Neue Strategie: NPD attackiert Lokalblätter

Die NPD fährt in Thüringen eine regionale Medienoffensive. Gleich sieben kostenlose Lokalzeitungen bringt die Partei dort heraus, darunter den Nordthüringen Boten, die Südthüringer sowie die Eichsfelder Stimme. Damit ist sie fast flächendeckend präsent und versucht, die Leser aufzufangen, die die Heimatblätter kontinuierlich verlieren. Die vierseitigen "patriotischen" Informationsblättchen setzen vor allem auf lokale News. Herausgeber Patrick Wieschke soll bereits 160.000 Exemplare verteilt haben.

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Mit den Mini-Zeitungen, die durch den Landesverband finanziert werden, will die NPD gezielt Propaganda betreiben, wie NPD-Funktionär Wieschke im Interview mit dem Deutschlandfunk sagt: "Ich verstehe darunter, durch Verstetigung, durch kontinuierliches Beackern, zum einen bestimmter Themen, zum anderen bestimmter Zielgruppen, zum anderen bestimmter Regionen das Denken der Menschen zu beeinflussen. Und die Graswurzelarbeit ist insofern zu verstehen, dass wir durch diese Kontinuität, nach und nach das Denken beeinflussen wollen in unserem Sinne." Doch diese Strategie geht zumindest bei den Werbekunden nicht auf – sie blieben dem Projekt bislang fern.
Alle drei Monate versucht die Partei es aufs Neue mit Schlagzeilen wie "Kriminelle Ausländer raus", "Islamisten auch in Nordhausen aktiv!" oder auch "Wozu braucht Erfurt einen Ausländerbeirat?" Leser auf regionale Ebene zu gewinnen. Der taz sagte Herausgeber Wieschke, dass er mit den Zeitungen eine "echte Gegenöffentlichkeit zur gleichgeschalteten Medienlandschaft" schaffen wolle.
Und das setzen die Partei-Zeitungen auch um, wie Patrick Weber, Chefredakteur des 21.000 Exemplare Auflage starken Nordthüringen Boten, auf der Webseite verkündet: "Mit dem Nordthüringen Boten hat unsere Region eine Zeitung, welche nicht – wie alle anderen – mit dem politisch korrekten Strom schwimmt, sondern vieles kritisch hinterfragt und Vorschläge zu politischen Fragen anbietet, die in der Regel nicht den Wünschen etablierter Parteipolitiker entsprechen." Das in rot-blau-schwarz gehaltene "patriotische Mitteilungsblatt" zeige "im thüringenweit gleichen Innenteil der regionalen Zeitung (…) erschreckende Zahlen des Gewaltmonopols von ausländischen Banden" und mache damit deutlich, "dass der Großteil der zuziehenden Ausländer in übergroßem Maße mit den Gesetzen in Konflikt geraten".
Laut BDZV sank in den vergangenen Jahren die Auflage von regionalen und lokalen Kaufzeitungen in ländlichen Regionen um bis zu drei Prozent. Ein Beispiel: Die Südthüringer Presse verlor allein im vergangenen Jahr drei Prozent an der verkauften Gesamtauflage, gerechnet auf einen Fünf-Jahres-Trend sind es sogar minus 13 Prozent.
Mit dem Lokaljournalismus und der Kostenloskultur könnten die Rechtsextremen gleich doppelt ins Schwarze treffen und so bei den Lesern punkten. Nach Journalistik-Professor Michael Haller könnte diese Verbindung erfolgversprechend sein, weil "Regionalzeitungen eine Thematik insgesamt anbieten, aber vor allem auch eine Sicht auf diese Themen anbieten, die sagen wir mal dem Mainstream entspricht und da fühlen sich diejenigen, die sich eher am Rande der Gesellschaft fühlen, die sehen sich von diesen Zeitungen in ihrer Sicht der Dinge und ihren Erfahrungen nicht mehr repräsentiert", so der Dozent der Leipziger Uni gegenüber dem Deutschlandfunk.
Bei der Landtagswahl 2009 erhielt die NPD 4,7 Prozent der Stimmen und verpasste damit knapp den Einzug in den Landtag. Wieschke will die Reichweite seiner Zeitungen weiter ausbauen. So kündigte er an, dass zu den sieben Ausgaben noch zwei hinzukommen werden.

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