Apples Ping: Potenzial oder eindimensional?

Keine andere Produktneuheit von Apples Presse-Event vergangener Woche polarisierte so sehr wie die vermeintlich unwichtigste – das Musik-Netzwerk Ping. Das Echo geht weit auseinander: Für die einen ist es "ziemlich schlecht" (Spiegel Online), andere bescheinigen Ping "ein großes Potenzial" (Alley Insider). Fest steht zumindest: Bereits nach zwei Tagen haben sich eine Million Apple-Fans angemeldet. Das vermeintlich interessanteste Profil bekommen sie indes nicht zu sehen: Steve Jobs will keine Freunde haben.

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Keine andere Produktneuheit von Apples Presse-Event vergangener Woche polarisierte so sehr wie die vermeintlich unwichtigste – das Musik-Netzwerk Ping. Das Echo geht weit auseinander: Für die einen ist es "ziemlich schlecht" (Spiegel Online), andere bescheinigen Ping "ein großes Potenzial" (Alley Insider). Fest steht zumindest: Bereits nach zwei Tagen haben sich eine Million Apple-Fans angemeldet. Das vermeintlich interessanteste Profil bekommen sie indes nicht zu sehen: Steve Jobs will keine Freunde haben.

Es war nicht mal diese eine Sache: Plötzlich machte es ‚Ping’ im Yerba Buena Center in San Francisco – und Apple hatte auch ein Social Network. Eingebettet in die neue Version von iTunes wurde das Feature ganze fünf Minuten abgefeiert, ehe Apple-CEO Steve Jobs nach den neuen iPods den anderen großen Coup des Abends präsentierte: Das überholte Apple TV.

Trotzdem kannten die Technologie- und Medienblogs nach der knapp eineinhalbstündigen Präsentation nur ein Thema: Die Verwunderung über Ping. Schon der Name irritiert: Ping klingt zum Verwechseln ähnlich wie Bing, der Microsoft-Browser. Und: Wie bitte? Apple, das bekanntermaßen bisher nicht gerade durch Online-Dienste aufgefallen ist, startet ein Social Network? Mehr als sechs Jahre nach dem Debüt von Facebook und sieben nach dem Musik-Netzwerk MySpace, das sich klar auf dem absteigenden Ast befindet, fängt Apple auch an zu „socialen“?

Angriff auf MySpace?

Genau jener Angriff auf die schwächelnde News Corp-Tochter gefiel dem Technologie-Portal „Alley Insider“: „MySpace sollte große Angst haben, Bands werden ihren Shop künftig einfach bei Ping einbinden und können ihre Musik direkt an Legionen treuer Follower verkaufen“, so das vom früheren Internetaktien-Analysten Henry Blodget geführte Technlogie-Portal, dem Ping dann auch zunächst „ziemlich gut“ gefällt und das „großes Potenzial“ sieht. „Apple greift nicht Facebook an, sondern hat sich einen schwachen Nischen-Player ausgesucht“, so der „Alley Insider“.

Bei Spiegel Online ist man dagegen weniger euphorisch gestimmt. „ Apple? Hat jetzt Ping. Aber das könnte sich als zu wenig, zu spät erweisen“, urteilt Internet-Redakteur Christian Stöcker, der zuvor feststellte: „Ping braucht kein Mensch – außer Steve Jobs“.

Eine Million Ping-Nutzer in 48 Stunden

In der Praxis ist Ping vor allem eines: Eine Fingerübung zum Nulltarif. Ping kostet nichts: weder den User, für den die Community als Zusatz-Feature von iTunes 10 angeboten wird, noch Apple, das eine überschaubare Anzahl an Programmierern an die iTunes-Community angesetzt haben dürfte.  

Dafür ist das Potenzial tatsächlich ungleich höher: Apple besitzt über iTunes eine 160 Millionen Mitglieder starke Nutzerschaft, die Ping mit ein paar Klicks aktivieren kann. Das taten bereits eine Million in den ersten 48 Stunden, wie Apple gestern bekannt gab. Oder im PR-Sprech formuliert: "Ein Drittel aller Nutzer, die iTunes 10 heruntergeladen haben, sind Ping beigetreten", durfte Eddie Cue, Vice President Internet Service von Apple, erklären. "Da in den nächsten Wochen mehr und mehr Anwender iTunes 10 herunterladen werden, erwarten wir ein kontinuierliches Wachstum der Mitglieder in Ping."

Apples Aufbruch in den Social Commerce

Die Rechnung ist einfach: Ping ist ein zusätzliches Verlockungsmittel, um die Verkäufe bei iTunes anzukurbeln. Nicht, dass das nötig wäre: 10 Milliarden Songs wurden alleine bis Ende Februar heruntergeladen. Zudem behauptet das Kultunternehmen aus Cupertino, an den Downloads die zwischen 69 Cent und 1,29 Dollar / Euro angeboten werden, nicht wirklich etwas zu verdienen – was allerdings so nie nachgewiesen wurde.

So ist Ping in erster Linie ein smart eingebettetes Vermarktungstool für das Unternehmen selbst, das seine Nutzer noch besser kennenlernt, um ihnen noch gezielter (Kauf-)Vorschläge unterbreiten zu können – heute Musik-Downloads, morgen Filme- und TV-Serien, übermorgen wahrscheinlich Apps. Wenn Apple den enorm boomenden Applikations-Markt tatsächlich auf diese Weise noch stärker vernetzen könnte, wäre der Coup perfekt. Social Commerce nennt man den wohl im Social Media-Sprech.

Eindimensionales Ping: Kein Vergleich zu Facebook oder Twitter

So richtig zweinullig kommt Ping aber bisher nicht daher. Ping ist kein wirklich offenes Social Network, sondern auf iTunes-Nutzer beschränkt, die zum Start erstaunlich wenig Auswahl- und Interaktionsmöglichkeiten haben: Gerade mal 11 Künstlern konnte man am Mittwoch nach dem Launch folgen – 31 sind es heute, darunter die unvermeidliche Lady Gaga, Shakira, Jack Johnson, Coldplay oder U2.

Die Künstlerseiten sind den Fanpages auf Facebook nur in ihrem eigentlichen Zweck überlegen – nämlich, dass man die betreffenden Songs gleich bei iTunes herunterladen kann. Die Aktivitäten auf Ping sind Facebook natürlich nachempfunden, dann aber auch weitgehend eingeschränkt: Songs kann man „Liken“, aber nicht auf dem Profil anderer Mitglieder teilen.

Und auch gegenüber dem Mikroblogging-Dienst Twitter fallen Beschränkungen auf: Tweets (bzw. Status-Updates wie bei Facebook) können keine verfasst werden, und bevor man einem Profil folgt, muss sich der Nutzer die Einwilligung des Mitglieds einholen – was beim Apple-CEO bizarrerweise gar nicht möglich ist. So macht man sich keine neuen Freunde. Aber darum ist es Steve Jobs bekanntermaßen noch nie gegangen. 

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