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Im Check: die iPad-Apps der Verlage

Als Heilsbringer der Verlagswelt wurde das Tablet angepriesen. Nach dem Verkaufsstart in Deutschland taten sich die Verlage noch recht schwer, ihre Produkte auf das iPad zu bringen. Lediglich Springer drückt ordentlich aufs Tempo und bietet mit dem Iconist sogar ein Magazin exklusiv für das Apple-Gerät an. Andere Verlage ziehen langsam nach: Die neue Holtzbrinck-App liefert seit einigen Tagen die Inhalte von Zeit und Zeit Online aufs iPad und markiert einmal mehr das Ende der Gratis-Apps. Ein Überblick.

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Zeit & Zeit Online
Die Familie der nachrichtlichen iPad-Apps hat Zuwachs bekommen. Den hat der Holtzbrinck-Verlag allerdings auch sehr lange mit sich herumgetragen. Während die Mitbewerber ihre iPhone-Apps auf dem Markt positionierten und erste iPad-Apps launchten, wurde hinter den Kulissen von Zeit Online programmiert. Das Ergebnis ist "Zeit Online plus", eine App für das iPhone und das iPad.

Das Alleinstellungsmerkmal: User können direkt in der App kommentieren. Das konnte bisher keine andere. Das Herzstück des Angebots ist die E-Paper-Version der aktuellen Ausgabe der Zeit. Die Wochenzeitung kann wahlweise als Pdf oder in einem speziell aufbereiteten Lesemodus abgerufen werden. Für das geballte Zeit-Paket verlangt Holtzbrinck auch seinen Obulus: Im Preis von 4,99 Euro (nach der Einführungsphase dann 8,99 Euro) sind vier Ausgaben der gedruckten Zeit und der Zugriff auf das Angebot von Zeit Online enthalten.

Welt

Der Look der Welt-iPad-App erinnert stark an die gedruckte Ausgabe. Während Welt Online nach dem Relaunch sehr einer Social-Web-Seite gleicht, orientiert sich das Layout der App stark an der Print-Optik. So landet der User zu Beginn auch auf einer klar strukturierten Titelseite mit den Hauptthemen und den Bildern des Tages. Wie bei einer herkömmlichen Zeitung kann horizontal durch die Seiten geblättert werden.

Wer direkt zu seinem Lieblingsressort springen möchte, wählt den Weg über das Navigationsmenü. Als Leser können Sie zwischen drei Schriftgrößen wählen, Bildergalerien durchblättern und Videos anschauen. Die digitale Zeitung erscheint vier Mal täglich, bei Großereignissen auch häufiger, sozusagen als Extrablatt. Bonus für iPad-User: Im Ressort "Welt Reporter" berichten Korrespondenten exklusiv für die App. Eine andere Seite widmet sich dem Lauf der Geschichte. Hier schreiben Autoren exklusiv über Ereignisse der Zeitgeschichte. Die iPad-App kann die ersten 30 Tage kostenlos getestet werden. Danach kostet sie monatlich 11,90 Euro.

The Iconist
"The Iconist" ist ebenfalls ein Projekt der Welt-Gruppe. Mit dem Unterschied, dass es das erste deutsche Magazin ist, das exklusiv für das iPad entwickelt wurde. Hier dreht sich alles rund um die Themen Lifestyle, Mode, Luxus, Gesellschaft. "The Iconist" ist eine elektronische Variante der monatlichen WamS-Printbeilage "Icon", erscheint zunächst quartalsweise und ist für 4,99 Euro pro Ausgabe verfügbar.

