Umfrage: Verlage lehnen Frauenquote ab

Frauen und Führung - eine Kombination, die in den meisten deutschen Verlagen noch immer nicht die Regel ist. Bei Hubert Burda Media liegt der Frauenanteil in den Führungsetagen bei 23 Prozent, bei Axel Springer sind es nur 16. Das ergab eine Umfrage des Medienmagazins Journalist. Einzig bei Condé Nast und dem Zeit-Verlag sind 50 Prozent der Spitzenpositionen von Frauen besetzt. Passend dazu macht die Hamburger Wochenzeitung ihre heute erscheinende Ausgabe mit dem Karriere-Titel "Die Methode Frau" auf.

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Der Umfrage zufolge wollen die Medienunternehmen in Deutschland zwar die Anzahl der Frauen in leitenden Positionen erhöhen, doch eine Frauenquote lehnen die Verlags-Verantwortlichen dennoch ab. So wird Spiegel-Sprecherin Anja zum Hingst von dem Medienmagazin wie folgt zitiert: "Frauen werden gefördert, aber nicht quotiert." Beim Spiegel-Verlag arbeiten eigenen Angaben zufolge aktuell 23,5 Prozent der Frauen in Spitzenpositionen. Diese Zahl soll zwar erhöht, aber nicht durch eine Quotenregel erreicht werden. Als Maßnahmen bietet der Verlag spezielle Mentoring-Programme an. Außerdem sollen Teilzeitmodelle und Angebote zur Kinderbetreuung den Frauen helfen, Kinder und Karriere zu vereinbaren
Beim Hamburger Nachbarn Gruner + Jahr ist man in dem Bereich schon etwas weiter. Dort sind bereits 30 Prozent der Führungskräfte weiblich. "Wir reden nicht groß, sondern machen einfach", erklärt Verlagssprecher Claus-Peter Schrack. Chancengleichheit sei bei G+J bereits heute Realität. Seit 2007 gibt es eine betriebseigene Kindertagesstätte. Außerdem setzt der Verlag auf flexible Arbeitszeiten.
So auch beim Zeit-Verlag, der am heutigen Donnerstag mit "Die Methode Frau" das Karriere-Thema zum Titel ihrer Wochenzeitung macht. Laut Geschäftsführer Rainer Esser würden die flexiblen Arbeitszeitenmodelle und die Gewissheit, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich sei, seinen Verlag "zu einem der familienfreundlichsten Unternehmen in der Medienbranche" machen.
Auch Springer ist auf dem Weg dahin. Bei dem Verlag sind aktuell nur 16 Prozent der Führungskräfte weiblich. Diese Zahl soll in den nächsten fünf bis acht Jahren verdoppelt werden, so Springer-Personalleiter Alexander Schmid-Lossber. Man setze deshalb auf "strukturiertes Talentmanagement und eine systematische Nachfolgeplanung". Dies bedeutet, dass bei einer vakanten Stelle sowohl ein männlicher als auch ein weibliche Bewerber vorgeschlagen werden. Darüber hinaus setzt Springer auch auf flexible Arbeitszeiten, Elternzeitregelungen und Notfallgruppen für die Kinderbetreuung. Gestern weihte Friede Springer im Rahmen des 60-jährigen Jubiläums des Hamburger Verlagshauses die betriebsnahe Kindertagesstätte "Wolkenzwerge" ein – eine der ersten Maßnahmen, um, nach Verlagsangaben, "ein ausgeglicheneres Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen zu erreichen".
Die Mühe hat sich in diesem Jahr schon gelohnt: Der Axel Springer-Verlag wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem TOTAL E-QUALITY Prädikat ausgezeichnet, das für eine Förderung von Chancengleichheiten in einem Unternehmen steht.

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