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Apple, Microsoft, Goolge & Co: US-Tech-Konzerne haben zu viel Bargeld

Es klingt wie ein Paradoxon: Technologie- und Internet-Riesen wie Apple, Microsoft und Google sitzen auf zweistelligen Milliarden-Beträgen – und genau das belastet die Aktienkurse. Die immer dickeren Cash-Polster werfen nämlich kaum Renditen ab und verfälschen die Börsenbewertung. Immer mehr Analysten fordern deswegen Bar-Ausschüttungen in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen. HP, Dell und Intel haben indes eine andere Verwendung für ihre Milliarden gefunden: Sie setzten auf teure Übernahmen.

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Es klingt wie ein Paradoxon: Technologie- und Internet-Riesen wie Apple, Microsoft und Google sitzen auf zweistelligen Milliarden-Beträgen – und genau das belastet die Aktienkurse. Die immer dickeren Cash-Polster werfen nämlich kaum Renditen ab und verfälschen die Börsenbewertung. Immer mehr Analysten fordern deswegen Bar-Ausschüttungen in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen. HP, Dell und Intel haben indes eine andere Verwendung für ihre Milliarden gefunden: Sie setzten auf teure Übernahmen.

Geld stinkt nicht? Doch, das tut es. So zumindest muss es den Finanzvorständen von Apple, Microsoft, Google und Intel gehen. Zusammen genommen könnten sie fast 130 Milliarden Dollar Cash auf den Tisch legen – so viel kosten Dax-Konzerne wie die Deutsche Telekom, Daimler, Deutsche Lufthansa und Adidas nicht mal zusammen!

Allein: Die Milliarden bleiben verschlossen in den Bank-Tresoren der Tech-Riesen. Warum Apple, Google & Co keine Neigung verspüren, ihre Aktionäre am immer größeren Vermögen teilhaben zu lassen, erklärte Steve Jobs im Februar auf der Aktionärsversammlung: Man habe aus der Vergangenheit gelernt, als der Konzern 1997 kurz vor der Pleite stand, und warte gegebenenfalls auf geeignete Übernahmemöglichkeiten.

So weit, so wirtschaftlich verständlich. Allein: Diese hohen Cash-Bestände machen nicht glücklich – zumindest Aktionäre nicht. So machen Apples üppigen Barreserven inzwischen fast 20 Prozent des Börsenwertes aus!

Apple: Bald 50 Milliarden auf der hohen Kante

Eine alte Börsen-Regel lautet jedoch: Das Kapital sucht beständig nach Wegen der Vermehrung. Die sind dank der fast erzkonservativen Anlagestrategie der IT-Konzerne indes ziemlich verschlossen. Lediglich 0,78 Prozent Rendite warfen Apples knapp 34 Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr ab – gerade mal 265 Millionen Dollar Zinsen also.

Inzwischen ist das Cash-Polster auf enorme 46 Milliarden Dollar angeschwollen; in vier Wochen, wenn das laufende Geschäftsjahr zu Ende geht, könnten Apples Barbestände sogar die 50 Milliarden Dollar-Schallmauer knacken – nicht mal Exxon Mobil, der wertvollste Konzern der Welt, hortet solche Cash-Reserven.

Analyst: Apple sollte Cash-Bestände auszahlen

Und hier fängt das Problem an. So viel Geld weckt entsprechende Begehrlichkeiten. So fordern immer mehr Analysten unverhohlen die Ausschüttung zumindest eines Teils des Vermögens. Zuletzt artikulierte Tony Sacconaghi von Sanford C. Bernstein nachdrücklich, dass Apple sich und seinen Anleger ein Gefallen tun würde, wenn das Kultunternehmen aus Cupertino einen Großteil seiner Cash-Bestände an Aktionäre ausschütten würde – zunächst in Form einer Sonderdividende, dann mit jährlichen Dividenden in Höhe von 4 Prozent. Der Rest das Kapitals könnte für Aktienrückkäufe verwendet werden.

Sacconaghis Forderung erscheint nicht nur logisch – sie könnte auch der Apple-Aktie zugute kommen. Abzüglich der gigantischen Barbestände würde sich nämlich auch die Bewertung des Unternehmens verringern. Aktuell wird Apple bei 240 Dollar mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 17 geführt.

Würde sich das an der Technologiebörse Nasdaq geführte Unternehmen von seinem Barvermögen von 46 Milliarden Dollar trennen, entspreche das einem Abzug von 50 Dollar je Aktie. Die Aktie würde dann bei 190 Dollar notieren, das Unternehmen würde dann aber plötzlich nur noch mit einem KGV von 13,5 gehandelt – und wäre damit deutlich attraktiver bewertet. Paradox formuliert: Geld zu verschenken, könnte den Aktienkurs pushen. Erst recht, wenn durch die Auszahlung einer regelmäßigen Dividende eine zusätzliche Sicherheit entsteht.

Milliarden für Akquisitionen: HP und Dell im Bietergefecht

Die Problematik gilt in ähnlicher Form ebenfalls für Google (30 Milliarden Dollar Barmittel), Microsoft (37 Milliarden Dollar Barmittel) oder Intel (18 Milliarden Dollar Barmittel): Abzüglich ihrer Barreserven notieren die Tech-Werte auf historisch niedriger Bewertung – trotzdem werden sie von Anlegern so stark verschmäht wie seit der dem Platzen der Internet-Blase nicht mehr.

Als einen Ausweg aus der Misere versuchen hochkapitalisierte Technologie-Unternehmen nun einen anderen Weg – den der Übernahmen, wie die jüngsten Zukäufe von McAfee und der Infineon-Handychip-Sparte durch Intel oder der Milliarden-Poker um 3PAR zwischen Hewlett-Packard und Dell beweisen.

Statt überteuerter Übernahmen: „Tech-Konzerne sollten das Geld an ihre Aktionäre zurückzahlen“

Fast 8 Milliarden Dollar überwies der Dow Jones-Konzern Intel für den Sicherheitsoftware-Anbieter McAfee – das entspricht einem saftigen Aufschlag von 60 Prozent zum letzten Kurs vor dem Gebot. Beim bisher eher unbekannten Cloud Computing-Spezialisten 3PAR schießen die Premium-Aufschläge nach einem schier endlosen Bietergefecht noch weiter in die Höhe: Um unfassbare 200 Prozent über dem letzten Kurs vor der ersten Übernahme-Offerte liegt das letzte Gebot von HP vom vergangen Freitag inzwischen.

„Die Tech-Konzerne sollten das Geld besser an ihre Aktionäre zurückzahlen“, wundert sich etwa der Vermögensverwalter Eric Jackson. „Wenn große, langsamer wachsende Tech-Konzerne zu viel Geld haben, bezahlen sie viel zu viel für fragwürdige Unternehmen.“ So oder so: Es scheint, als wäre Geld im Silicon Valley zum echten Problem geworden – und zwar der Überfluss davon.

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