Die dürre Abschieds-Mail der Focus-Chefs

Sag zum Abschied leise Servus: Via Rundmail an die Mitarbeiter ("Liebe Kolleginnen und Kollegen") verabschiedeten sich die beiden Focus-Gründungsgeschäftsführer Frank-Michael Müller und Helmut Markwort am Mittwoch aus ihrem Amt. In den Postfächern vieler Redakteure und Verlagsangestellte zappelten zu diesem Zeitpunkt bereits Newsletter mehrerer Mediendienste, die vermeldeten, dass Philipp Welte zum 1. Oktober alleiniger Chef des Burda-Magazins wird. Der Verlag bestätigte dies ungewollt verspätet.

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Im O-Ton liest sich die Mail der Geschäftsführer so: "Liebe Kolleginnen und Kollegen, Helmut Markwort und ich möchten Sie darüber informieren, dass wir zum 30. September 2010 die Geschäftsführung der FOCUS Magazin Verlag GmbH an Philipp Welte abgeben werden. Mit besten Grüßen Helmut Markwort Frank-Michael Müller." Eine Erklärung, die vielleicht deshalb so dürr ausfällt, weil der Personalwechsel alles andere als geordnet kommuniziert wurde.
Eigentlich sollte die Nachricht am morgigen Donnerstag zeitgleich mit dem Erscheinen der Printausgabe des Branchendienstes Horizont bekannt gegeben werden. Das Blatt widmet sich in einer Titelstory den Plänen von Philipp Welte, der nun auch im Reich des Ersten Journalisten Helmut Markwort der starke Mann wird. Dazu zählt neben der Focus-Gruppe auch die Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße. Bereits am Mittwochmorgen versendete der Frankfurter Dienst eine Teaser-Mail mit dem Ankündiger "Philipp Welte übernimmt bei Focus das Kommando".
Damit auch jeder weiß, was am Donnerstag das Thema sein wird, legt Horizont um 13.11 Uhr mit einem "Newsflash" nach, in dem Konkreteres zu lesen ist: "Am 1. Oktober verabschiedet sich das langjährige Erfolgsduo Helmut Markwort und Frank-Michael Müller aus dem Focus Magazin Verlag und macht den Weg frei für Burda-Vorstand Philipp Welte, der selbst die operative Verantwortung übernimmt. Die erste einschneidende Maßnahme von Welte steht schon fest: Der Focus Magazin Verlag und die Hamburger Verlagsgruppe Milchstrasse werden unter einem gemeinsamen Dach zusammengefasst. Arbeitstitel für die noch zu gründende Unit: Burda News Group."
Spätestens da schien es offenbar an der Zeit, dass auch die vom Wechsel direkt Betroffenen offiziell unterrichtet werden, zumal nun Kress.de unter Berufung auf Horizont berichtet und Philipp Welte zitiert: "Wir schaffen eine Gruppe mit einem gemeinsamen Marketing und einer integrierten kaufmännischen Struktur." Im Burda-Newsroom ist davon bis zum frühen Abend nichts zu lesen, dort ist die 16. Verleihung der Goldenen Henne Spitzenmeldung, auch auf der Homepage des Medienhauses herrscht in der Sache Stillschweigen. Es ist ja erst Mittwoch.
Nachtrag, 18.18 Uhr: Inzwischen hat Burda reagiert und eine Meldung online gestellt und getwittert.
Nachtrag, 19.48 Uhr: Nach Informationen von MEEDIA war die mehrstündige "Sendepause" auf den Online-Nachrichtenportalen des Verlagshauses dadurch begründet, dass nach der voreiligen Horizont-Blitzmeldung zunächst alle betroffenen Mitarbeiter informiert werden sollten, bevor Burda nach außen Stellung bezieht. Dies war offenbar aus einem einfachen Grund nicht möglich: Der Geschäftsführer eines wichtigen Unternehmensbereichs war zum Zeitpunkt der Horizont-Veröffentlichung nicht erreichbar – er saß in einem Flieger und konnte so erst später seine Mannschaft vom Wechsel an der Spitze unterrichten.

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