Rachs neue Show: zäher Fisch in Tupperware

Wer ein Fan von Christian Rach ist, wird am Montagabend eingeschaltet haben, als RTL "Rachs Restaurantschule" startete. Doch die Doppelfolge zum Auftakt enttäuschte. Das Format dürfte auf Sicht kaum an die großen Quotenerfolge des Restauranttesters anknüpfen. Ein Sternekoch, eine heruntergekommene Location und ein Dutzend Verlierer, die die Chance ihres Lebens nutzen wollen: Klingt nach einem schlüssigen Konzept, ist aber im Ergebnis keins. Am Ende war's ein zäher Brei aus Trash-TV und Langeweile.

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Der vielleicht entscheidende Unterschied zum britischen Vorbild und Erfolgsformat, das Kult-Koch Jamie Oliver einst startete: Oliver schickte die Kandidaten, die im Leben nichts oder wenig auf die Reihe bekommen hatten, ins eigene Restaurant. Rach wirkt dagegen distanziert. Es ist nicht sein Laden, es geht nicht um sein Geld und Renommee, es wären ganz sicher nicht die Leute, die er auf seine Gäste loslassen würde. Das spüren vielleicht die Kandidaten, ganz sicher aber die Zuschauer.
"Traut ihr euch zu, so etwas unfallfrei aufzutischen?" fragt der Sternekoch nach dem ersten gemeinsamen Essen in die entgeisterte Runde, und man spürt die Welten, die sich zwischen dem Profi und den Kandidaten auftun. Diese versuchen sich selbst Mut zu machen. "Ich hab‘ Ehrgeiz", sagt einer. Ein anderer glaubt: "Mein Leben wird sich um 360 Grad drehen" und sagt damit unfreiwillig, was am Ende die persönliche wie kollektive Bilanz des Experiments zu sein droht.
Bei seinen Restauranttests war Rach wohl deshalb stark, weil er es mit Leuten zu tun hatte, die ihr Umfeld gleich mitbrachten: die verwahrloste, kaum frequentierte Kneipe oder bessere Frittenbude, die der Messias der Küche wieder richten und auf Vordermann bringen sollte. Das waren schlechte Gastronomen, aber immerhin: es waren welche. Die Kandidaten, die RTL für den Rach-Versuch gecastet hat, hätten wohl jede Chance ergriffen, die eine Aussicht auf ein neues Leben verspricht. Deshalb hat die Restaurantschule auch wenig mit Kochen zu tun. Das ganze Sendekonzept wirkt untauglich für die Primetime.
Monströs Übergewichtige, langjährige Drogenkonsumenten und ehemalige Schlägertypen, die nun ein Restaurant stemmen sollen – wollen die das wirklich, wollen die Zuschauer das? Und es wird nicht besser, dass das Format in einen Rahmen eingebettet wird, der die Kandidaten in eine WG zwingt, wo sie in der Freizeit zu besichtigen sind. Auch wenn der Restauranttester es dementiert, so sind doch die Bezüge zu Big Brother offensichtlich. Ein Umfeld, in dem Rach fehlbesetzt wirkt. Der Oberkoch macht einen routinierten Job, mehr aber auch nicht. Der Funke springt einfach nicht über. Die Fischsuppe, die ihm eine Kandidatin gekocht und überreicht hat, rührt er nicht an und stellt die Tupperschüssel angewidert weg. Eine symptomatische Szene.
Die Umgestaltung der ehemaligen Weinhexe im Hamburger Chilehaus zum von Sozialfällen betriebenen Lokal birgt imagemäßig für Rach auch Risiken. Er weiß es. "Wenn das hier in die Tonne fliegt", sagt der 53-Jährige Ende der Sendezeit über das Experiment, "setze ich meine eigene Reputation aufs Spiel." MEEDIA-Prognose: Rach wird’s überstehen, aber die Restaurantschule dürfte es in der jetzigen Form schwer haben.

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