstattung ab. Sie "bleibt ein Kernbereich unseres redaktionellen Profils. Wir schätzen die fundierte Arbeit unserer AuslandskorrespondentInnen. Immer mehr Zeitungen schließen aus Gründen der Kostenersparnis ihre Büros im Ausland. Die taz hat dagegen von Anbeginn auf eine profilierte Auslandsberichterstattung gesetzt."

Die Chefredakteurin plant zudem den Fokus stärker auf globale, statt europäische Themen zu lenken. "Asien und Afrika spielen eine wachsende Rolle in der journalistischen Berichterstattung." Deshalb sollen sich die "Schwerpunktsetzungen verändern." Weiter heißt es: "Um KollegInnen aufwändige Recherchereisen auch in asiatische und afrikanische Länder zu ermöglichen, brauchen wir frei werdende Mittel."
Um die globalen Themen in der tageszeitung weiter zu stärken, soll in bester "taz-Tradition" ein Verein für "Die FreundInnen der taz-Auslandsberichterstattung" gegründet werden, um so weitere Einnahmequellen zu erschließen.
                                             Hier geht’s zum Video

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