Das Layout ist hochwertig, erinnert aber stark an ein Magazin.
Die Produktion der Inhalte sowie die technische Anpassung haben einen dem Vernehmen nach mittleren fünfstelligen Etat erfordert. Für das in Sachen Tablet besonders experimentierfreudige Berliner Medienhaus ist dies als Anschubfinanzierung zu verstehen, als Wette auf die Zukunft. So werden beim Iconist viele Register gezogen: Neben Texten und Fotos gibt es Video-Einspieler. Nutzer, denen das Lesen zu anstrengend ist, können sich die Schilderungen der Autoren auch als Audio-Podcast zu Gemüte führen.

iKiosk
Zwei iPad-Apps scheinen Springer nicht zu reichen. Beim Thema Tablet geht der Verlag konsequent voran: Mit der App iKiosk haben User die Möglichkeit, die jeweils neueste Welt, Welt kompakt und Welt am Sonntag auf dem iPad zu lesen.

Allerdings nur als Pdf-Version. Neben den "Welt"-Titeln stellt der Springer-Verlag auch die Bundesausgabe sowie verschiedene Regionalausgaben der "Bild", die "Bild am Sonntag", das "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost zur Verfügung. Mittels einer Zwei-Finger-Zoom-Funktion lassen sich auch die kleinen Meldungen am Rand groß auf dem Screen abbilden. Die digitalen Ausgaben der Welt-Marken sind als monatliches Abonnement ab 7,99 Euro verfügbar.

N24
Die App von N24 erinnert stark an den kleinen Bruder der iPhone-App. Neben klassischen Nachrichtenbeiträgen bietet die App kostenlos ein umfangreiches Angebot an Videoinhalten und Bildergalerien. Über den Button "Ressort" bekommt der User per Fingerdruck die aktuellsten Meldungen der Ressorts "Top News", "Politik", "Wirtschaft", "Panorama", "Multimedia", "Sport" und "Auto" geliefert.

Jeder Artikel kann anschließend geöffnet und bequem im Vollbild gelesen werden. Wie bei allen iPad-Apps funktioniert das sowohl im Hoch- als auch im Querformat. Den Artikeln sind passende Videos beigefügt, die auf der Seite im Player abgespielt werden können. Zudem kann der Nutzer die News-Artikel auf Wunsch bequem an Freunde und Bekannte senden oder bei Facebook veröffentlichen.

Focus Online

Die Startseite der iPad-App von Focus Online bietet in drei separaten Modulen neueste Nachrichten, aktuelle Videos und die vertiefenden Inhalte der Ressorts. Ein nettes Feature ist die integrierte Suchfunktion, die auf das gesamte Archiv von Focus und Focus Online zugreift.

Wie auch bei der N24-App lassen sich Artikel in unterschiedlichen Schriftgrößen anzeigen und via E-Mail, Facebook oder Twitter zu verbreiten. Über den Button „Inhalt“ am Fuß jeder Seite kann man einfach zu den Nachrichten aller Ressorts springen. Optimiert für das iPad lassen sich aktuelle Politik- oder Börsenvideos im Breitbildmodus ansehen. Die App ist kostenlos.

Spiegel
Die Spiegel-App setzt verstärkt auf ein multimediales Angebot. Eine einzelne Spiegel-Ausgabe kostet über den iTunes-Store 3,99 Euro. Ist das aktuelle Heft heruntergeladen, können Sie durch die Texte blättern oder per Fingerbewegung Bilder und Grafiken vergrößern. Das Inhaltsverzeichnis öffnet sich durch leichtes Antippen. Oder Sie navigieren per Artikelflow durch die gesamte Ausgabe. Klug gelöst: Artikel aus dem Magazin sind mit dem aktuellen Nachrichtenangebot von Spiegel Online verbunden. Unter den Texten finden sich teilweise Links auf Themenseiten des Online-Angebots.

Alte Magazine lassen sich unbegrenzt auf dem Gerät verwalten. Vor allem Titelgeschichten sind gespickt mit zusätzlichem Content. Das können Video-Interviews mit Protagonisten, Audiobeiträge oder Infografiken sein.

Vogue
Die Vogue ist die erste App einer Fashion-Zeitschrift in Europa. Die tagesaktuelle Anwendung ist eine Verschmelzung von eigens für die App produzierten Inhalten sowie Artikeln aus dem Magazin. Über eine horizontal Navigation lassen sich die Bereiche "News", "Themen" und "Trends & Shows" ansteuern. Die App bietet in opulenter Optik Tipps, Trends und Nachrichten aus Mode, Beauty, Kultur, Lifestyle und Gesellschaft.

