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Die WAZ und der Oligarch

Der Rückzug der WAZ-Gruppe aus Serbien ist seit Juni beschlossene Sache. Im Streit mit den dortigen Behörden und einem ortsansässigen Oligarchen ist der Versuch gescheitert, die Belgrader Zeitung Vecernje Novosti zu übernehmen. Die WAZ sieht sich als Opfer eines Kartells. Im Rückblick schimpft WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach nun in der FAZ, er wolle beim Rückzug nicht auch noch bestohlen werden. Aber es gibt auch Kritik an der Zusammenarbeit der WAZ mit dem Oligarchen.

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Ein Oligarch ist eine oft regionale Wirtschaftsgröße, die in ihrem Einflussbereich bedeutende Macht ausübt. Oft auch an offiziellen Kanälen vorbei. Vor allem in Russland und Osteuropa gelten Oligarchen heute noch als wichtiger Machtfaktor. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach kennt die Gegebenheiten in Südosteuropa und in Serbien. Er hat lange als EU-Sonderkoordinator für den Balkan gearbeitet und gilt in der Region als gut vernetzt. Bei der Expansion in Serbien hatte sich die WAZ nun offenbar den Diensten des serbischen Oligarchen Milan Beko versichert. Ein Mann, der unter dem Regime des verurteilten Kriegsverbrechers Dragomir Milošević laut FAZ als “Privatisierungsminister” gedient hatte. Beko hatte als Mittelsmann der WAZ Anteile an der Zeitung Vecernje Novosti gekauft. Von 14 Mio. Euro ist die Rede, die die WAZ schon vor Jahren für den Kauf an ihn gezahlt haben soll.

Nach dem Segen des serbischen Kartellamts sollte Beko die Anteile dann an die WAZ überschreiben. Dies geschah aber nie. Das Kartellamt in Serbien verzögerte die Zustimmung immer weiter. Laut FAZ vermutet man bei der WAZ, dass die Kartellbehörde in Serbien unter dem Einfluss Bekos steht. Dieser habe schließlich einen Führungsposten bei dem Essener Zeitungskonzern, redaktionelle Kontrolle über die Zeitung sowie eine weitere hohe Geldsumme gefordert, wenn er die Kartellbehörde im Sinne der WAZ umstimmen solle.

Die WAZ zahlte nicht und wertete, wie es nach serbischen Gesetzen möglich ist, das Schweigen der Kartellbehörde als Zustimmung und versuchte, die Anteile an der Zeitung Vecernje Novosti zu überschreiben. Dies führte zu einer massiven Pressekampagne in Serbien gegen die WAZ. Dabei tat sich vor allem auch der serbische Wirtschaftsminister Mladjan Dinkic hervor, der forderte, man solle der WAZ jegliche Geschäftstätigkeit in Serbien verbieten. Auf Geschäfte in Serbien haben die Essener aber ohnehin keine Lust mehr. Serbien ist auf der WAZ-Landkarte wohl vorerst gestrichen.

Die WAZ sieht sich als Opfer eines Kartells aus Oligarchen, Politik und Behörden in Serbien. Die FAZ zitiert allerdings auch namentlich nicht genannte Kritiker, die der WAZ Gruppe unterstellen, in ganz Südosteuropa mit Oligarchen zusammenzuarbeiten. Die WAZ würde sich nur beschweren, weil es beim Serbien-Deal zu Problemen gekommen sei. Die WAZ weist dies als “gehässig” von sich. Die Probleme habe es gerade deswegen gegeben, weil man sich dem Oligarchen widersetzt habe. Der Oligarch Beko, mit dem WAZ in Serbien einträgliche Geschäfte machen wollte, war wohl einfach zu gierig geworden. Für Bescheidenheit und seriöses Geschäftsgebaren sind osteuropäische Oligarchen nicht direkt berühmt.

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