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Die Erfolgsformel des Frank Plasberg

Frank Plasberg feierte am gestrigen Mittwoch ein stilles Jubiläum. Zur 100. Folge seiner Talkshow “Hart aber fair”, hat es “Schnittchen” hinterher gegeben, ansonsten war die Sendung zum Atom-Streit, eine “Hart aber fair”-Sendung wie jede andere auch. Und das ist gut so, denn das Format ist die derzeit beste politische Talkshow im deutschen Fernsehen. Frank Plasberg hat seine Sendung in der zweiten Reihe im Ersten Programm zu einer Premium-TV-Marke gemacht. MEEDIA analysiert sein Erfolgsrezept.

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Der Moderator

Jede Talkshow steht und fällt mit dem Moderator. Kann der Gesprächsleiter oder die Gesprächsleiterin die Gästerunde nicht angemessen führen, dann nützt die beste Redaktion mit den tollsten Einspielfilmen nichts. Manche Leute sind einfach nicht für das Talk-Format geschaffen. Bestes Beispiel ist Anne Will, die eine hervorragende “Tagesthemen”-Präsentatorin war und eine bestenfalls mittelmäßige Talkshow-Moderatorin ist. Frank Plasberg dagegen scheint für den Talk geboren. Seine zupackende Art kann man als oberlehrerhaft bezeichnen – für den Talk-Zirkus im TV ist es genau die richtige Methode. Er hat die Autorität, auch großkopferten Gästen über den Mund zu fahren, wenn mal wieder allzu wolkige Phrasen gedroschen werden. Plasberg bleibt stets fokussiert, vergisst nicht, wenn er jemandem das Wort versprochen hat, geht beherzt dazwischen, lässt aber einen Streit auch mal laufen, wenn es der Sache dient. Die Mischung aus hart und herzlich beherrscht kein zweiter deutscher TV-Mensch in solcher Vollendung. Mit dem Moderator steht und fällt eine Talksendung. Im Falle Plasbergs steht die Sendung wie eine Eins.

Das Konzept

Zum Erfolg gehört aber auch das Konzept, das der Persönlichkeit des Moderators am besten auf den Leib geschneidert wird. Die Talk-Arena von “Hart aber fair” sitzt Frank Plasberg wie ein Maßanzug. Berühmt geworden ist mittlerweile sein “magisches” Pult, mit dem er je nach Gesprächssituation passende Einspielfilme abrufen kann, um Aussagen der Gäste mit Fakten zu belegen oder in Frage zu stellen.  Die Einspielfilme sind stets von hervorragender Qualität, arbeiten mit Suggestiv-Fragen und bringen so manchen Gast in Erklärungsnotstand. Das ist zwar manchmal mehr hart als fair, aber so muss guter TV-Journalismus in Talk-Form aussehen.

Brigitte Büscher

Während bei Anne Will oder Maybrit Illner Betroffene geladen und auf Stühle oder Sofas platziert werden, um die “Stimme des Volkes” mehr schlecht als recht repräsentieren, setzt Plasberg mit seiner Redaktion auf den journalistischen Filter. Seine Redaktion sichtet Einträge im Internet-Tagebuch, E-Mails und nimmt Telefonanrufe entgegen. Dies alles wird ausgewertet, aufbereitet und von Brigitte Büscher sympathisch und souverän im Zwiegespräch mit Plasberg aufbereitet. Brigitte Büscher ist auch so ein Glücksfall für “Hart aber fair”. Die Chemie mit dem Hauptmoderator stimmt, trotzdem ist immer klar, wer der Chef im Talk-Ring ist. Brigitte Büscher spielt ihre Rolle als Anwältin des kleinen Mannes unaufdringlich, kompetent und sympathisch. Sie bringt eine Emotionalität und Wärme bei “Hart aber fair” ein, die dem kantigen Plasberg vor der Kamera manchmal fehlt. Dass die Beteiligung des Publikums auf so altmodische Weise mit einem Gespräch zweier Personen abgehandelt wird, ist wohltuend und tausendmal geschickter, als nervende Experimente mit Technik-Klimbim, wie bei der Polit-Talkshow “Wahl-Arena” mit der Sabine Christiansen und Stefan Aust vor der vergangenen Bundestags bei Sat.1 Quoten-Schiffbruch erlitten.

Flexibilität

“Hart aber fair” ist durch das Konzept, den strengen Moderator und feste Elemente (Publikum, Einspielfilme, Schlussrunde) ein starres Format mit festen Abläufen und Ritualen. Es spricht für Plasberg und seine Redaktion, dass er ab und zu den Mut hat, das Sicherheit gebende Korsett der Sendung zu verlassen und Ausnahmen zuzulassen. Gibt es beispielsweise einen Gast, dem aufgrund aktueller Ereignisse eine herausgehobene Bedeutung zukommt, so bricht Plasberg die Runde auf und widmet sich eine Zeitlang nur diesem einen Gast in einem Intensiv-Gespräch. Das hat er schon mit Guido Westerwelle gemacht, als der noch nicht Außenminister war. Das hat er in seiner Jubiläumssendung mit dem CDU-Umweltminister Norbert Röttgen so gemacht, weil der im aktuellen Atomstreit eine Schlüsselfigur ist. Wenn mal ab und zu softere Themen auf der Tagesordnung stehen, bittet Plasberg während der Sendung auch schon mal den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zum Wettgrillen mit seiner selbstgemachten Sauer-Soße. Dann weht ein Hauch “Stern TV” durchs Studio – aber bevor das Infotainment Überhand nimmt, kehren alle Beteiligten brav wieder an ihre Stehpulte zurück und werden durch die Mangel gedreht.

Frank Plasberg hat es auf dem eher unattraktiven Sendeplatz am späten Mittwochabend um 21.45 Uhr geschafft, bessere Marktanteile einzufahren, als Anne Will auf dem Spitzensendeplatz am Sonntag nach dem “Tatort”. Darauf kann er Stolz sein. Durch das neue Programmschema wird für “Hart aber fair” aller Wahrscheinlichkeit nach ein besserer Sendeplatz zur Primetime herausspringen. Auch die ARD-Bosse dürften wissen, was sie an Plasberg und seiner Sendung haben.

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