Verbraucherzentrale kritisiert Bild-Shop

Der Internetableger der Bild verkauft in seinem Onlineshop alles vom Fernseher über Fahrräder bis hin zu Fußmassagegeräten. In seinen "Top 100" führt Bild.de jeweils eine von insgesamt neun Begründungen für den zwingenden Kauf an. Mal gilt ein Produkt als "Preishammer", andere hätten als "Testsieger" überzeugt, wieder andere werden zum "Publikumsliebling" hochgejubelt. Wie zuverlässig die Angaben sind, untersuchte die Verbraucherzentrale NRW – mit einem erschreckenden Ergebnis.

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Ob die verkaufsfördernde Euphorie wirklich berechtigt ist, wollte die Verbraucherzentrale NRW wissen. Sie nahm jedes zweite Produkt der "Top 100" genauer ins Visier – und war enttäuscht: Schon die 16 "Preishämmer" in der Stichprobe aus dem Bild-Shop erwiesen sich fast durchweg als Schaumschläger. Die Produkte fanden sich – gesucht über kostenlose Preissuchmaschinen – in anderen Onlineshops im Schnitt fast zehn Prozent günstiger. Einen Kicker-Tisch beispielsweise fand die Verbraucherzentrale NRW sogar über ein Viertel preiswerter. Nur in einem Fall war das Bild.de-Angebot nicht zu knacken: bei einem Speedstick fürs mobile Surfen im Internet von Bild selbst.
Staunen löste bei den Testern auch die Kategorie "Publikumsliebling" aus. In diese Rubrik gelangen laut Werbung nur Waren mit "echten Spitzen-Bewertungen von unseren Shop-Besuchern". Merkwürdig nur: Die fehlten weitgehend. Von den sechs angeblichen "Publikumslieblingen" in der Stichprobe musste die Hälfte ohne Lob auskommen. Der Rest glänzte mal mit einer, mal mit acht Bewertungen – wobei auf einen Surfstick auch zwei strafende 1-Sterne-Urteile fielen. Zum Vergleich: Bei Konkurrent Amazon finden sich bei Bestsellern oft Hunderte Bewertungen.
Springer-Pressesprecherin Tanja Schlinck äußerte in einer Stellungnahme: "Die Interpretationen von Einzelbeispielen der Verbrauchzentrale sind uns bekannt und wir bedauern, dass es offenbar zu Unklarheiten bezüglich unserer Produktauswahl gekommen ist. Wir haben den Kollegen der Verbraucherzentrale in mehreren ausführlichen Gesprächen unsere Auswahlentscheidungen erläutert. Leider geht die Meldung der Verbraucherschützer darauf nicht ein. Unabhängig davon nutzen wir die Erfahrungen der ersten Monate des jungen Shops, um das Konzept grundsätzlich weiterzuentwickeln und zu überarbeiten."
Nachtrag vom 3. September:
Auf Nachfrage von MEEDIA erklärt Stefan Betzold, Leiter Produkt Management BILD digital, dass die Auswahlkriterien für "Preishämmer", "Publikumslieblinge", "Testsieger" und Co. im Top 100 Bereich nachlesbar sind. "Unsere Auswahl erfolgt nach bestimmten Kriterien, die wir unseren Kunden möglichst transparent darstellen wollen. Dazu gibt es bei den Top 100 Produkten auch jeweils eine Begründung der Auswahl. Als junger Shop können wir beispielsweise bei den Publikumslieblingen natürlich noch keine 500 Bewertungen auflisten, so dass wir hier auch auf Kundenbeurteilungen in anderen Shops zurückgegriffen haben – aber wir arbeiten daran, das verständlicher zu machen."

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