Österreich: Krone im Sumpf der Politik

Gute Beziehungen zum Bundeskanzleramt unterhält die Krone, Österreichs größte Boulevardzeitung, möglichst immer, und zwar unabhängig von dessen jeweiliger Besetzung. Zur aktuellen SPÖ-Regierung scheinen die Drähte aber besonders kräftig zu sein. Die Tiroler Tageszeitung publiziert jetzt eine Mail, die Kanzler-Sprecherin Angelika Feigl an die Kollegen der SPÖ-Ministerien und die Parteizentrale schickte: "Liebe Kollegen! Hat jemand ein Thema für die Krone heute?"

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Die Beziehungen zwischen der Krone und Regierungschef Werner Faymann beschäftigen die Republik schon länger: Faymann war ein treuer Begleiter und Freund des im Juni verstorbenen Krone-Herausgebers Hans Dichand. Der Parteivorsitzende der Sozialdemokraten musste sogar Gerüchte zerstreuen, er habe den 40 Jahre älteren Medienpatriarchen Dichand "Onkel Hans" genannt; dies sei "Unsinn".
Dichand konzipierte die Kronen Zeitung, die in Österreich der Marktführer unter den Boulevard-Blättern ist und im Volksmund nur die Krone genannt wird. Nach eigenen Angaben erreicht das Boulevard-Blatt mit seinen knapp drei Millionen Lesern rund 43 Prozent aller Österreicher.

Der Standard schrieb über den Journalisten, der Mitte Juni verstarb: "Dichand hatte nicht nur die auflagenstärkste Zeitung Österreichs, sondern auch die heimische Politik über weite Strecken fest im Griff". Weiter heißt es: "Legendär sind seine Kampagnen sowie sein Einfluss auf die politische Landschaft Österreichs."
Nach Angaben der konkurrierenden Tiroler Tageszeitung, die sich an der Mail-Geschichte erkennbar vergnügt, hat Sprecherin Feigl auch familiäre Beziehungen zur Krone. Dennoch erhielt sie, nach eigenen Angaben, auf die Mail vom 18. August keine Antwort.
Zugleich will Feigl der freundlichen Unterstützung das Skandalöse absprechen: So etwas gehöre zu ihrem Job, sie würde "dies auch für andere Medien machen." Warum sie den mutmaßlichen Weitgeber der Mail trotzdem als "Verräter aus den eigenen Reihen" brandmarkt, bleibt im Dunklen.

Die Story-Fahndung innerhalb der Regierung blieb an dem entsprechenden Augusttag allerdings erfolgslos. Denn das Boulevard-Blatt machte dann mit "Die Krone auf der Spur Kulterers" auf.

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