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Wie Bayern ein Ribéry-Interview zensierte

Eigentlich schien das Presse-Problem des FC Bayern München ja eine Sache, die mit dem Ende der Epoche Klinsmann ein Ende fand. Klinsmann hatte durchgesetzt, dass u.a. der Münchner Bild-Reporter Hausverbot bei Pressekonferenzen bekam. Doch bei privaten Eskapaden von Stars kennt auch die aktuelle Führungsspitze kein Pardon und streicht in Interviews weg, was der befragte Sportler offen sagte. Die Welt am Sonntag strich daraufhin das Interview.

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Im Editorial schreibt der Chefredakteur der Welt-Gruppe, Jan-Eric Peters: "Klare Worte hätten Sie auch auf Seite 19 lesen sollen, wir hatten dort ein Interview mit Bundesliga-Star Franck Ribéry vom FC Bayern München geplant. Leider wollte der Verein nicht nur wie vereinbart die Antworten des Spielers autorisieren, er bestand auch darauf, eine Frage unserer Reporterin zu streichen, die Ribéry – im Übrigen ganz unverkrampft – beantwortet hatte. Sie werden verstehen, dass wir uns in Ihrem Interesse keine Interviewfragen diktieren oder löschen lassen und deshalb auf den Abdruck des Gesprächs verzichten. Man wird ja wohl noch fragen dürfen, auch beim FC Bayern München."
Auch die Wochenzeitung Die Zeit machte schon ihre Erfahrungen mit merkwürdigen Autorisierungsgepflogenheiten in der Fußball-Branche. Während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika gab Oliver Bierhoff, Teammanager der Fußball-Nationalmannschaft, der Wochenzeitung ein langes Interview. "Es sollte eines dieser vielen WM-Interviews werden. Es wurde eines, dessen Veröffentlichung der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und er selbst im Nachhinein untersagten. Es hätte zu viel – ‚inhaltlich und sprachlich‘ – geändert werden müssen, lautete eine Begründung des Pressesprechers", schrieb die Zeit später. "Darauf, ob die Fragen des Gesprächs veröffentlicht werden, hat der DFB allerdings keinen Einfluss." Also schritten die Hamburger zu Tat und veröffentlichten die Fragen.
 
Der Erkenntnisgewinn der Fragen wie "Streiten Sie sich eigentlich gerne?" oder "In welcher Situation in den vergangenen sechs Jahren hat Sie Ihr Job am meisten genervt?" war ohne die Antworten allerdings sehr gering. Die Veröffentlichung hatte vor allem die Funktion, auf die Maulkorb-Strategie des Fußballbundes hinzuweisen die eigene Position einmal öffentlichkeitswirksam zu Formulieren. Vor allem letzteres ist aus Sicht der Chefredaktion verständlich und nicht unredlich. Spannend bleibt die Frage, ob ein Zeit-Journalist beim nächsten großen Fußball-Turnier wieder einen Interview-Termin bekommt?
Auch die FAZ berichtete am Samstag unter Headline "Zensurbehörde Bundesliga" in der Printausgabe u.a. vom Fall eines gescheiterten Interviews mit einem wechselwilligen Zweitliga-Fußballer (Dank an Martin Müller für den Hinweis, die Red.) und schreibt dazu: "Während des Interviews weicht der Pressesprecher des Klubs nicht von Mölders Seite. Nach dem Gespräch sagt er, dass der Verein und der Spieler dieses Thema für beendet erklärt haben. Und als Reporter solle man sich nicht wundern, wenn Mölders demnächst nach Spielen nicht mehr mit einem spreche, wenn man so kritische Fragen stelle." Die FAZ weist darauf hin, dass der Verein FSV Frankfurt im Zuge der Autorisierung von sieben Fragen vier kurzerhand strich. Das Blatt sah daraufhin von der Veröffentlichung ab und bemängelt generell die "verknappten und kontrollierten Zugänge für Medien" beim Profi-Fußball bis auf höchste Ebene: "Selbst das Training von Löw zu beobachten, ist kaum mehr möglich." In der Bundesliga gelten schon seit längerem rigide Vorschriften, die Interviews am Spielfeldrand drastisch einschränken und den Vereinen die Auswahl derer überlassen, die sich überhaupt äußern dürfen.
Die FAZ weist auch auf die gängige Praxis hin, dass Knebelverträge auch interview-willige Profis zwingen, die Genehmigung ihrer Vereine einzuholen. Verstöße könnten mit Geldstrafen bis zur Höhe eines Bruttomonatsgehalts geahndet werden. So habe zum Beispiel Schalke 04 verhindert, dass Ex-Nationalstürmer Kevin Kuranyi seinen Wechsel nach Moskau in einem Interview mit FAZ kommentierte.


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