Zudem werden ausgewählte Auszüge aus der Printausgabe, wie Interviews mit Stars und Designern oder Fotoproduktionen, aufgeführt und mit Bildern und Videos, angereichert. Darüber hinaus bietet die App Slide-Shows verschiedener Laufsteg-Impressionen. In der Startphase ist die App noch kostenlos erhältlich. Wie viel sie danach kosten wird, ist noch nicht bekannt. International gilt Condé Nast Verlag als einer der Vorreiter in der Entwicklung von Medien-Apps für die neuen mobilen Endgeräte. So sind in den USA bereits Apps für Vanity Fair, GQ und Style.com erhältlich. Die iPad-App des Technologie-Ablegers Wired gilt dabei als eine der erfolgreichsten Medienanwendungen für den neuen Tablet-Computer. Allein am ersten Tag zählte die App 24.000 Mal Downloads, was einen Umsatz von 120.000 Dollar an einem Tag bedeutete.
Brand Eins
Mit Videos oder sonstigen Multimedia-Content lockt Brand Eins auf dem iPad nicht. Dafür behält das Magazin auch auf dem Tablet seinen Charme, zurückgenommen und elegant.

Die App selbst ist kostenlos, allerdings muss man zahlen, um die Inhalte auf den Schirm zu bekommen. Der Preis ist mit 6,99 Euro etwa zehn Prozent günstiger als die Printausgabe (7,60 Euro).
Zinio: Riesiges Kiosk, aber keine deutschen Inhalte
Der digitale Zeitschriftenvertrieb Zinio hat seine kostenlose App auch für Apples iPad veröffentlicht. Mit Zinio lassen sich digitale Zeitungen und Zeitschriften problesen, kaufen und beliebig oft herunterladen. Auch am größten Kritikpunkt wird derzeit gearbeitet: Die 2.500 erhältlichen Magazine stammen alle aus dem Ausland, deutschsprachiger Lesestoff ist mehr oder weniger Fehlanzeige. Gespräche mit deutschen Verlagen sind angeblich schon geführt worden.

Dabei bietet die App die nötige Vertriebsstruktur. Über die Zinio-Unity-Leseplattform können Leser unter dem Motto „Pay-once-read-anywhere“ Einzelexemplare einmalig kaufen oder Top-Magazine aus der ganzen Welt abonnieren und dann plattformübergreifend auf dem iPad, iPhone, PC oder Mac beliebig oft aufrufen.
Pulse: RSS mit Zeitungsflair
Auf seiner Keynote auf der World Wide Developer Conference, der Hausmesse von Apple, stellte Steve Jobs einige Apps für das iPad vor. Darunter auch den Pulse RSS Reader. Kurz danach wurde die App aus dem App Store genommen, weil die New York Times sich beschwert hatte. Der Grund: Den Verantwortlichen gefiel nicht, dass Pulse Werbung damit machte, dass man kostenlos die New York Times lesen kann. Mittlerweile ist die Pulse aber wieder erhältlich.

Pulse ist ein RSS News Reader fürs iPad (Preis: 2,99 Euro). Das Besondere: Wie bei jedem RSS Reader gibt man die entsprechenden Feeds ein, allerdings werden sie optisch ansprechender aufbereitet als bei der Konkurrenz. In der Übersicht werden die Bilder aus den verschiedenen Artikeln übernommen und zusammen mit der Überschrift angezeigt. Man bewegt sich durch die verschiedenen Feeds, indem man vertikal scrollt, durch die einzelnen Artikel, indem man horizontal scrollt. Tippt man auf ein Bild, öffnet sich der Artikel. Die Schriftgröße lässt sich beliebig einstellen, Artikel können an Freunde gemailt oder via Facebook und Twitter verteilt werden.

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