Panfu: „Quengelfaktor“ als Erfolgsgeheimnis

Immer mehr und immer jüngere Kinder entdecken das Web. Social Games für Kids und Teenies gehören deshalb zu den großen Netz-Trends. Und dort, wo neue Online-Märkte entstehen, sind die Samwer-Brüder nicht weit. Wenig überraschend also, dass auch sie in das Lern- und Spiel-Portal Panfu.de investiert haben. Mit rund 15 Millionen jungen Mitgliedern gehören die Berliner zu den größten europäischen Spezial-Angeboten für Kids. Am heutigen Montag übernimmt Verena Delius den CEO-Posten. Ihre Pläne: Mehr Angebot für Vorschulkinder und viele neue Social Games.

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"Neben unserem bisherigen Angebot für 6- bis 14-Jährige, bin ich davon überzeugt, dass Angebote für 3- bis 6-Jährige noch einen großen Wachstumsmarkt darstellen", erklärt Delius ihre Pläne. Abgerechnet würden solche neuen Services dann über eine sogenannte Flatfee. Heißt: Einmal zahlen, immer spielen. Der neuen Chefin ist allerdings wichtig, dass die Spiele für solch eine junge Zielgruppe stets mit dem pädagogischen Ziel verbunden sind, dass auch die Medienkompetenz der Kindergarten- und Vorschulkinder geschult wird.

An dieser Stelle kommt der alte Job der 31-Jährigen durch. Bei Scoyo arbeitete die Mutter von zwei Jungs (vier Monate und 2,5 Jahre) als Head of Sales. Das Bertelsmann-Startup hatte sich vehement auf die Fahnen geschrieben die Medienkompetenz seiner minderjährigen Kunden zu stärken und trotzdem Geld als Lernplattform zu verdienen. Der Plan ging nur bedingt auf. Die Geschäftsentwicklung erreichte nicht die ursprünglichen Erwartungen und so wurde das Scoyo-Team kräftig reduziert und an das Edutainment-Angebot an Super RTL weitergereicht.

Die Berliner Plattform Panfu.de, bei deren Mutter-Company Young Internet GmbH Deluis nun anheuert, ist ein komplexes 2D-Multiplayer-Online-Spiel, in dem Kinder spielen, lernen und chatten können. "Neben speziellen Onlinespielen für Mädchen können die Kinder außerdem spielerisch Englisch lernen und sich um ihr virtuelles Haustier kümmern", heißt es auf der Webseite. "Jedes Kind kann in Panfu seinen eigenen Panda individuell stylen, sein Baumhaus einrichten und dekorieren. Kreativität wird bei Panfu besonders gefördert."

Wie bei fast allen Kinder-Angeboten setzen auch die Berliner zur Finanzierung auf ein Freemium-Model, also einen Mix aus Frei und Premium. Die Basisversion ist kostenlos. Es gibt jedoch auch einen Premium-Zugang, der gewisse Privilegien mit sich bringt. So ist es dann möglich, Kleidung zu kaufen, Haustiere zu halten oder das eigene Baumhaus zu dekorieren. Der Abo-Preis liegt bei einer zwölfmonatigen Mitgliedschaft bei 3,90 pro Monat.

Dieses System scheint bestens zu funktionieren. Denn seit Januar 2009 arbeitet die Firma profitabel (http://www.gruenderszene.de/news/panfu-mit-10-millionen-nutzern-groste-virtuelle-welt-fur-kinder-in-europa). "Das rasante Wachstum von Panfu zeigt, auf welch selbstverständliche Art Kinder heutzutage mit dem Internet aufwachsen", interpretiert Gründer Kay Kühne bei Gründerszene.de den Erfolg seiner Plattform.

Kühne baute zusammen mit Moritz Hohl das Start-up auf. Die wichtigsten Investoren sind Holtzbrinck Ventures und Marc, Alexander und Oliver Samwer mit ihrem European Funders Fund.

"Social Gaming ist ein Markt, dessen Potential heute nicht einmal ansatzweise erschlossen ist", so Oliver Samwer, Geschäftsführer des European Founders Fund. "Wir sind vollends davon überzeugt, dass es Verena Delius gelingt, den Social Gaming Markt weiter zu entwickeln und Panfu noch stärker zu einer international bekannten Marke auszubauen."

Neben einen Ausbau der Angebote für 3- bis 6-Jährige, möchte Delius unbedingt noch weitere Social Games launchen und im nächsten Jahr ein Online-Sommercamp auf die Beine stellen. Bislang betreibt die Young Internet GmbH noch das zweite Online-Game Oloko.

Die Berliner profitieren von einem interessanten Trend: "Immer mehr Eltern lassen ihre Kinder mittlerweile lieber vor dem Computer spielen, als sie vor den Fernseher zu setzen", erklärt Delius. Die Vorteile überwiegen. "In Spielwelten, wie der unseren, wissen die Eltern, die Werbung ist kindgerecht ausgesteuert und es gibt keine Fernbedienung mit der die Kids einfach ein anderes – verbotenes – Programm ansteuern können."

Seinen Erfolg verdankt die Plattform noch einem ganz anderem Grund: dem "Quengelfaktor". Ein Spiel kann noch so gut und pädagogisch wertvoll sein – wenn die Kids ihre Eltern nicht nerven, weiterspielen zu wollen, wird das Game kein Erfolg. Delius glaubt an den immensen "Quengelfaktor" von Panfu.de.

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