Kai Diekmann vs. Hans Leyendecker

Der 46 Jahre alte Kai Diekmann wird am kommenden Montag der am längsten amtierende Chefredakteur in der Geschichte der Bild-Zeitung sein und damit die legendären Vorgänger Peter Bönisch und Günter Prinz ausgestochen haben. Zur Feier des Jubiläums gab er Hans Leyendecker und Marc Felix Serrao in der Süddeutschen Zeitung ein langes Interview, das sich zum veritablen Schlagabtausch zwischen den Top-Journalisten entwickelte. Sieger nach Punkten am Ende: mal wieder Kai Diekmann.

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"Als Sie Bild-Chefredakteur wurden, lag die Auflage bei 4,5 Millionen. Heute liegt sie noch knapp über drei Millionen. Sieht so Erfolg aus?", fragt die SZ. Diekmanns Konter: "Wenn Auflage der wichtigste Maßstab für ökonomischen Erfolg wäre, dann hätte die SZ mit ihrer stabilen Auflage im vergangenen Jahr wohl kaum neun Millionen Euro Verlust gemacht. Bild hingegen erzielt Jahr für Jahr Rekordergebnisse – und wir müssten in diesem Jahr wirklich noch alles falsch machen, um zu verhindern, dass auch 2010 wieder das beste Jahr der Bild-Geschichte wird."
Zack. Das hat gesessen. Bei der Süddeutschen Zeitung war man sich offenbar bewusst, wen man da zum Interview vor sich hat. Nicht umsonst wurden gleich zwei versierte SZ-Redakteure aufgeboten, um den wortgewandten Bild-Chef zu befragen. Einer von beiden gar Hans Leyendecker, investigatives Aushängeschild der SZ, der Diekmann und die vom ihm geführte Bild in der Vergangenheit schon mehrfach scharf kritisiert hat. Die Bild-Zeitung unter Diekmann gleiche einem blank gewienerten Kriegsschiff, auf dem ein haufen alerter Jungoffiziere herumrenne, die mehr oder weniger wahllos auf Knöpfe drückten und nicht so genau wüssten, was sie da anrichten, schrieb Leyendecker mal sinngemäß.
Im direkten Schlagabtausch zeigte sich nun, dass Diekmann auch für Leyendecker kaum zu fassen ist. Beim Thema journalistische Methoden landet der Bild-Chef einen Treffer: Es geht um den Artikel im SZ Magazin ‚Wer hat Angst vor Jörg Kachelmann?‘ Diekmann dazu: "Ich las das und dachte nur: Hallo? Wir sind Bild, nicht Ihr!" Leyendecker/Serrao fiel dazu nur die schwache Replik ein, dass das SZ Magazin nicht unter der Verantwortung der SZ-Chefredaktion erscheine und dass der Artikel auch im eigenen Hause umstritten war.
Ansonsten rieb Diekmann der SZ noch ihre Vorliebe für Britney Spears auf der Panorama-Seite unter die Nase und die Geschichte, als die SZ einen Artikel über eine angebliche Affäre zwischen Sandra Maischberger und Gerhard Schröder brachte. Der Verweis der Interviewer, dass man ja nur berichtet habe, dass diese angebliche Affäre von einem englischen Boulevardblatt in die Welt gesetzt worden sei, wollte auch nicht so recht zünden. Die SZ solle froh sein, dass Bild keine eigene Medienseite hat, höhnte Diekmann.
Am Ende schien dann sogar den anfangs eifrigen SZ-Interviewern ein bisschen die Lust zu vergehen, sich von Diekmann vorführen zu lassen. "Haben Sie Feinde, Herr Diekmann?" fragten sie. Diekmann antwortete, er sei harmoniesüchtig. Feindschaften pflege er nicht. Darauf die SZ gewitzt: "Freundschaften schon." Darauf Diekmann: "Werde ich jetzt endlich mal nach Helmut Kohl gefragt?" Der Bild-Chef wurde schon oft für seine Nähe zum Altkanzler Kohl kritisiert, war auch Trauzeuge bei dessen zweiter Hochzeit. Aber die SZ entgegnete nur müde: "Nein, heute nicht." Diekmann: "Schade." Am Ende des Interview-Schlagabtauschs stand Diekmann mal wieder als Punktsieger da. Das haben sich die SZ-Redakteur womöglich anders vorgestellt. 

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