Palastrevolution bei Wikileaks

Julian Assange steht als Galionsfigur der Whistleblower-Plattform Wikileaks zunehmend unter Druck. Andere Mitarbeiter fordern ihn mittlerweile auf, seine Ämter und Funktionen bei Wikileaks abzugeben, bis die Vergewaltigungs-Vorwürfe in Schweden geklärt sind. Die schwedische Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den Wikileaks-Vordenker vor kurzem wieder aufgenommen. Nächsten Monat soll es sogar ein Treffen geben, bei dem über die künftige Rolle von Assange bei Wikileaks debattiert wird, berichtete Newsweek.

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Namentlich hat sich die isländische Parlamentarierin und Wikileaks-Aktivistin Birgitta Jonsdottir zur Kritik an Assange bekannt. “Die Situation ist klar außer Kontrolle geraten. Seine persönlichen Angelegenheiten sollten nichts mit Wikileaks zu tun haben. Ich habe ihn dringend gebeten, sich auf seine rechtlichen Angelegenheiten zu konzentrieren und andere Leute die Fackel für eine Weile tragen zu lassen”, sagte Jonsdottier der Website “The Daily Beast”.

Hintergrund des Ärgers ist eine Anzeige zweier Frauen gegen Assange wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Schweden. Die Anzeigen wurden Ende August zunächst als unbegründet zurückgewiesen, mittlerweile hat die schwedische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aber wieder aufgenommen.

Assange hatte in Interviews und über den Twitter-Feed von Wikileaks die Anschuldigungen schnell als “schmutzige Tricks” und Teil einer “Schmutz-Kampagne” gegen seine Person und Wikileaks bezeichnet. Er erweckte dabei den Eindruck, als handle es sich um eine Verschwörung des Pentagon, um ihn und Wikileaks öffentlich zu diskreditieren. Kurz darauf distanzierte sich bereits der deutsche Wikileaks-Sprecher mit dem Pseudonym Daniel Schmitt von Assanges eiliger Verschwörungstheorie. “Wir müssen vermeiden, Sachen hochzubauschen, die faktisch nicht belegbar sind", sagte Schmitt.

Die Wikileaks-Aktivistin Jonsdottir wird noch deutlicher. “Ich habe das nie als eine Verschwörung angesehen”, sagte sie “The Daily Beast”. Sie habe die schwedische Polizeiakte zu den Anschuldigungen gegen Assange gelesen und schnell erkannt, dass die Ermittlungen nicht Teil irgendeiner Art westlicher Verschwörung gegen Wikileaks seien.

Von namentlich nicht genannten Wikileaks-Mitarbeitern wird zudem behauptet, dass Server-Ausfälle der jüngeren Zeit ebenfalls eine Art von internem Protest gegen Assange gewesen seien. “Das war eine Botschaft an Julian, dass er seine Lage überdenken soll”, wird eine anonyme Quelle bei Wikileaks von “The Daily Beast” zitiert. Es gärt etwas bei Wikileaks und die Ursachen liegen offenbar weniger im Pentagon als in der hierarchischen Organisation der Plattform. Gut möglich, dass einige der bislang namenlosen Wikileaks-Aktivisten keine Lust mehr haben, dass Assange stets alleine im Rampenlicht steht.

Birgitta Jonsdottir sagte “The Daily Beats” noch, dass sie sich vorstellen kann, dass die Anschuldigungen gegen Assange auf einem “kulturellen Missverständnis” beruhen. “Julian ist in vielen Dingen brillant aber seine sozialen Kompetenzen sind nicht sehr gut.” Er sei halt auch in dem Sinne ein typischer Australier, als er auch “ein bisschen ein männlicher Chauvinist” sei, so Jonsdottir. Eine bemerkenswerte Aussage über jemanden, den sie kurz zuvor noch als Freund bezeichnet hat. Es scheint, als ob Wikileaks das Pentagon für eine Schmutz-Kampagne gar nicht braucht.

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