Wall Street: Google fällt in Ungnade

Ein fast schon legendäres Web-Business-Datum: Vor fast sechs Jahren ging Google an die Börse. Es war der Beginn einer Aktien-Erfolgsgeschichte. Doch seit Anfang 2010 scheint die US-Company an der Wall Street in Ungnade gefallen zu sein. So kostet die Aktie nur noch 450 Dollar – das sind 28 Prozent weniger als noch zu Jahresbeginn. Dabei ist operativ nichts von einer Krise zu sehen, trotzdem leidet Google unter dem Liebesentzug vieler Anleger. Zu Unrecht, meinen Investment-Experten.

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Ein fast schon legendäres Web-Business-Datum: Vor fast sechs Jahren ging Google an die Börse. Es war der Beginn einer Aktien-Erfolgsgeschichte. Doch seit Anfang 2010 scheint die US-Company an der Wall Street in Ungnade gefallen zu sein. So kostet die Aktie nur noch 450 Dollar – das sind 28 Prozent weniger als noch zu Jahresbeginn. Dabei ist operativ nichts von einer Krise zu sehen, trotzdem leidet Google unter dem Liebesentzug vieler Anleger. Zu Unrecht, meinen Investment-Experten.

Der große Coup ist fast auf die Woche sechs Jahre her. Ende August 2004 war es, als das seinerzeit heißeste Internet-Start-up der Welt das tat, was irgendwann so ziemlich jedes wachstumsorientierte Unternehmen tut: Google ging an die Börse. Die Aufregung war groß in jenen August-Tagen, als die Weltbörsen noch immer ihre Wunden der dreijährigen Baisse leckten: In der ungewöhnlichen holländischen Auktion brachte Google seine Aktien an die neuen Besitzer – und düpierte dabei die alteingesessene Investmentszene der Wall Street kräftig.

So fiel das Echo zum Börsengang (IPO) dann auch zunächst sehr verhalten aus: 85 Dollar je Aktie sollte die Google-Aktie kosten – und das Unternehmen mit happigen 27 Milliarden Dollar bewerten. Die "New York Times" nannte die Bewertung "luftig". Am ersten Handelstag sollte die unter dem Tickersymbol GOOG an der Nasdaq gelistete Aktie bei 100,34 Dollar schließen, nachdem das Papier bei exakt 100 Dollar gestartet war. Heute wissen wir: Die Bewertung war alles anderes als "luftig" – das Papier hat die 100-Dollarmarke seitdem nie wieder gesehen.

Wall Street verzeiht Google den China-Rückzug nicht

Bei 450 Dollar notiert Google sechs Jahre später: Anleger, die an Tag eins in die Internetsuchmaschine investiert hätten, hätten ihr Investment also um stolze 350 Prozent steigern können – und das in einem Zeitraum, in dem der Vergleichsindex Nasdaq Composite gerade mal um 15 Prozent zulegte. Die Google-Aktie müsste also als fantastisches Investment durchgehen!

Tut sie aber nicht. Im Gegenteil: Unglaubliche 28 Prozent hat Google seit Januar bereits verloren, während die Nasdaq gerade mal 7 Prozent an Wert eingebüßt hat. Was ist also los mit Google? Da ist der Infight mit Apple, der nach Anleger-Einschätzung offenbar Substanz kostet: Obwohl Google mit Android immer größere Marktanteile erreicht, verdient Apple die Milliarden im Smartphone-Markt. Nicht zuletzt deshalb ist das Unternehmen aus Cupertino in den vergangenen zwölf Monaten deutlich an Google vorbeigezogen und war phasenweise schon 100 Milliarden mehr wert als die Internet-Suchmaschine.

Dann ist da das China-Debakel. Auch wenn die Umsätze im Reich der Mitte bislang nur einen Bruchteil in der Bilanz ausmachen, verzeihen Anleger Google die Konfrontation mit der chinesischen Regierung nicht. China bedeutet schließlich Wachstum – die wichtigste Währung an den weltweiten Aktienmärkten.

Analysten sehen deutlich höhere Kurse

Dabei konnte Google Wachstum zuletzt noch sehr solide dokumentieren: Um 24 Prozent stieg der Netto-Gewinn im zweiten Quartal immer noch an. Nach Meinung von Investment-Experten rechtfertigt das höhere Notierungen an den Aktienmärkten: "Google ist meine Lieblingsaktie im Smartphone-Sektor", erklärt etwa der frühere Hedgefondsmanager Cody Willard, der etwa die Apple-Aktie 2003 empfahl, als sie bei 7 Dollar notierte.

"Google ist so weit von den 2007er Hochs (bei 750 Dollar) entfernt und in seine Bewertung hereingewachsen – besonders, wenn man die riesigen Barreserven berücksichtigt", findet Willard, der schon bald wieder von Kursen über 500 Dollar ausgeht.  Die Wall Street ist da schon weiter und sieht Kursziele zwischen 600 und 750 Dollar.  

Doch davon spricht in diesen Tagen niemand – ganz im Gegensatz zur neuen Bewertung von Facebook. Zum Vergleich: Das Social Network wäre jetzt schon wertvoller als Google zum Zeitpunkt des Börsengangs vor sechs Jahren. Setzt sich diese Entwicklung linear fort, während Google stagniert, könnte es vielleicht schon zur Mitte des Jahrzehnts zu einer Wachablösung der Internet-Giganten kommen.   

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