„Heuschrecke“ Montgomery am Ende

Am Ende war es ein eher peinlicher Kampf um Begriffe: Als "planned retirement" wollte David Montgomery seinen Rückzug aus dem von ihm gegründeten Medienkonzern Mecom verstanden wissen, während jeder wusste, dass die drei größten Anteilseigner den Vorstandschef gezwungen hatten. Damit dürfte die Medienkarriere Montgomerys, der in Deutschland als "Heuschrecken"-Investor beim Verlag der Berliner Zeitung Aufsehen machte, am Ende sein.

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Schon nach der in den Medien lancierten Absicht dreier Mecom-Investoren, Montgomery aus dem Amt zu drängen, war der Börsenkurs des in England, Skandinavien und den Niederlanden starken Konzerns spürbar angestiegen. Die Aktie war immer der eigentliche Maßstab des gelernten Journalisten Montgomery, und sie war sein größtes Problem: Um 97 Prozent hatte das Papier an Wert verloren, trotz aller Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen im Unternehmen. Erst mit dem Abtritt des Lenkers ging es ein paar Prozent bergauf.
Bereits der Verkauf des Berliner Verlags (mit Tip, Hamburger Morgenpost und anderen) an DuMont Schauberg im Jahr 2009 hatte Montgomerys kreditfinanziertes Imperium kurz vor dem Einsturz gerettet. Das Deutschland-Abenteuer des vormaligen Boulevard-Chefredakteurs war nicht nur wirtschaftlich fatal, es machte ihn auch zum liebsten Feindbild der Medienszene. Teils zu Recht, wegen blindwütiger Sparvorgaben und eines kaltschnäuzigen Stils, teils aber auch stellvertretend – schließlich haben andere Verlage in der Krise ähnlich gehandelt, ohne derart angegriffen zu werden.
Favorit für die Nachfolge des 61-Jährigen scheint Patrick Tillieux zu sein, der als TV-Manager bei der Senderkette SBS bekannt wurde, ehe diese von den Eigentümern der Gruppe ProSieben Sat1 zugeschlagen wurde.
Montgomerys Abgang erfolgt offiziell zum Jahresende. Der Guardian warnt frohlockende Feinde des gescheiterten Moguls: "Ihn abzuschreiben, war schon immer ein Fehler."

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